Klaus Zinn aus Dortelweil schüttet einen Sack mit Äpfeln am Silo der Kelterei "Rapp&#39s" aus. Seit Beginn der Kelterzeit hat der Betrieb seine Apfelannahme im Hof der Kelterei geöffnet. Trotz durchschnittlicher Erntemenge über Vorjahresniveau gibt es in diesem Jahr eine gute Apfelqualität. FOTO: DPA
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Klaus Zinn aus Dortelweil schüttet einen Sack mit Äpfeln am Silo der Kelterei "Rapp's" aus. Seit Beginn der Kelterzeit hat der Betrieb seine Apfelannahme im Hof der Kelterei geöffnet. Trotz durchschnittlicher Erntemenge über Vorjahresniveau gibt es in diesem Jahr eine gute Apfelqualität. FOTO: DPA

Vor allem Äppler

Kleinere Äpfel, gute Qualität: Kelterzeit bei "Rapp’s" hat begonnen

  • vonChristine Fauerbach
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Bei der Kelterei "Rapp’s" in Karben hat die Kelterzeit begonnen. "Sie ist für uns die wichtigste Zeit des Jahres", sagt Geschäftsführer Volker Thoma. Unter anderem aus den Äpfeln der Region stellen die 80 Mitarbeiter Apfelweine und "Süßen" her.

Beim Blick ins bereits mittags gut gefüllte, 75 Tonnen fassende Silo der Kelterei "Rapp’s" hüpft das Herz von Schoppepetzern (Apfelweinliebhaber) und Apfelsaftfans vor Freude: Dicht an dicht liegen hier rote, gelbe und grüne Äpfel sowie einige Birnen und Quitten. Sie alle warten auf ihre Weiterverarbeitung.

Ist das Silo gefüllt, wird Wasser hinzugefügt. Bevor die Äpfel gepresst werden, sortieren Mitarbeiter per Hand faules Obst aus. Dann wird das Kelterobst gepresst und der Saft in Tanks oder Flaschen gefüllt. Mit der vollautomatischen Abfüllanlage können bei "Rapp’s" 20 000 Flaschen pro Stunde abgefüllt werden. Die Hassia-Tochter ist der bundesweit größte Apfelwein-Abfüller und der größte regionale hessische Saftproduzent.

Abgefüllt wird in Karben vor allem Apfelwein, weniger Apfelsaft. Der Frischsaft ("Süßer"), den es nur wenige Wochen im Jahr gibt, wird bei "Rapp’s" ab Tank in von Kunden mitgebrachte Behälter abgegeben. Geschäftsführer Volker Thoma beurteilt die Qualität der diesjährigen Ernte wie folgt: "Der Säurewert war bereits bei den frühen Sorten gut. Die Ausbildung der Süße, das heißt der Umwandlungsprozess von Stärke in Fruchtzucker, war weites gehend abgeschlossen." Allerdings sei die Quantität "nicht üppig". Der Fachmann sagt: "Es wird eine mittlere Ernte. Die Äpfel sind in den letzten Jahren aufgrund der Trockenheit tendenziell kleiner als früher. Wenn wir könnten, würden wir gerne nur heimische Äpfel beziehen."

Wer ziehen muss, ist zu früh dran

Die Anlieferer kommen laut Thomas aus Karben, Bad Vilbel, der restlichen Wetterau, dem Main-Kinzig-Kreis und aus Frankfurter Stadtteilen. Viele Anlieferer würden ihre Früchte ernten, obwohl diese noch nicht reif seien. "Früher wurde das Kelterobst vor allem im Oktober geerntet. Seit 15 Jahren hat sich die Ernte um rund vier Wochen nach vorne verlagert", weiß Thomas. Ein Grund sei, dass Baumbesitzer dann ernteten, wenn sie Zeit und Lust hätten und das Wetter schön sei.

Ein Apfel ist reif, wenn er sich leicht vom Baum löst. Testen kann man dies, wenn man den Apfel vorsichtig anhebt und ein bisschen dreht. Wer richtig ziehen müsse, sollte die Früchte noch hängen lassen, rät der Experte. Auch ein Blick auf die Kerne aufgeschnittener Äpfel und Birnen hilft, um den Reifegrad zu erkennen. Sind die Kerne leicht braun, dann sind die meisten Sorten reif für die Ernte. Aus dem Kelterobst und weiteren Früchten stellt "Rapp’s" 41 Sorten Fruchtsäfte und -nektare, Mehrfruchtgetränke und Schorlen, vier Apfelweine und einen gespritzten Apfelwein her. Zur Angebotspalette gehören Saisonartikel wie Süßer, Punsch und Glühwein.

Im Garten von Michael Burkhardt aus Altenstadt-Höchst stehen fünf Apfelbäume. "Der Ertrag ist dieses Jahr eher schlecht, nur zwei Bäume haben getragen. Granny Smith lagere ich ein, Ontario bringe ich zum Pressen." Albrecht Kaiser aus Ober-Erlenbach hat acht Apfelbäume auf seiner Streuobstwiese stehen, von denen nur zwei getragen haben. Er will im Herbst im Rahmen der Nabu-Aktion im Ort zwei Bäume neu anpflanzen. "Die Sorte Gelber Edelapfel nimmt meine Frau zum Backen." Werner Hummler aus Frankfurt-Harheim bringt Birnen und Äpfel von seiner Streuobstwiese vorbei. "Ich habe sie gestern mit einer langen Stange vom Baum abgeschlagen."

Nicht zu den Lieferanten, sondern zu den Abnehmern gehört Landwirt Peter Werner aus Nieder-Wöllstadt. Er holt bei "Rapp’s" seit zehn Jahren Apfeltrester, um ihn direkt an seine 100 Rinder zu verfüttern oder in der Silage für den Winter einzulagern. Derzeit stehen die Kühe mit ihren Kälbern auf einer Weide in Ilbenstadt. Während der Traktor mit dem vollbeladenen Trester-Anhänger vom Gelände fährt, kommen neue Lieferanten angefahren. Sie können für ihr Kelterobst zwischen Getränkegutscheinen (pro 20 Kilo Obst ein 3-Euro-Gutschein), Süßen (60 Liter Saft für 100 Kilo Obst) oder Barauszahlung (pro 100 Kilo 13 Euro) wählen. Annahmezeiten für Äpfel, Birnen und Quitten sind montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr, freitags von 8 bis 15 Uhr und samstags von 8 bis16 Uhr (samstags ist keine Barauszahlung möglich). Auf dem gesamten Betriebsgelände in Karben gilt Mundschutzpflicht und ein Mindestabstand von 1,50 Metern.

Bauernverband rechnet mit guter Ernte

Der Hessische Bauernverband rechnet in diesem Jahr mit einer guten Apfelernte. "Die Sonne hat geschienen, die Äpfel sind schön süß, die Qualität stimmt", sagte der Sprecher des Verbandes, Bernd Weber. Auch in Sachen Erntemenge zeigte er sich zuversichtlich: "Im vergangenen Jahr gab es eine Ernte von rund 7400 Tonnen. Ich schätze, da liegen wir dieses Jahr drüber." Einige Äpfel hätten ein wenig Sonnenbrand, da die Sonne im August stark geschienen habe. Die Bauern hätten durch die Trockenheit auch viel bewässern müssen, sagte Weber. "Aber zum Glück hatten wir dieses Jahr keine Hagelschäden." Neben den Tafeläpfeln sei auch bei den Mostäpfeln eine gute Ernte zu erwarten. "Die Mosternte war im letzten Jahr sehr schlecht", sagte Weber. Das lasse auf eine bessere Ernte in diesem Jahr hoffen. Denn einige Apfelsorten wiesen eine hohe Alternanz, also eine starke Schwankung im Ernteertrag, auf. Auch die jährlichen Ernten schwanken in Hessen stark. 2018 fuhren die Obstbauern mit 13 000 Tonnen Äpfeln eine Rekordernte ein. 2017 hingegen wurden viele Apfelblüten durch Frost zerstört, die Ernte lag bei nur 4700 Tonnen. Deutschlandweit wird laut Weber eine Ernte von rund 951 000 Tonnen Äpfel erwartet.

Der Hessische Bauernverband rechnet in diesem Jahr mit einer guten Apfelernte. "Die Sonne hat geschienen, die Äpfel sind schön süß, die Qualität stimmt", sagte der Sprecher des Verbandes, Bernd Weber. Auch in Sachen Erntemenge zeigte er sich zuversichtlich: "Im vergangenen Jahr gab es eine Ernte von rund 7400 Tonnen. Ich schätze, da liegen wir dieses Jahr drüber." Einige Äpfel hätten ein wenig Sonnenbrand, da die Sonne im August stark geschienen habe. Die Bauern hätten durch die Trockenheit auch viel bewässern müssen, sagte Weber. "Aber zum Glück hatten wir dieses Jahr keine Hagelschäden." Neben den Tafeläpfeln sei auch bei den Mostäpfeln eine gute Ernte zu erwarten. "Die Mosternte war im letzten Jahr sehr schlecht", sagte Weber. Das lasse auf eine bessere Ernte in diesem Jahr hoffen. Denn einige Apfelsorten wiesen eine hohe Alternanz, also eine starke Schwankung im Ernteertrag, auf. Auch die jährlichen Ernten schwanken in Hessen stark. 2018 fuhren die Obstbauern mit 13 000 Tonnen Äpfeln eine Rekordernte ein. 2017 hingegen wurden viele Apfelblüten durch Frost zerstört, die Ernte lag bei nur 4700 Tonnen. Deutschlandweit wird laut Weber eine Ernte von rund 951 000 Tonnen Äpfeln erwartet. dpa

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