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Edith Bremmer (links) und Ulrike Grünwald haben es sich im Garten des Gemeindehauses gemütlich gemacht. Hier kann man im Schatten der Bäume lesen.

Kleine Bücherwelt mit Tradition

Karben (jsl). Die evangelische Gemeindebücherei in Groß-Karben hat keinen leichten Stand. Fast übermächtig erscheint ihr gegenüber die Stadtbücherei mit Filialen in Burg-Gräfenrode, Petterweil und Rendel.

Nach Monaten im Corona-Lockdown hat die kleine Bücherei kürzlich einen Neustart gewagt. Jeden Dienstag steht der Raum im evangelischen Gemeindehaus in Groß-Karben jetzt wieder zum Suchen und Schmökern offen. Die Bücherei ist mit großem Abstand die älteste ihrer Art in ganz Karben. Schon im Jahr 1865 erwähnte Pfarrer August Schüler in der Pfarrchronik, dass »zur Befriedigung des Lehrbedürfnisses« eine Bibliothek gegründet worden sei, welche stark benutzt werde. Man erzählt sich, die Bücher hätte die Freiherrenfamilie von Leonhardi aus ihrem Privatbesitz gestiftet. Mitte der 1950er-Jahre erfuhr die Gemeindebücherei einen Aufschwung. Danach war sie für einige Jahre im alten Kindergarten in der Christinenstraße untergebracht. Seit 1980 ist ihr fester Platz im Gemeindehaus gegenüber des Degenfeld’schen Schlosses. Käthe Gärtner und nach ihr Elke Kaffenberger hatten als Leiterinnen maßgeblichen Anteil am Fortbestand der Einrichtung.

Aktuell besteht das Bücherei-Team aus vier Frauen: Edith Bremmer, Ulrike Grünwald, Mona Keil und Christa Reifschneider. »Zu uns kommen junge Familien mit Kindern im Vorschulalter«, sagt Edith Bremmer, die zuvor eine katholische Gemeindebücherei in Frankfurt leitete. »Leider ist es oft so, dass die Kinder nicht mehr vorbeischauen, wenn sie in die Schule gehen. Manchmal kommen sie aber auch wieder, wenn sie selbst schon junge Eltern sind. Die Altersspanne unserer Kundschaft geht bis etwa 80 Jahre.« Der Leserkreis sei nicht sonderlich groß, dafür aber treu, ergänzt Ulrike Grünwald.

Zur Bücherei geht es durch den Garten am Gemeindehaus. Im Grünen gibt es Möglichkeiten, um sich niederzulassen und in die Bücher »hineinzulesen«. Das Angebot umfasst rund 2000 Medien. Darunter findet man Bestseller und Klassiker aus der Erwachsenen- und Kinderliteratur, Vorlesebücher, Biographien, hessische Kochbücher, Mundartdichtung, christliche Werke, Zeitschriften, DVDs, CDs sowie eine kleine Auswahl zur Regionalgeschichte. »Und viele Bücher sind in Großschrift gedruckt.«

Normalerweise nimmt das Team auch gut erhaltene, ältere Bücher als Spende entgegen. Für die Gemeindebücherei nicht verwendbare Exemplare werden dann auf einem jährlich stattfindenden Bücherflohmarkt veräußert. Zurzeit seien die Kapazitäten allerdings erschöpft, gibt Bremmer bekannt. Aufgrund des ausgefallenen Flohmarktes im Herbst 2020 könnten keine Bücherspenden mehr angenommen werden.

Die Frauen haben längst erkannt, dass sie auf das Angebot der Bücherei aufmerksam machen müssen. Im »Gemeindesinn«, dem Journal der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Karben, erscheinen jetzt regelmäßig Buchvorstellungen. Gleiches gilt für die Homepage der Gemeinde. »Die Leselust der Konfirmanden konnten wir nicht so recht steigern«, berichtet Grünwald. »Die griffen, wenn sie mal kamen, dann doch eher auf DVDs zurück. Ausleihen kann man bei uns für jeweils vier Wochen. Der Zeitraum kann aber auch mehrmals verlängert werden.«

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