Unter Veränderungen geht die Arbeit weiter: Die Mitarbeiter in der Produktion von 

König + Neurath tragen Mundschutz und müssen Abstand voneinander halten.	FOTO: PRIVAT
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Unter Veränderungen geht die Arbeit weiter: Die Mitarbeiter in der Produktion von König + Neurath tragen Mundschutz und müssen Abstand voneinander halten. FOTO: PRIVAT

Corona-Pause beendet

König + Neurath produziert wieder

  • Holger Pegelow
    VonHolger Pegelow
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Während in vielen Betrieben noch Kurzarbeit angesagt ist, hat der Karbener Büromöbelhersteller König + Neurath seine Produktion wieder hochgefahren. Die Folgen der Corona-Krise sind damit aber noch nicht überstanden. Und im Betrieb selbst hat sich vieles geändert.

W er in diesen Tagen den großen Büromöbelproduzenten König + Neurath besucht, muss sich anmelden. Dabei reicht es nicht mehr, nur Namen und Institution zu nennen. Besucher müssen an der Pforte eine Corona-Selbstauskunft ausfüllen und dürfen das Gebäude dann nur mit Mund-Nase-Maske betreten. Wer dann ins Hauptgebäude kommt, muss sich die Hände desinfizieren. Wenn man seinen Blick schweifen lässt, erkennt man, dass sich hier etliches verändert hat. Hohe Plexiglaswände am Empfangstresen und nur noch wenige Stühle in den Besprechungsräumen. An deren Türen hängen Zahlen: Maximal sechs Personen, mal mehr, mal weniger - je nach Größe des Raumes. König + Neurath hat auf die Corona-Krise reagiert.

Dirk Fischer, Vorstand Technik und Einkauf bei K + N, zählt Maßnahmen auf, die zur Sicherheit der Mitarbeiter und Besucher im Betrieb getroffen wurden. »Mitte März haben wir eine Task Force gegründet und sind alle Räumlichkeiten und Abläufe durchgegangen und haben geschaut, wo wir was verändern müssen«, erzählt Fischer. Jetzt, nach Wiederaufnahme der Produktion, sind die Ergebnisse sichtbar. Die beiden Schichten seien entzerrt worden, die Mitarbeiter müssten ihre Pausen versetzt nehmen. Es gebe nun eine feste Reinigungsfirma, die die Türgriffe desinfiziere und die Räume auch zwischen den Schichten säubere.

Einbahnstraße in der Produktion

In den Produktionsräumen seien, wo möglich, Einbahnstraßenregelungen eingeführt worden, damit sich die Mitarbeiter nicht mehr so dicht begegnen. »Am Arbeitsplatz selbst muss keine Maske getragen werden. Wenn sich ein Mitarbeiter aber in den Hallen bewegt, muss er eine Maske aufziehen«, informiert Fischer. Zudem müssten die Abstände zwischen 1,50 Meter und zwei Metern eingehalten werden. »Für die Kantine haben wir eine extra Risikobewertung erstellt.« Bei einer Begehung mit Aufsichtsratschef Otmar Stein sind die Maßnahmen zu sehen: Auch hier Plexiglaswände, die Tische wurden auseinander gerückt, an Vierertischen stehen nur zwei Stühle. »Die Bestecke werden den Mitarbeitern gereicht, sie dürfen sie sich nicht mehr selbst nehmen.« Während in anderen größeren Betrieben die Kantinen zurzeit geschlossen sind, hat man sich bei K + N anders entschieden. »Es ist uns lieber, wenn die Mitarbeiter im Haus bleiben, als wenn sie draußen herumlaufen«, sagt Fischer.

Seit Anfang des Monats läuft die Produktion nach zwei, beziehungsweise vierwöchiger Pause wieder. Unter veränderten Bedingungen. »Denn auch bei uns hat die Corona-Krise wie ein Blitz eingeschlagen«, sagt Stein. Deshalb hat der Vorstand Mitte März entschieden, die Produktion herunterzufahren. Das hatte bei dem Unternehmen aber andere Gründe als etwa bei der Automobilindustrie, wo es die fehlenden Zulieferteile waren, die zum Produktionsstopp zwangen. Denn K + N stellt die Teile für seine Bürostühle, Tische und Raumsysteme selbst komplett her. Hier war es umgekehrt. »Da viele unserer Abnehmer geschlossen und ihre Werke dichtgemacht haben, konnten wir unsere Möbel nicht mehr dort hinbringen.« Hinzukamen die Grenzschließungen. »20 Prozent unserer Kunden sind im Ausland«, informiert der Aufsichtsratschef. Da war es zwangsläufig, dass die Produktion stillgelegt werden musste. 70 Prozent der gewerblichen Mitarbeiter seien zu Hause geblieben, für sie sei Kurzarbeit beantragt worden, ergänzt der Technikvorstand.

Keine Angaben zu Auswirkungen

Während im Betrieb selbst die Veränderungen durch die aktuelle Situation sichtbar sind, kann der Vorstand zu den wirtschaftlichen Auswirkungen zurzeit noch keine Angaben machen. Vorstandssprecher Michael Cappello weist darauf hin, dass die gesamte europäische Wirtschaft betroffen sei. »Weil die Baustellen stillgestanden haben, sind viele Neuaufträge zurückgefahren worden.« Einige Projektanfragen seien »ans Jahresende geschoben worden«. Der Vorstand sei aktuell damit beschäftigt, einige Szenarien auszuarbeiten, wie sich das Jahr für das Unternehmen entwickeln könnte. Aufsichtsrat Stein schätzt, dass Firmen, die durch die Corona-Krise in wirtschaftliche Probleme gekommen sind, ihre Ersatzbeschaffungen von Büromöbeln erst einmal zurückstellen könnten.

Dementsprechend sind bei dem Karbener Unternehmen eher die Bereiche Stühle und Möbel betroffen. »Die Raumsysteme laufen gut«, betonen die Vorstandsmitglieder. Stein sieht das Unternehmen zudem gut aufgestellt. »Wir hatten ein sehr gutes erstes Quartal«, betont er. Vorstand Cappello ergänzt, dass der Umsatz 44 Millionen Euro betrug. Laut Stein betrage die Eigenkapitalquote 70 Prozent, man sei ohne Bankverbindlichkeiten. Und im Mai, so die gute Nachricht von Vorstand Cappello, »wird es gegenüber dem Vormonat zehn Prozent weniger Kurzarbeit geben«.

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