Zeitreise

Kommersabend der Freiwilligen Feuerwehr Kloppenheim wird zur Zeitreise

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75 Jahre ist es her, dass Wilhelm Kliem, Franz Unger und Helmut Ullrich die Freiwillige Feuerwehr Kloppenheim gegründet haben. Beim Jubiläum wurden sie geehrt.

Einen Abend voller Bilder und Erinnerungen konnte man am vergangenen Freitag im Gemeindesaal der katholischen Kirchengemeinde Kloppenheim erleben. Bernhard Unkelbach hatte in akribischer Recherche rund 180 alte Fotos und einen Farbfilm aus den 60er Jahren ausfindig gemacht. Am Kommersabend anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der Freiwilligen Feuerwehr Kloppenheim wurde diese Sammlung der Öffentlichkeit vorgestellt.

"Ein Großteil der Bilder stammt aus Kloppenheimer Privathaushalten", berichtete Unkelbach. "Andere habe ich in den Archiven der Feuerwehr Karben, des Geschichtsvereins und auch bei der Wetterauer Zeitung gefunden. Die Recherche dauerte mehrere Monate." Vom Laptop wurden die Bilddateien, für alle gut sichtbar, an die Wand projiziert. Viele der anwesenden Gäste hatten im Verlauf der Vorführung Déjà-vu-Erlebnisse. Häuser und Straßen des Karbener Stadtteils sahen plötzlich wieder völlig anders aus. Die Menschen bekamen eine Reise in die Vergangenheit mit Wiedererkennungswert zu sehen; ein feuerwehrhistorisches Dokument, das mit viel Herzblut zusammengetragen wurde.

Nette Anekdoten vom Gründer

Ehrenmitglied und Ex-Stadtbrandinspektor Wilhelm Kliem war fast auf jedem zweiten Foto abgebildet. Zu den Erläuterungen von Bernhard Unkelbach konnte er die eine oder andere Anekdote beisteuern. Im weiteren Verlauf des Abends wurde der betagte Feuerwehrgründer Kliem zusammen mit Franz Unger und Helmut Ullrich (in Abwesenheit) für die Verdienste geehrt.

Am 13. September 1942, mitten im Zweiten Weltkrieg, wechselten in Kloppenheim 25 Männer von der Pflichtfeuerwehr in die neu gegründete Freiwillige Feuerwehr. Für die zur Wehrmacht eingezogenen Männer taten später auch Frauen Dienst. Von Bombenabwürfen und Bränden blieb Kloppenheim während des Krieges aber verschont.

1966 gibt es das erste Einsatzfahrzeug

"Nach dem Krieg lag die Feuerwehr am Boden", erzählte Unkelbach. "1948 begann der Wiederaufbau mit einer Motorspritze und Stahlhelmen, die aus Wehrmachtsbeständen stammten. Erst zu Beginn der 50er Jahre ging es langsam wieder bergauf. Das Feuerwehrgerätehaus war damals in einem Schuppen untergebracht, 1958 bis 1961 wurde das heute bestehende Gerätehaus gebaut. 1962 erhielt die Freiwillige Feuerwehr ihre Fahne und ihr erstes richtiges Einsatzfahrzeug, 1966 ein zweites. Vier Jahre später gehörten 44 Aktive, größtenteils Kloppenheimer Landwirte und deren Söhne, zum Stammpersonal."

Schwere Katastropheneinsätze mit Toten habe es in all den Jahren nicht gegeben. Größere Einsätze seien ein Hochwasser am Karbener Bahnhof Ende der 60er Jahre, ein umgekippter Tanklaster 1970 und 1975 ein Unfall mit zwei Loks am Bahnhof gewesen. Die Freundschaft zur Partnerstadt St. Egrève und deren Feuerwehr hob Bernhard Unkelbach ebenfalls hervor.

Anerkennung vom Bürgermeister

Bürgermeister Guido Rahn sprach in seinem Grußwort allen Dank und Anerkennung aus, die in der Freiwilligen Feuerwehr Kloppenheim ihren Teil leisten oder geleistet haben. "Mit 44 Mann hat 1942 alles begonnen – heute wäre man froh, wenn man die Hälfte zur Verfügung hätte", sagte der Rathauschef. Um das Ehrenamt zu würdigen, überreichte er zwei Gedenktafeln mit den Namen der Wehrführer und deren Stellvertretern von 1942 bis heute. Der derzeitige Wehrführer Thomas Bernhard und sein Stellvertreter Bernd Benkmann freuten sich über das Präsent. Sie kannten auch direkt eine passende Stelle dafür: das Feuerwehrgerätehaus am Wilhelm-Kliem-Platz.

Emotional wurde es, als Wilhelm Kliem selbst zum Mikrofon griff und den Zusammenhalt innerhalb der Kloppenheimer Feuerwehr beschwor. An Christian Becker und seinen Vize Christoph Häusler richtete er deutliche Worte: "Euch beiden traue ich alles zu – und zwar nur das Beste."

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