Zurück zu den Anfängen: Der künftige Klein-Karbener Festplatz, wie er sich von der Einfahrt aus zeigt. 	FOTOS: JÜRGEN SCHENK/ARCHIV
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Zurück zu den Anfängen: Der künftige Klein-Karbener Festplatz, wie er sich von der Einfahrt aus zeigt. FOTOS: JÜRGEN SCHENK/ARCHIV

Klein-Kärber Markt

Klein-Kärber Markt wieder im Hissigwald

  • vonJürgen Schenk
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Es ist kein Geheimnis mehr: Der Klein-Kärber Markt soll an seinen angestammten Platz im Hissigwald zurückkehren. Damit geht nach rund 20 Jahren die Straßenfest-Ära in der Rathausstraße ihrem Ende entgegen.

E s wird wieder Jahrmarkt gefeiert in Klein-Karben. Eigentlich sollte das Revival bereits in diesem Jahr stattfinden. Doch dann kam Corona und machte dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Geplant ist nun ein Termin im Sommer des nächsten Jahres, wahrscheinlich am letzten Juni-Wochenende.

»In der Rathausstraße konnte es nicht weitergehen«, erläutert Ortsvorsteher Christian Neuwirth (CDU). »Das hängt hauptsächlich mit den strenger gewordenen Brandschutzbestimmungen zusammen. Für die Feuerwehr muss eine Durchfahrt von 3,50 Metern gewährleistet sein.

Gepflasterte oder geteerte Fläche?

Der Abstand der Buden und Fahrgeschäfte zu den Häuserwänden soll zwei Meter nicht unterschreiten. Außerdem gab es jedes Jahr Beschwerden von Anwohnern wegen der Lautstärke.«

Wenn es nach dem Mit-Organisator geht, werden solcherlei Komplikationen und Ärgernisse im Hissigwald der Vergangenheit angehören. Dem derzeitigen Abstellplatz ohne Bedeutung möchte man wieder eine richtige Bestimmung geben. Auf dem Schotter, wo jetzt ein Doppeldeckerbus und Anhänger stehen, wird eine Fläche für das Festzelt gebaut. Die 20 mal 30 Meter große Fläche ist multifunktionell angedacht - Kinder und Jugendliche könnten auf ihr zum Beispiel Basketball spielen, wenn gerade kein Klein-Kärber Markt stattfindet. Eine solche Spiel- und Spaßmöglichkeit wurde vom Magistrat der Stadt schon zuvor geplant.

Neuwirth spricht hinsichtlich der möglichen Mehrfachnutzung von einer »Win-Win-Situation«. Ein Zelt ohne Boden sei um die Hälfte günstiger als eines mit Boden. Es gehe aktuell nur noch um die Frage, aus welchem Material der Untergrundbelag sein soll. »Asphalt ist billiger als Pflastersteine. Gepflasterter Untergrund hat aber den Vorteil, dass der Regen darin versickert. Das ist noch nicht entschieden.«

Neuwirth: Bäume bleiben unberührt

Im nächsten Frühjahr werde das Thema noch auf dem Tisch liegen. Die Ampel stünde generell aber schon auf Grün, stellte Neuwirth klar. Bei einer Ortsbegehung mit Bürgermeister und Bauamt seien die Einzelheiten besprochen worden. Nach Neuwirths Ausführungen sollen die auf dem Gelände stehenden Bäume unberührt bleiben. Ebenso der Bolzplatz und die Wiese. Nur zehn Prozent des Geländes würden demnach verändert.

FC Karben will neuen Platz nutzen

Ein neu gebauter Kanal, der am Hissigwald vorbei in Richtung Sportplatz verläuft, könnte für die Abwasserversorgung mit genutzt werden. Ferner hat der FC Karben bereits signalisiert, seine Vereinsfeiern künftig ebenfalls dort abhalten zu wollen.

Für Ortsbeirat Thomas Görlich von der SPD stehen zu viele offene Punkte im Raum. Bei genauer Betrachtung sei das ganze Projekt im Hissigwald nicht schlüssig und zu sehr mit der heißen Nadel gestrickt, findet er.

»Was passiert mit dem Wohnmobilstellplatz, der an gleicher Stelle im Gespräch ist?«, fragt er. Seine Befürchtung sei, dass die Multifunktionsfläche nicht zum Spielen, sondern doch eher als Parkmöglichkeit genutzt werde. Für Besucher des gegenüberliegenden Sportvereins könnte das auch verlockend sein. Dann bräuchte man vielleicht sogar noch einen Zaun, um das Gelände autofrei zu bekommen. »Einen Stellplatz für Wohnmobile sehen wir sowieso eher im Stadtzentrum. Also dort, wo es eine gute Verkehrsanbindung und Einkaufsmöglichkeiten gibt. Der Parkplatz am Hallen- und Freizeitbad wäre dafür zum Beispiel geeignet«, führt Görlich weiter aus. Seiner Meinung nach könnte es im Hissigwald außerdem Probleme mit dem Bodenbelag geben, wenn darauf ein Zelt befestigt wird. Die Heringe würden mit der Zeit wohl Beschädigungen in der Oberfläche verursachen.

»Ich sehe das alles sehr kritisch«, unterstreicht er noch einmal.

Beim Markttreiben in früheren Zeiten standen im Hissigwald (auch Hiesigwald genannt) manchmal sogar drei Zelte. Dort luden die Klein-Kärber Wirte zum Tanz.

Man vermutet, dass die Markttradition auf den schon im Mittelalter abgehaltenen Fischmarkt zurückgeht.

Seit dem 19. Jahrhundert fand der Klein-Kärber Markt immer am zweiten Sonntag im Juli statt. Dienstag war der Tag des eigentlichen Viehmarktes, zu dem Besucher aus der ganzen Wetterau kamen.

Der Hissigwald oder Hiesigwald als Ganzes erstreckte sich südwestlich von Klein-Karben in Richtung der alten, kurfürstlich-hessischen Grenze. Auf Kartenwerken des 19. Jahrhunderts kann man erkennen, wie groß seine Ausdehnung war. Überhaupt war der Waldanteil im Verhältnis zur Bebauungsfläche der Gemarkung wesentlich größer. 1855 wurde der Wald abgeholzt. jsl

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