+
Besprechungsraum mit variablem Atrium aus einzelnen Holzelementen (von links.): Carl-Christoph Held, Ilona Hennicke, Viktoria König und Otmar Stein hören Georg Frech zu, der viel über die Anforderungen an die sich verändernde Arbeitswelt weiß.

Konferenz im "Think Tank"

  • schließen

Die Digitalisierung hat zu einer Veränderung der Arbeitswelt geführt. Viele arbeiten mobil von unterwegs oder im Homeoffice. Zudem haben Unternehmen ihre Arbeitsstrukturen verändert. Das alles führt dazu, dass auch an die Büros und deren Einrichtung neue Anforderungen gestellt werden. Das Karbener Unternehmen König+Neurath reagiert darauf mit einem neuen Konzept und neuartigen Möbeln. Dabei erlebt sogar die gute alte Telefonzelle eine Renaissance.

Als wir beim Karbener Familienunternehmen König+Neurath einen Termin zum Thema Wandel der Arbeitswelt wahrnehmen, erleben wir eine Überraschung. Vorstand Carl-Christoph Held, Aufsichtsratsvorsitzender Otmar Stein, Georg Frech, Leiter der K+N-Akademie, sowie Viktoria König und Ilona Hennicke, Marketing und Kommunikation, begrüßen den Redakteur nicht in einem Konferenzzimmer, sondern in einen knapp zehn Quadratmeter großen modernen Glaskasten mitten in der Ausstellung. "Think.Tank" nennt sich das kleine Bauwerk, geschaffen für Besprechungen in einem Großraumbüro.

Ein paar Meter weiter steht ein sogenanntes Standby-Office. Vorstand Held lässt die Tischplatte zunächst nach oben fahren, um sie dann umzuklappen. Oben gibt es eine fest eingebaute Lampe, augenfällig aber ist eine verstellbare Rückwand. "Die kann der Mitarbeiter nach oben schieben, wenn er in Ruhe arbeiten will, und sie nach unten schieben, wenn er mit seinem gegenüber sitzenden Kollegen etwas besprechen will." Der Clou des Ganzen aber ist, dass sich das Konstrukt auf vier Rollen bewegt. "Damit sind sie absolut flexibel."

Ein rollender Arbeitsplatz ohne Container? Ein Glaskasten als Besprechungsraum? Was K+N hier entwickelt hat, sind nur zwei von vielen Objekten, die Ausdruck des Wandels der heutigen Arbeitswelt sind. Denn die Digitalisierung, Mobilisierung und Umstrukturierung haben dazu geführt, dass Arbeitsplätze sich massiv verändert haben. In vielen Unternehmen werden Abteilungen aufgelöst und sogenannte Funktionsteams gebildet. "Unternehmen betrachten nicht mehr nur einzelne Arbeitsplätze, sondern Arbeitsabläufe", schreibt Viktoria König. Das führe dazu, dass räumliche Strukturen und die Bildung von Zonen in Büros mehr Gewicht bekämen.

Analyse der Unternehmen

"Heutzutage geht es um mehr als nur darum, alte Möbel rauszuwerfen und neue hineinzustellen", sagt Georg Frech. Er leitet bei K+N eine eigens gegründete Akademie, die sich mit dem Wandel in der Arbeitswelt beschäftigt und Unternehmen darin berät, wie sie diesen Wandel in Raumkonzepte und Möblierung umsetzen. Frech ist nicht nur in Karben tätig, sondern fährt häufig zu den Unternehmen hin. Er wolle sich selber ein Bild machen von den Firmen und deren Mitarbeitern. Das geht laut Vorstand Held so weit, "dass wir auch die Unternehmensberichte lesen, um einen Eindruck von deren Firmenphilosophie zu erhalten."

In zweijähriger Arbeit haben vier Mitarbeiter des Karbener Möbelunternehmens ein Analyse-Tool entwickelt, mit Hilfe dessen man die Ansprüche des Unternehmens, aber auch die der Mitarbeiter erkennen will. So wird etwa erfragt, ob im Unternehmen eher ein autoritärer oder ein demokratischer Führungsstil herrscht, ob die Leistungsorientierung eher individualistisch oder eher gemeinschaftlich geprägt ist, und es wird ein Mitarbeiterprofil erstellt. "Für uns ist auch wichtig, dass wir die jeweiligen Mitarbeiter einbinden." All diese Kriterien wie auch die Wünsche des Unternehmens fließen in die Gestaltung der Möblierung und die Aufteilung der Räume ein.

In neuem Design

"Eine einheitliche Büroausstattung gibt es nicht", sagen die Verantwortlichen von K+N. "Das typische Büro ist out." Auf einer Ebene könne es ganz unterschiedliche Bereiche geben, mit unterschiedlichen Möbeln und völlig unterschiedlichen Farben. Die Geschmäcker wie auch die Wünsche der Auftraggeber seien ganz unterschiedlich. Aus den Analysen weiß man in Karben, welches etwa die Anforderungen an Großraumbüros sind. Dass es dort Rückzugsräume für die Mitarbeiter brauche, etwa zum Telefonieren oder für Teams zu Besprechungen.

Bei K+N ist in diesem Kontext die gute alte Telefonzelle wieder zu Ehren gekommen und in neuem Design entstanden. Schalldicht, lichtdurchlässig und mit Stehsitz ausgestattet, kann dort telefoniert werden. Für den Einsatz in größeren Räumen gedacht ist auch eine Art Lounge-Chair, in dem man nicht nur gemütlich sitzen, sondern gegen Schall von außen abgeschirmt in Ruhe telefonieren oder arbeiten kann - ausklappbare Tischplatte fürs Laptop inklusive.

Manche Besprechungsräume sind als eine Art Atrium ausgelegt, andere sind eher herkömmlich mit einem Tisch und mit Stühlen drumherum. "Wir verkaufen inzwischen zu einem hohen Prozentsatz motorisch verstelle Tische", informiert Held. Gerade in den vergangenen Monaten sind diese Tische an vielen Plätzen der Karbener Stadtverwaltung installiert worden. Sie ermöglichen es Mitarbeitern, im Stehen zu arbeiten, was bekanntlich den Rücken entlastet. Wer weder sitzend noch stehend arbeiten will, klappt beim sogenannten Balance-Chair einfach die gebogene Rücklehne um und setzt sich drauf.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare