Auf diesem Grundstück westlich der Luisenthaler Straße soll das Brunnenquartier entstehen. Es wäre die letzte Lücke in der Karbener Stadtmitte, die bebaut wird. Im Stadtparlament hat die SPD der Magistratsvorlage nicht zugestimmt. FOTOS: PEGELOW / ARCHIV
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Auf diesem Grundstück westlich der Luisenthaler Straße soll das Brunnenquartier entstehen. Es wäre die letzte Lücke in der Karbener Stadtmitte, die bebaut wird. Im Stadtparlament hat die SPD der Magistratsvorlage nicht zugestimmt. FOTOS: PEGELOW / ARCHIV

Brunnenquartier Karben

SPD kritisiert Rahmenplan

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Die letzte Baulücke in Karbens Stadtmitte soll bebaut werden. Dafür hat das Stadtparlament nun die Rahmenplanung beschlossen. Es gab Lob von allen Seiten, zustimmen mochte die Opposition nicht.

Die Stadt Karben wird unweit des Bahnhofs um gut 1000 Neubürger wachsen. Das "Brunnenquartier" soll auf der letzten noch freien Fläche in der Innenstadt entstehen. Das knapp acht Hektar große Areal zwischen Brunnenstraße, Bahnhofstraße und Luisenthaler Straße soll nach dem Willen der Stadtverordneten mindestens 20 Prozent Grün- und Freiflächen enthalten, einen großen, breiten Grünzug zwischen Selzerbrunnen-Center und Nidda. Es sollen rund 500 Wohnungen in größtenteils mehrgeschossiger Bauweise entstehen.

Außerdem sind eine Kita und ein Parkhaus geplant. Ein separates Verkehrskonzept soll erstellt werden. Das wird gerade in dieser Lage für wichtig erachtet, weil das Wohnquartier nur wenige Gehminuten vom S-Bahnhof und den Einkaufsmärkten entfernt liegt und die künftigen Bewohner weniger Autos besitzen werden. Wie all das erreicht und konkretisiert werden soll, ist aktuell noch völlig offen.

Nicht nur für die Planung, sondern später auch für manche Einrichtung will die Stadt Zuschüsse vom Land beantragen. Denn das "Brunnenquartier" hat sie für den "Großen Frankfurter Bogen" der Hessischen Landesregierung angeboten. Kürzlich haben Bürgermeister Guido Rahn und Fachdienstleiter Heiko Heinzel das Projekt in Wiesbaden vorgestellt.

Nun musste eine Art Rahmenkonzeption verabschiedet werden, die Grundlage für die späteren Fachgutachten und die Feinplanung sein wird. Eine entsprechende Magistratsvorlage stand auf der Tagesordnung des Stadtparlaments.

CDU gespannt auf Mobilitätskonzept

CDU-Fraktionsvorsitzender Mario Beck lobte das als "schönes Konzept". Der große Grünzug werde dem Slogan der "Stadt im Grünen" gerecht. Durch rund 1000 zusätzliche Neubürger werde sich das Stadtzentrum beleben. Nun sei man gespannt auf das Mobilitätskonzept, das ausführlich zu diskutieren sei, besonders die Frage, ob man mit 0,8 Stellplätzen pro Wohneinheit hinkomme.

Für die SPD sagten deren Fraktionsvorsitzender Thomas Görlich und später auch Ralf Schreyer, viele der Forderungen der SPD fänden sich in dem Rahmenkonzept wieder. Dass die Stadt hier verschiedene Bauträger zum Zuge kommen lasse, habe einen gewissen Charme.

Zuvor hatte Bürgermeister Guido Rahn darauf hingewiesen, dass die Stadt dieser Tage mit Vertretern der Nassauischen Heimstätte gesprochen und diese angekündigt hätten, sich in Karben mit einer größeren Zahl an Wohneinheiten engagieren zu wollen. Wie berichtet, will auch die Karbener Wohnungsbaugesellschaft als Investor aktiv werden.

Görlich kündigte jedoch an, seine Fraktion werde dem Rahmenkonzept dennoch nicht zustimmen. "Für uns ist beispielsweise noch ungeklärt, wie die Menschen aus dem Wohnquartier sicher und gut zum Bahnhof kommen."

Zudem habe die Stadt mit der frühzeitigen Beteiligung der Bürger "gut angefangen". Nun gelte es, die Bürgerbeteiligung auch bei der Detailplanung fortzusetzen. Wie das geschehen solle, sei in dem Konzept nicht erwähnt. Zudem enthalte es keinen Hinweis darauf, wie die Barrierefreiheit hergestellt werden könne, kritisierte er.

Rahn forderte die SPD daraufhin auf, proaktiv einen Antrag auf Einhaltung der Barrierefreiheit zu stellen. Zunächst einmal sei es nun wichtig, das Rahmenkonzept auf den Weg zu bringen, da man dafür Landeszuschüsse beantrage. "Danach geht es an die Detailplanung, auch mit den Bürgern", erklärte der Bürgermeister.

Hochwasserschutz beachten

Auch die Freien Wähler forderten eine "weitere Bürgerbeteiligung im Planungsprozess". Kritisch äußerte sich Fraktionschef Thorsten Schwellnus dazu, wo denn das Stadtzentrum sei. Die Forderungen aus der Politik, dass auf dem Dreiecksgrundstück Geschäfte angesiedelt würden, die das Zentrum beleben, seien nicht erfüllt worden. Bei dem neuen "Brunnenquartier" müsse auch der Hochwasserschutz "mehr berücksichtigt werden".

FDP-Stadtverordneter Oliver Feyl freute sich, dass die Stadt im neuen Brunnenquartier bezahlbaren Wohnraum werde anbieten können. Es sei auch gut, dass das Konzept eine aufgelockerte Wohnbebauung vorsehe und ein grünes Band.

Bei der Abstimmung votierte nur die SPD dagegen, wobei sie betonte, dass sich das Nein nur auf die von ihr als fehlend kritisierten Punkte beziehe, nicht auf das Gesamtprojekt. Alle anderen Stadtverordneten votierten dafür. Grüne und Linke fehlten.

Die Eckdaten

Das gesamte Plangebiet westlich der Luisenthaler Straße hat eine Größe von rund 7,9 Hektar. Anvisiert ist eine Zahl von 450 bis 500 Wohneinheiten. Damit könnte Karben rund 50 Prozent des prognostizierten Wohnraumbedarfs bis zum Jahr 2030 decken. Das Rahmenkonzept sieht dabei rund 20 Prozent geförderten Wohnraum vor, das wären rund 100 Wohneinheiten.

46 000 Quadratmeter beträgt die Summe der Bauflächen, 4,72 Hektar die der Grünflächen, knapp 2 Hektar sind für Wege, Straßen und Plätze vorgesehen, 0,75 Hektar Platz wird eine neue Kita einnehmen. pe

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