Integration

"Krögers Brötchen" in Karben: eine Erfolgsgeschichte der Integration

  • schließen

Pakistaner Darish Malik steht seit drei Jahren in der Backstube bei "Krögers Brötchen" in Karben. Das Team um Bernd Hofmann lobt den Integrationswillen des Flüchtlings, der eines Tages an die Tür klopfte...

Im Frühjahr 2016 ist der aus Pakistan stammende Flüchtling Darish Malik in den Fasanenhof nach Groß-Karben gezogen. Der Hof beherbergt Flüchtlinge. Kaum hatte er Quartier bezogen, schwang er sich aufs Fahrrad. Deutsch konnte er nicht, aber auf Englisch sprach er bei Karbener Betrieben vor. "I need work", habe er gesagt und deutlich gemacht, dass er alles arbeiten könne und sich alles zutraue. Auch bei Bernd Hofmann in der Backstube von "Krögers Brötchen" klingelte er. Der Geschäftsführer gab ihm eine Chance. "Er hat damals kein Deutsch gesprochen. Ich habe ihm zunächst einfache Tätigkeiten zugewiesen."

Für mich kam nur Deutschland infrage

Darish Malik, Flüchtling

In Pakistan hatte Malik nach eigenen Angaben zehn Jahre die Schule und zwei Jahre das College besucht, wo er ein Sprachdiplom für Englischunterricht erwarb und später dann Islamwissenschaften studierte. Wegen des Bürgerkriegs sei er geflüchtet. "Für mich kam nur Deutschland infrage", sagt er. Zuerst sei er nach Gera gekommen, das sei am zweiten Weihnachtsfeiertag 2015 gewesen. Drei Tage später sei er ins Auffanglager nach Gießen gekommen, im Januar 2016 nach Büdingen. Dort sei er zweieinhalb Monate geblieben, danach kamen zwei Wochen Reichelsheim, ehe er in den Fasanenhof nach Karben ziehen konnte.

Arbeitserlaubnis nach 13 Tagen

Eine seiner ersten Stationen, wo er nach Arbeit gefragt habe, sei die Bäckerei gewesen. Doch bis Malik dort anfangen konnte, waren viele bürokratische Hürden zu nehmen. Hier hat ihn die Flüchtlingshilfe Karben tatkräftig unterstützt. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Flüchtlinge bei der Integration in unsere Gesellschaft zu begleiten. Ein Schwerpunkt ist die Vermittlung von Arbeitsplätzen und Ausbildung. Die Ehrenamtlichen stehen nicht nur mit örtlichen Betrieben, sondern auch mit der Arbeitsagentur und dem Jobcenter in engem Kontakt.

Christel und Reinhard Wortmann sind zwei der engagierten Ehrenamtlichen, die dieses Themenfeld beackern. Und das kann man wörtlich nehmen, denn die Menschen aus anderen Kulturkreisen, die hierher kommen und kein Deutsch sprechen, können sich im Behördendschungel kaum zurechtfinden. Christel Wortmann hat sich des Flüchtlings Malik angenommen und die Formalitäten mit den zuständigen Behörden in Friedberg geregelt.

So bekam der heute 27-Jährige nach 13 Tagen seine Arbeitserlaubnis, erzählen die Wortmanns. Dann kümmerten sie sich auch darum, dass Malik vom Gesundheitsamt die Zertifikate erhielt, damit er in der Lebensmittelbranche arbeiten darf. "Ich war unzählige Male in Friedberg. Aber es hat alles gut funktioniert. In den Ämtern hat man sich sehr entgegenkommend und flexibel gezeigt", sagt Christel Wortmann.

Von Deutschkurs bis Führerschein

Zunächst erhielt der Flüchtling einen befristeten Vertrag, seit Frühjahr 2018 ist er in der Bäckerei unbefristet beschäftigt. Darish Malik sprüht nur so vor Eifer. Mit Hilfe seiner Kollegen hat er schnell die Sprache gelernt, kann vieles gut verstehen und sich gut verständigen. Auch im Fasanenhof erhielt er Deutsch-Unterricht.

Er macht heute schon Dinge, die ein ausgebildeter Bäcker macht

Geschäftsführer Bernd Hofmann

Mittlerweile ist er in der Bäckerei zur Stammkraft geworden. "Ich stehe an der Teigmaschine", beschreibt Malik seine Tätigkeit. Früh aufstehen muss er dafür allerdings nicht, denn er ist in der Tagesschicht von 8 bis 16 Uhr im Einsatz. Sein Chef ist mit ihm sehr zufrieden. "Er macht heute schon Dinge, die ein ausgebildeter Bäcker macht. Er hat bei uns sehr schnell gelernt", sagt Hofmann. Der Geschäftsführer hat ihm sogar Verantwortung übertragen: "Wenn der Hauptverantwortliche im Urlaub ist, führt er die Produktion", sagt Hofmann mit Blick auf seinen Mitarbeiter.

Momentan macht Danish Malik seinen Führerschein. Das freut Hofmann, denn wenn er erst einmal Auto fahren kann, soll er Backwaren ausliefern. "Bei ihm sieht man, dass er auf eigenen Füßen stehen will", lobt der Geschäftsführer von "Krögers Brötchen".

Zufrieden ist auch der Geflüchtete. "Ich möchte dauerhaft in Deutschland bleiben. Mir gefallen Land und Leute sehr gut", schmunzelt er. Bis es soweit ist, müssen aber noch etliche Formalitäten geklärt werden. Denn vorerst ist der 27-Jährige nur geduldet. Die Wortmanns wollen ihm aber helfen, sich weiter zu integrieren: "Wir bemühen uns um ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht für ihn."

Info

20 Geflüchtete vermittelt

Die Flüchtlingshilfe Karben hat nach eigenen Angaben rund 20 Flüchtlinge in Arbeit gebracht. Arbeitgeber seien heimische, aber auch regionale und überregionale Betriebe. Ausbildungsverträge bestehen für Berufe wie Augenoptiker, Einzelhandel, Maler, Bürokaufmann, Landwirtschaft, Installateur, Elektroniker, Hotel und Lager- logistik. Feste Arbeitsverhältnisse bestehen in der Bäckerei, in Landwirtschaft, Gärtnerei, Karosseriebau, Einzelhandel, Logistik und Catering. Die Betriebe, die "Karbener" Flüchtlinge beschäftigen, verteilen sich auf die gesamte Region zwischen Frankfurt und Butzbach, berichten die Verantwortlichen. Eine der wichtigsten Aufgaben sei die Vermittlung von Integrations- und Deutschkursen als elementare Voraussetzung zur Integration in die deutsche Gesellschaft. Wenn die Flüchtlinge in Arbeit und Ausbildung seien, verdienen sie ihr eigenes Geld. Damit könne die staatliche Unterstützung komplett oder zumindest teilweise entfallen. Zudem könnten hier Handwerksbetriebe und Unternehmen einen Teil ihres Arbeitskräfte- und Azubi-Bedarfs decken. Die in Arbeit befindlichen Flüchtlinge zahlen zudem Steuern und Sozialabgaben. Zudem sei die tägliche Zusammenarbeit der Flüchtlingen mit deutschen Kollegen ein "ungemein wichtiger Bestandteil der Integration", betont die Flüchtlingshilfe Karben. Am Beispiel von Darish Malik sieht man das deutlich. Er selber sagt: "Mit meinen Kollegen verstehe ich mich sehr gut." pe

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare