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Die vor 53 Jahren erbaute Trauerhalle auf dem Waldfriedhof ist inzwischen von Sträuchern und Bäumen gesäumt. Im Gebäude fallen einzelne renovierungsbedürftige Stellen auf.

Zwei Friedhöfe

Letzte Ruhe nach Wahl

  • vonJürgen Schenk
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Klein-Karben hat zwei Friedhöfe. Da ist der vor mehr als 50 Jahren errichtete Waldfriedhof und der inzwischen als reiner Urnenfriedhof ausgewiesene an der Rendeler Straße.

Friedhöfe nach ihrer Beliebtheit zu bewerten, erscheint im ersten Moment vielleicht etwas befremdlich. Und doch gibt es eine solche Rangfolge in Orten mit mehreren Begräbnisstätten. Klein-Karben hat zwei Friedhöfe zur Auswahl: Der Waldfriedhof liegt außerhalb an der Büdesheimer Straße, gegenüber des Rosenhanges. Innerorts ist der 2008 eröffnete Urnenfriedhof an der Rendeler Straße wegen seiner massiven Ummauerung kaum zu übersehen.

Das von Häusern und Gärten umgebene, parkähnliche Gelände zeigt deutlich: Diese letzte Ruhestätte ist von Grund auf älter, als man wegen der modernen Urnenrondelle vermuten könnte. Tatsächlich handelt es sich um den Vorgänger des Waldfriedhofes. 3500 Quadratmeter umfasst die Gesamtanlage. Über einen langen Zeitraum hinweg wurden dort Verstorbene aus Klein-Karben und auch Ortsfremde begraben.

Wunschgrab vorab reservieren

Jetzt entspricht die neu gestaltete Anlage dem Wunsch vieler Menschen nach einer Feuerbestattung. Und es ist kein Geheimnis, dass in der Bevölkerung große Nachfrage danach besteht. Interessenten müssen jedoch etwas tiefer in die Tasche greifen: Über 700 Euro kostet allein die »Reservierungsgebühr«. Im Todesfall kommen dann noch die üblichen Bestattungskosten hinzu. Aber die Aussicht auf ein »Wunschgrab«, das schon zu Lebzeiten reserviert werden kann, ist für viele ein gutes Argument.

In einer Klein-Karbener Chronik aus dem Jahr 1960 wird der alte Friedhof kurz erwähnt. Wann er genau angelegt wurde, geht aus dem Text nicht hervor. Es darf aber vermutet werden, dass dies im ausgehenden 18. Jahrhundert geschah. Zu dieser Zeit war der Platz an der Michaeliskirche für weitere Beerdigungen zu klein geworden. 1779 sollen an der Kirche letztmalig Einwohner aus Groß-Karben, Burg-Gräfenrode und anderen Orten der Karbener Mark beigesetzt worden sein.

Bereits 1960 machte sich der Chronikautor Gedanken über eine größere Trauerhalle. Wörtlich schrieb er: »Hoffentlich kann das Leichenhaus einmal durch eine neue größere und auch für Totenfeiern würdigere Leichenhalle ersetzt werden, denn das jetzige ist nicht gerade eine Zierde des Friedhofs. Es ist klein, und bei schlechtem Wetter muß die Totenfeier mitunter in der Kirche stattfinden«. Acht Jahre später wurde diesem Wunsch entsprochen. Am 28. November 1968 titelte die Wetterauer Zeitung im Lokalteil: »Neuer Friedhof mit moderner Trauerhalle«. Auf dem veröffentlichten Foto sieht man den Trauerhallenneubau an der Büdesheimer Straße und die ersten beiden Gräber. Bäume, Hecken und sonstige Zierde gab es damals noch nicht.

Wenige marode Stellen im Bauwerk

Erich Bingemer, ein Architekt aus Klein-Karben, hatte das Gebäude für seinen Heimatort entworfen. Die Einweihungsfeier am Totensonntag (24. November 1968) habe unter großer Anteilnahme der Ortsbevölkerung stattgefunden, heißt es in dem Bericht. Und weiter: »In seiner Ansprache betonte Bürgermeister Reutzel die Notwendigkeit der Errichtung des neuen Friedhofes. Trotz anderer wichtiger Probleme habe die Gemeinde keine Kosten und Mühen gescheut, die Friedhofsanlage und die Friedhofshalle nach modernsten Gesichtspunkten zu gestalten.«

Günter Reutzel selbst wurde nur wenige Jahre später auf dem Waldfriedhof beigesetzt. Der SPD-Bürgermeister war früh aus dem Leben gerissen worden. Sein Grab befindet sich linkerhand vom Eingangstor, in der hinteren Ecke des Friedhofs.

Auf den ersten Blick macht die fast 53 Jahre alte Trauerhalle einen ordentlichen Eindruck. Schaut man aber genauer hin, fallen doch einige marode Stellen an der Außenfassade auf. Auch provisorisch geklebte Risse im Glas sind ein Makel, der sich abstellen ließe.

Ortsvorsteher Christian Neuwirth (CDU) erwidert auf Anfrage dieser Zeitung, ihm lägen diesbezüglich keine Beschwerden vor. »Zu mir sind bis dato keine Informationen gelangt«, schreibt er in einer E-Mail. »Auch eine erfolgte Rückfrage im Rathaus hat keine Beschwerden ergeben.« Eine geplante Baumaßnahme sei die Schaffung von Urnengräbern auf dem kleineren alten Friedhof in Klein-Karben, informiert Neuwirth.

Altes und Neues in Klein-Karben nebeneinander: Vorne moderne Urnengräber, dahinter kunstvoll gearbeitete Grabplatten aus dem 17./18. Jahrhundert.

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