Die 23-jährige Karbenerin Lea Weber präsentiert ihr erstes eigenes Buch "lautgeschrieben", das Poesie in Wort und Bild vereint. 	FOTO: KÖTTER
+
Die 23-jährige Karbenerin Lea Weber präsentiert ihr erstes eigenes Buch »lautgeschrieben«, das Poesie in Wort und Bild vereint. FOTO: KÖTTER

Poetry-Slam

Laute Texte leise zu Papier gebracht

Auf den Poetry-Slam-Bühnen der Region ist Lea Weber (23) eine feste Größe. Nun hat die Karbenerin Bühnentexte, Kurzgedichte und eigene Illustrationen in ihrem ersten Buch veröffentlicht.

Dass Worte Kraft haben können, zeigt schon der Titel: Fast überzuschwappen scheint dieser vor all den Zeilen, die hier »schwimmen«. Eine schaumig sprudelnde Welle bäumt sich am Horizont auf, eine liebevoll gezeichnete Flosse eines Wals taucht unterdessen unter. Das Meer ist bewegt, lebendig, kraftvoll - so wie die Texte und Bilder, die sich auf den folgenden 60 Zeilen finden. Mal lang, mal kurz, mal heiter, mal nachdenklich-melancholisch, mal reimend, mal nicht.

Dabei ist nicht nur das Titelbild, sondern auch der Titel des kleinen Buchs bezeichnend: »lautgeschrieben« - ein Wortspiel aus den Worten »lautgehört« und »aufgeschrieben«. Die Autorin Lea Weber kennt man vor allem von der Bühne: Sie ist eine lokale Größe des Poetry Slams, jenem Wettbewerb, bei dem Wortkünstler ihre Poesie auf der Bühne vortragen. In »lautgeschrieben« hat sie ihre Texte, darunter auch jene auf der Bühne vorgetragenen, erstmals für andere zu Papier gebracht.

Erstes Buch als logischer Schritt

Für die 23-Jährige war das eigene Buch irgendwie ein »logischer Schritt«, immerhin habe sich schon immer »eines aus dem anderen entwickelt«, erzählt sie mit Blick auf ihren Werdegang. Geschrieben hat Lea - inspiriert vom Vorbild ihres Vaters - »schon immer«, zufällig hat sie dann zum Poetry Slam gefunden und gleich bei einem ersten Auftritt im English Theatre in Frankfurt vor 300 Menschen begeistert. Als sie 2015 ihr Abitur machte, war sie regelmäßig dabei, wurde schon beim zweiten Auftritt für die U20-Hessenmeisterschaft nominiert. 2017 erhielt sie dann den Titel der U20-Hessenmeisterin, 2019 erreichte sie das Halbfinale der deutschen Meisterschaft. »Mittlerweile brauche ich nicht mehr nach Auftritten suchen, sondern werde angefragt, ob ich irgendwo auftreten würde.«

Ihr Plan: Die eigene Kunst in Wort und Bild voranzutreiben - nun, da sie den Bachelor-Abschluss in Germanistik und Kunst, Medien und Kultureller Bildung in der Tasche hat. Doch Corona hat ihr dafür - zunächst - einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn Auftritte, Ausstellungen und für Lea allerhand »coole Projekte« sind zunächst abgesagt.

In Karben trauen sich die Poetry Slammer am Freitag erstmals wieder auf die Bühne. Dabei hat Corona nicht nur einen Strich durch die vorhandenen Pläne gemacht, sondern ihr irgendwie auch »unter die Arme gegriffen«, wie Lea erklärt. Denn: Mit all den abgesagten Auftritten hatte sie plötzlich Zeit. Die drei geschenkten Monate hat sie genutzt, um ihr Werk zu veröffentlichen.

Die Texte waren zu diesem Zeitpunkt zwar schon fertig - die acht längeren Texte, klassische Poetry-Slam-Texte, hatte sie bereits auf Bühnen vorgetragen; die zehn kleineren Gedichte, meist Vierzeiler, sind »Notizbuchgedichte« mit Alltagsbeobachtungen und -gefühlen.

»Ich habe zwar sogar eine Schreibmaschine daheim«, sagt Lea lachend. »Doch tatsächlich sind die meisten Texte deutlich weniger romantisch entstanden - auf der Notiz-App meines Handys.«

Illustrationen ergänzen die Texte

Am meisten Zeit hat sie in den vergangenen Monaten in die Illustration und Gestaltung des kleinen Buchs investiert. Denn der Untertitel von »lautgeschrieben«, »Poesie in Wort und Bild«, ist Lea nicht minder wichtig. »Die Illustrationen ergänzen die Texte, sie können aber auch allein stehen.« An manchen Tagen habe sie acht bis neun Stunden an ihrem Computer gesessen, denn gezeichnet wurde digital - auch wenn die gedruckten Werke wie Bleistiftzeichnungen anmuten. Zusätzlich habe sie sich in kostenfreie Layout-Programme eingearbeitet, außerdem mit dem Druck im Selbstverlag beschäftigt. »Neben der Uni hätte ich das nicht geschafft«, sagt die Karbenerin, die aus Heusenstamm stammt. »Zumindest nicht in dem Maße, dass ich heute so glücklich bin, wenn ich das Werk in der Hand habe.«

Ihr Ziel sei es gewesen, alles möglichst schnell, aber ihren eigenen Ansprüchen gerecht werdend und aus eigener Hand an den Start zu bringen. Was nun noch folgt - möglicherweise ein Nachdruck in einem »offiziellen« Verlag -, ist noch offen.

Darüber hinaus sprudelt Lea Weber vor Ideen: Ihre bildliche und plastische Kunst möchte sie gern vorantreiben, darüber hinaus plant sie mit ihrem Freund Dominik Rinkart, der auch »slammt« und ihr wichtiger Feedback-Geber sei, als Team Texte zu verfassen und bei Poetry Slams zu präsentieren. Von »lautgeschrieben« habe sie jüngst bereits eine zweite Auflage bestellt. Dass Worte Kraft haben können, weiß Lea genau.

Poetry Slam im Freilufttheater

Am Freitag, 24. Juli, wird der nächste Karbener Poetry Slam angeboten, diesmal unter freiem Himmel im Freilufttheater an der St. Michaeliskirche in Klein-Karben. Los geht es um 19.30 Uhr, der Eintritt kostet sechs Euro. Auch Lea Weber wird voraussichtlich auf der Bühne, definitiv jedoch an ihrem eigenen Bücherstand anzutreffen sein. Darüber hinaus ist das Buch »lautgeschrieben« in der Karbener Buchhandlung, Luisenthaler Straße 3-5, sowie in der »Tischkultur«, Robert-Bosch-Straße 66, oder direkt bei Lea Weber, per E-Mail an leaweberverkauf@t-online.de, zum Preis von zehn Euro erhältlich. jkö

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare