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1. Vorsitzender Dieter Körber hat über die »Hassliebe« zwischen Marcel Reich-Ranicki und Günter Grass gesprochen.

Leben für die Literatur

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Karben (pm). Mit Erfolg hat das Literaturforum hat seinen zweiten virtuellen, digitalen Literaturabend veranstaltet. Dieses Mal unter dem Titel »Marcel Reich-Ranicki - Ein Leben für die Literatur.«

Nach der Begrüßung der etwa 30 zugeschalteten Gäste durch den 1. Vorsitzenden Dieter Körber übernahm der Organisator des Abends, Helmut Regenfuß, die Einführung ins Thema und führte souverän durchs Programm.

Danach widmete sich Körber der »Hassliebe« zwischen Reich-Ranicki und Günter Grass. Er schilderte die nicht immer freundschaftliche Beziehung. Zwei Größen der Literatur, einflussreicher Kritiker der eine, bedeutender Autor und Nobelpreisträger der andere. Grass hat ihr Verhältnis später als eine Art Ehe bezeichnet, für die es keine Scheidung gebe und der nicht zu entrinnen sei. Körber erzählte eindringlich vom ersten nicht gerade gelungenen Kennenlernen der beiden egozentrischen »Literaturbesessenen« und dem späteren Auf und Ab ihrer Beziehungen.

Hans Kärcher eröffnete mit sachlichem Vortrag den Blick auf einen Briefwechsel zwischen dem berühmten Autor Thomas Bernhard und dem bedeutenden Verleger Siegfried Unseld (Suhrkamp Verlag), wobei Thomas Bernhard seiner Verachtung für Kritiker freien Lauf lässt.

Dem Verhältnis oder besser Nichtverhältnis Reich-Ranickis zu Peter Handke hatte sich Dr. Michele Rettinger angenommen. Handke sei der Autor, mit dem Reich-Ranicki gar nichts anzufangen gewusst habe. Handke sei ein sehr verkopfter Literat, der über die Sprache ständig reflektiere. Das einfache, unreflektierte Beschreiben, gerade jene von Reich-Ranicki eingeforderte Natürlichkeit, sei für ihn läppisch und idiotisch sagte Dr. Rettinger.

Schwierige Patienten

Reich-Ranickis Beurteilung Handkes sei nichts weiter als eine Modeerscheinung und geriete schon bald in Vergessenheit. Das bewahrheitete sich nicht, sondern Handke etablierte sich als international anerkannter Autor. So habe sich Reich-Ranicki gezwungen gesehen, Handke immer wieder - widerwillig - zu besprechen. Er hätte es wohl kaum für möglich gehalten, dass Handke den Nobelpreis erhalten würde. Dr. Rettinger verstand es mit klar strukturiertem Vortrag, das Problem »Handke versus Reich-Ranicki« eingängig und verständlich zu machen. Sehr ausdrucksvoll trugen Ingrid und Robert Axt aus dem Werk »Lauter schwierige Patienten« Auszüge des Interviews vor, das SWR-Intendant Gert Voß mit Reich-Ranicki führte. Hierbei ging um Bert Brechts Verhältnis zum Kommunismus und zu den Frauen. Reich-Ranicki betonte in diesem Gespräch Brechts ungeheure Bedeutung als Lyriker.

Das Programm beschlossen Barbara Metz und Dieter Körber mit dem wohl letzten Interview Reich-Ranickis, geführt mit Uwe Wittstock für den »Focus«. Ruhig und zurückhaltend interviewt Barbara Metz als Uwe Wittstock Marcel Reich-Ranicki - perfekt dargestellt von Dieter Körber.

Das Wichtigste in seinem Leben sei für Reich-Ranicki die Liebe gewesen, die Liebe zur Literatur, Musik, seiner Familie, seiner Frau; nicht immer in dieser Reihenfolge.

Nicola Piesch bereicherte klangvoll das Programm, indem sie sich selbst auf der Ukulele begleitete. Der Abend gelang nicht zuletzt durch die umsichtige technische Organisation von Hans Kärcher.

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