Otmar Stein gibt zum Jahresende den Aufsichtsratsvorsitz bei König+Neurath ab und scheidet aus dem Aufsichtsrat aus. Damit endet eine 50-jährige Managerkarriere. FOTO: HOLGER PEGELOW
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Otmar Stein gibt zum Jahresende den Aufsichtsratsvorsitz bei König+Neurath ab und scheidet aus dem Aufsichtsrat aus. Damit endet eine 50-jährige Managerkarriere. FOTO: HOLGER PEGELOW

Karbener Büromöbelhersteller

K+N-Aufsichtsrat: Otmar Stein gibt Posten ab

  • Holger Pegelow
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Er ist seit Jahrzehnten die prägende Persönlichkeit beim Karbener Büromöbelproduzenten König+Neurath. Jetzt zieht sich Otmar Stein mit 80 Jahren zurück. Ob er aber wirklich loslassen kann?

W er in Karbener Unternehmen nach wichtigen Persönlichkeiten sucht, stößt auf Otmar Stein. Er hat den Büromöbelproduzenten König+Neurath mit aufgebaut und über Jahre hinweg mitgeprägt. K+N ohne Otmar Stein? Eigentlich undenkbar. Und doch geht in Kürze eine Ära zu Ende. Denn der 80-Jährige wird seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender niederlegen und sich aus dem Aufsichtsrat ebenso wie aus dem Unternehmen zurückziehen.

"Es spricht einiges dafür, mit 80 Jahren loszulassen und die Verantwortung einer jüngeren Generation zu übertragen", zitiert ihn eine Pressemitteilung aus dem Unternehmen. Doch mit einer knappen Pressemitteilung wollen wir Otmar Stein nun auch nicht verabschieden. Denn schließlich geht hier zum 31. Dezember jemand aus dem Unternehmen, das er über Jahrzehnte maßgeblich geprägt hat. Oder besser mitgeprägt hat.

Denn lange Jahre war Otmar Stein fast unzertrennlich mit Firmeninhaber Egon König verbunden. Beide hätten eine "außergewöhnliche Zusammenarbeit" gehabt, die "durch großes gegenseitiges Vertrauen und großen Respekt" geprägt gewesen sei. "König und Stein, das war in der Branche ein bekanntes Duo", sagt Otmar Stein nicht ohne Stolz.

Anfangs, als Stein zu dem damals noch kleinen Unternehmen in Klein-Karben stieß, war das noch nicht so. In den frühen Siebzigerjahren suchte K+N einen Gebietsverkaufsleiter. Stein, der damals bei einem Limburger Unternehmen für Büroeinrichtungen gearbeitet hatte, bewarb sich in Karben. "Nach zwei Gesprächen mit Egon König wurde ich Verkaufsleiter für Hessen", blickt Stein zurück.

Schon 1972, nach nur einem Jahr, wurde er zum Prokuristen, und hier zuständig für Marketing und Vertrieb. Egon Königs Schwerpunkte waren die Finanzen und die Fertigung. "Mit großer Leidenschaft haben wir von Anfang an unser Ziel, Marktführer unserer Branche zu werden, verfolgt", erinnert sich Stein. Und so wurde aus einem kleinen Unternehmen, damals noch in der Rendeler Straße ansässig, ein großes Unternehmen an der Einfahrt ins Karbener Gewerbegebiet. "Ich nehme für mich in Anspruch, das Unternehmen mit aufgebaut zu haben", sagt der 80-Jährige.

Über 50 Jahre haben Egon König und Otmar Stein zusammengearbeitet. Beide waren gemeinsam im Ausland, haben sich auch privat häufig getroffen. Die älteren Karbener erinnern sich, dass die beiden fast jedes Wochenende zu den Fußballspielen des KSV Klein-Karben gingen. Auf der Tribüne wie im Unternehmen quasi unzertrennlich. "Aber geduzt haben wir uns nie", sagt Stein, "denn für unsere geschäftliche Beziehung war das Sie besser".

Ein schwerer Schlag dann im Mai 2019, als Egon König verstarb. "Dessen Familie hat mich gebeten, den Aufsichtsratsvorsitz zu übernehmen", erinnert sich Stein. Das Gremium war ihm zu diesem Zeitpunkt schon bestens vertraut, war er doch nach seiner Pensionierng im September 2005 in den Aufsichtsrat gewechselt. Zuvor hatte er als Vorstand Marketing und Vertrieb gearbeitet, nachdem die einstige Kommanditgesellschaft 1996 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden war.

Das dreiköpfige Aufsichtratsgremium ist die Kontrollinstanz, aber ein wenig anders als in riesigen Konzernen. "In einer Familien AG kümmern wir uns auch um operative Geschäft." Und so kommt es, dass man Stein noch sehr häufig im Unternehmen sieht. "Ich bin etwa jeden zweiten Tag hier", erzählt er. Da fällt es gewiss schwer, loszulassen.

Aber Otmar Stein hat sich entschieden. Am 1. September feierte er bei bester Gesundheit seinen 80. Geburtstag. Mit diesem neuen Jahrzehnt habe er Bilanz gezogen und sich entschlossen, sich neu zu orientieren. "In ein Loch fallen werde ich nicht", ist sich der Senior sicher. "Ich werde sicher häufiger meine Tochter in Berlin besuchen." Und nach Limburg wird es ihn ziehen: Dort gehört er seit über 50 Jahren als passives Mitglied dem Limburger Chor an.

Für die Zukunft sieht er das von ihm mit aufgebaute Unternehmen bestens aufgestellt. Neben Gerti König seien noch vier Enkel Gesellschafter bei K+N. Davon arbeiten drei im Unternehmen aktiv mit. Dennoch darf angenommen werden, dass Stein nicht gerade selten in der Industriestraße auftauchen wird. Ein klein wenig kündigt er das schon an, wenn er sagt: "Wenn mein Rat gebraucht wird, stehe ich natürlich zur Verfügung, ebenso bei Veranstaltungen hier im Haus." Mit dem Loslassen nach über fünf Jahrzehnten dürfte es also noch ein wenig dauern.

König+Neurath ist ein Komplett- anbieter für Büromöbel. Die Fertigung erfolgt fast ausschließlich am Heimatstandort in Karben auf einer Produktionsfläche von 100 000 Quadratmetern.

Das Unternehmen ist 1925 gegründet worden und ist nach und nach zu einem international agierenden Familienunternehmen geworden. Es besitzt sechs Showrooms in Deutschland und ist im europäischen Ausland in Frankreich, England, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden vertreten. Noch-Aufsichtsratschef Otmar Stein beziffert den Jahresumsatz auf 185 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote auf 71 Prozent. Das Unternehmen habe keinerlei Bankschulden.

Dem Aufsichtsrat gehören neben Stein noch Gertrud König und Frank Henn an. Den Vorstand bilden Michael Cappello, Jürgen Neubert und Dirk Fischer.

Steins Nachfolger als Aufsichtsratschef soll zu Beginn des neuen Jahres bekannt gegeben werden. pe

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