Die letzte Busfahrt

Auf den ersten Blick sieht der Ziehharmonikabus mit dem Nummernschild FB-KE 333 nicht speziell aus: stoffbezogene Sitze, alte Plastikgriffe und große Fensterscheiben. Dinge, die sich auch in jedem anderen Bus finden. Doch was an diesem Gefährt besonders ist, das ist das, was man nicht sieht: Erinnerungen. Nun fällt dem Bus ein neue spannende Aufgabe zu.

Von APP

Auf den ersten Blick sieht der Ziehharmonikabus mit dem Nummernschild FB-KE 333 nicht speziell aus: stoffbezogene Sitze, alte Plastikgriffe und große Fensterscheiben. Dinge, die sich auch in jedem anderen Bus finden. Doch was an diesem Gefährt besonders ist, das ist das, was man nicht sieht: Erinnerungen. Nun fällt dem Bus ein neue spannende Aufgabe zu.

Der Bus der Firma Eberwein hat pinkfarbene Streifen und ist mit einem großen Eberwein-Logo auf der Seite versehen. Das Fahrzeug ist in Karben alles andere als unbekannt, ganz im Gegenteil. 19 Jahre lang war er als Schulbus unterwegs: Für einen Bus ist das eine Ewigkeit. Treu holte er zum Beispiel morgens Kinder in Okarben ab, um sie zum Unterricht an die Kurt-Schumacher-Schule zu bringen. Für viele war der Bus integraler Bestandteil des Schulalltags, ein Ort, wo man mit den Freunden auf dem Nachhauseweg rumalberte oder auf dem Hinweg noch schnell versuchte, die Hausaufgaben zu erledigen.

Bereits im vergangenen Jahr war der Bus jedoch ausgemustert worden, damit ging eine Ära zu Ende. "Der Bus lässt sich auch heute noch gut fahren, an der Technik lag es nicht", weiß Eberwein Chefin Ingeborg Strehl. "Für sein Alter war er sogar noch sehr gut in Schuss, außerhalb des Schulbusses wurde er auch im Vergleich zu anderen Bussen selten genutzt." Stattdessen sorgte ein anderes Problem für den frühzeitigen Ruhestand: Die technischen Ansprüche haben sich in 19 Jahren verändert. "Der Bus ist kein Niederflurbus", erklärt Strehl. Das heißt, dass er sich nicht wie moderne Busse an einer Seite absenken lässt, etwa um Rollstuhlfahrern oder Kinderwägen den Zugang zu erleichtern.

Und so wurde der letzte Gelenkbus in Karben aufs Altenteil verschoben. Fast ein Jahr stand er auf dem Betriebshof der Firma Eberwein gegenüber dem Roggauer Friedhof. Lediglich zum Kinderplaneten war der Bus noch einmal im Einsatz gewesen. "Klar hätten wir den Bus als Ersatzteillager benutzen können, ihn nach und nach zerlegen", meint Ingeborg Strehl. Aber das wollte keiner. Doch dann tat sich etwas, und so hat der Bus nun eine neue Heimat und eine wichtige Aufgabe: Er wird als Übungsbus in der hessischen Feuerwehrschule in Kassel dienen.

"Unser Juniorchef Martin Strehl war auf einem Feuerwehr-Lehrgang dort, zufällig kam das Gespräch auf die Rettung in Bussen", schildert Strehl. "Die haben dort oben nur einen kleinen, weniger geeigneten Bus, wir statt dessen einen, den wir nicht brauchen. So profitieren alle davon."

Denn die Rettung in Bussen ist etwas, das für die Feuerwehr andere Herausforderungen birgt, als die Rettung in Autos. Landet etwa ein Bus im Straßengraben und die Türen sind blockiert, sitzen Fahrer und Fahrgäste dort fest und können nur durch Luken an der Decke oder durch Einschlagen von Fenstern gerettet werden. Doch das muss geübt werden, am besten am Objekt selbst. Sodass nicht kostbare Zeit etwa beim Versuch die dicke Frontscheibe einzuschlagen, verschwendet wird, anstatt die dünneren Seitenscheiben zu nutzen.

Mehr als drei Stunden wird der Bus mit Tempo 80 auf der Autobahn unterwegs sein, bis er voraussichtlich am Donnerstag kommender Woche in seiner neuen Heimat Kassel eintrifft und in neue Hände übergeben wird. Dann wird er auch den dort auf Lehrgängen weilenden Karbener Feuerwehrleuten zur Übung dienen. Einige werden sich bestimmt fragen: "Moment mal, ist das nicht unser alter Bus?"

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