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Das Kunstwerk "Die blaue Bande" aus betonierten Jeans am Nidda-Ufer haben Kinder und Jugendliche erschaffen.

"Kunst an neuen Ufern"

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Karben(im). Die Stimmung ist von südlicher Leichtigkeit an diesem Sonntagnachmittag: Interessierte Besucher flanieren durch das Karbener Bürgerzentrum, betrachten Gemälde, Skulpturen und Fotografisches, Arbeiten aus Holz und Glas, Metall, Keramik und Stein, lassen sich gern auf ein Gespräch mit den über 20 ausstellenden Künstlern ein: die vierten Karbener Kunst-Tage sind ein voller Erfolg.

Im großen Saal des Bürgerzentrums herrscht stetes Kommen und Gehen, am renaturierten Nidda-Ufer lässt man sich dagegen bei schönstem Sommerwetter zu einem kühlen Getränk nieder, betrachtet bunte Fahnen und Klangröhren in den Bäumen, bewundert "Die blaue Bande" aus betonierten Jeans und die "Walrossfamilie" nahe dem Radweg, hält bewegt inne vor der Installation "Gestrandet" und dem dazugehörigen Gemälde.

Die Kunstwerke stammen aus den Händen von Kindern und Jugendlichen, entstanden unter Leitung der Künstler-Initiative in Zusammenarbeit mit dem Jukuz am Selzerbrunnen und Karbener Schulen. Sie spiegeln im Fall der Fahnen und der Installation vielfach die Erfahrung von Vertreibung und Flucht, Verlust von Heimat und Ankommen in der Fremde wider. "Ohne unsere Kinder und Jugendlichen hat die Künstler-Initiative aktuell 45 Mitglieder", sagt Vorsitzende Cythia Nebel. Der älteste Künstler ist über 80 Jahre alt.

Die Initiative legt Wert auf die Professionalität ihrer Mitglieder. "Selbstverständlich soll das, was wir zeigen, qualitativ hochwertig und einfach gut sein", unterstreicht Nebel. "Gleichzeitig möchten wir, obwohl wir durchaus semiprofessionelle Künstler in unseren Reihen haben, offen für alle bleiben, die Kunst gerade erst für sich entdecken, aus welchen Impulsen heraus auch immer, die Anfänger und/oder Autodidakten sind." Das gelte für ältere Mitglieder, aber gerade auch für Kinder und Jugendliche. Nebel ist selbst als Malerin und Fotografin tätig. "Das Fenster der unbefangenen kindlichen und jugendlichen Kreativität ist nur wenige Jahre lang für Output und Input geöffnet - so weit wie vielleicht nie wieder im Leben."

Entsprechend liege der Schwerpunkt am renaturierten Nidda-Ufer auf der "jungen" Kunst, während im Saal durch die erwachsenen Mitglieder eine große stilistische und thematische Vielfalt aufgegriffen und präsentiert wird - von der Verarbeitung persönlicher Impressionen und Erlebnisse über politische, soziale und umweltorientierte Themen. Auch die Vielfalt der Genres sei diesmal bemerkenswert, findet die Vorsitzende. "Wir möchten Kunst und Kreativität in Karben einen Raum geben", sagt Nebel.

Seit 2017 ist dies in der Christinenstraße 17 möglich - das Atelier der Karbener Künstler-Initiative führt deshalb den Namen "Atelier 17". Es ist im 14-tägigen Wechsel dienstagvormittags und donnerstagabends geöffnet. "Wir sind eine offene Initiative und laden jederzeit auch zum unverbindlichen Hereinschnuppern ein", unterstreicht Nebel.

Neben der musikalischen Umrahmung durch die Stadtkapelle mit einem Wandelkonzert, die Ensembles Jazz for Fun und Jazz 4 Friends sowie Solo-Jazzsängerin Natascha Grin seien die Darbietungen der Wetterauer Marionettenbühne Höhepunkte für Alt und Jung gewesen. Auch die abschließende Gemäldeversteigerung unter Auktionator Oli Becker sei bestens angekommen, hält Nebel fest.

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