Gottesdienstvorbereitung der anderen Art: Nadia Burgdorf, Pfarrerin in Rendel, hängt die verschriftlichte Version der Osternacht an die Rendeler Kirchentür. Ab Samstag können Karbenerinnen und Karbener den Gottesdienst zum Mitnehmen für Ostersonntag sowie eine Kerze an den Kirchen abholen.	FOTO: JANA KÖTTER
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Gottesdienstvorbereitung der anderen Art: Nadia Burgdorf, Pfarrerin in Rendel, hängt die verschriftlichte Version der Osternacht an die Rendeler Kirchentür. Ab Samstag können Karbenerinnen und Karbener den Gottesdienst zum Mitnehmen für Ostersonntag sowie eine Kerze an den Kirchen abholen. FOTO: JANA KÖTTER

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»Kirche lässt an Ostern nicht allein«

Karben (jkö). Online-Gottesdienst statt Osterfeuer: Die Corona-Epidemie hat auch die evangelische Gesamtkirchengemeinde Karben dazu gezwungen, gewohnte Wege zu verlassen. WZ-Mitarbeiterin Jana Kötter spricht mit der Rendeler Pfarrerin Nadia Burgdorf über ein Osterfest in turbulenten Zeiten, Lehren aus der Corona-Krise - und Hoffnung.

Frau Burgdorf, wie fühlen Sie sich, wenn Sie auf die Osterfeiertage blicken?

Das diesjährige Osterfest wird ein völlig Außergewöhnliches - auch für mich persönlich. Die große Feier mit der Familie fällt aus, und auch die Koordination der Gottesdienstzeiten und entsprechend der Kinderbetreuung mit meinem Mann, der ja auch Pfarrer ist, fällt weg. Aber: Ich finde es ganz schwierig, ohne die Feier der Osternacht, ohne das Beisammensein mit einer kleinen Gruppe von Menschen am Osterfeuer, ein »richtiges« Ostergefühl aufkommen zu lassen. Das ist für mich persönlich der Höhepunkt des Jahres, und es erfüllt mich mit Schmerz, wenn ich daran denke, dass wir dieses Jahr nicht das Osterfest feiern können, wie wir es kennen.

Dabei haben Sie mit Ihren Kollegen in den anderen Stadtteilen schnell für Ersatz gesorgt. So hängen beispielsweise seit Wochen an allen Kirchen »Gottesdienste zum Mitnehmen«, kurz vor unserem Treffen haben Sie die neuste Ausgabe aufgehängt. Wie ist das Feedback der Rendelerinnen und Rendeler?

Die schönste Rückmeldung ist die, dass alle Zettel mitgenommen werden. Tatsächlich muss ich sogar sagen: Die Menschen, die sich in diesen Tagen einen »Gottesdienst« mitnehmen, sind manchmal sogar mehr als jene, die sonntags in die Kirche kommen. Es scheint, als würden sie regelrecht sagen »Gott sei Dank, es gibt etwas!«.

Liegt das nicht auch ein wenig in der Natur der Menschen, dass wir immer das haben wollen, was wir gerade nicht haben dürfen - so wie vielleicht das Stückchen Schokolade während einer Diät?

Ich könnte mir schon vorstellen, dass dies auch auf die Sehnsucht nach einem Gottesdienst zutrifft, ja. Anders ist ja beispielsweise auch nicht zu erklären, dass es momentan vielen schwerfällt, ihre Eltern drei Wochen nicht zu sehen - aber unter normalen Umständen wäre das vielleicht auch nicht unbedingt der Fall. Aber ich merke auch, dass uns als Kirche in der aktuellen Krise eine wichtige Rolle zukommt, weil wir Antworten geben können, nach denen sich viele sehnen.

Anders als in anderen Krisen gibt es bei Corona keinen ausgemachten Sündenbock, was es schwieriger macht ihn zu greifen.

Welche Art von Antworten kann die Kirche da geben?

Zunächst einmal geht es um ein einfaches Reagieren. Die Menschen schauen gerade sehr deutlich, ob wir als Kirche überhaupt etwas machen - oder ob wir nicht vor 2000 Jahren stehen geblieben sind. Kommen wir vielleicht gar nicht mehr mit, angesichts der Geschwindigkeit der Welt, die sich ja selten so schnell gedreht hat wie heute? Wir haben auch in dieser schnellen und ungewohnten Zeit eine gute Botschaft. Das ist erst einmal die wichtigste Antwort, die wir senden können.

Das zeigt sich aktuell ja auch in einer Vielzahl digitaler kirchlicher Angebote…

Ja, derzeit gibt es davon so viele wie nie zuvor. Man könnte fast hinterfragen, ob es sein muss, dass - überspitzt gesagt - jeder Pfarrer eine eigene Predigt ins Netz stellt.

Aber wir haben Nachrichten zu verkünden, die Trost und Zuversicht bieten, und da verspürt man durchaus die hohe Motivation, das mit auf den Weg geben zu wollen.

Auch Sie persönlich?

Tatsächlich haben sich die Rendeler zusätzlich zu den bestehenden Angeboten eine persönliche Nachricht zum Osterfest von mir gewünscht. Daher werde ich eine Nachricht aufzeichnen, die dann beispielsweise per WhatsApp verteilt werden kann.

Nun hat Corona die neue Gesamtkirchengemeinde Karben nur einige Monate nach deren Gründung erwischt. Ist die Reaktion auf die Krise als Gesamtkirche einfacher oder schwerer?

Es ist einfacher und schwerer. Zunächst einmal hat uns die Krise natürlich in einer Findungsphase getroffen. Wir arbeiten seit wenigen Wochen als Pfarrteam, vorher haben wir als Einzelpersonen agiert. Allein das hätte uns genug aufgegeben - auch ohne Corona. Darüber hinaus hat die Krise aber das gemacht, was Krisen vielleicht am besten können: Sie hat uns die Notwendigkeit vor Augen geführt, schnell gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Das machen wir heute, und genau das nehmen wir aus diesen turbulenten Zeiten vielleicht mit.

Wie sieht diese Teamarbeit konkret aus?

Die Gottesdienste zum Mitnehmen beispielsweise erstellen wir gemeinsamen. Auch die Webseite - die deutlich schneller online gegangen ist als das eigentlich geplant war - haben wir gemeinsam erstellt. Dort finden sich auch viele einzelne Ideen, die wir dann im Team umgesetzt haben. Pfarrer Werner Giesler etwa hatte die Idee der »Corona-Gedanken«. Alle Karbener können auf der Webseite anonymisiert teilen, was sie in diesen Tagen bewegt. Ich habe - zusätzlich zu den bestehenden Profilen etwa auf Facebook - einen Instagram-Account ins Leben gerufen, um auch die jüngere Generation der Konfirmanden zu erreichen. Not macht eben erfinderisch - und wir machen aktuell viel, um zu zeigen »Wir lassen euch nicht allein«.

Was gibt Ihnen persönlich in diesen Tagen Hoffnung?

Man könnte fast meinen, dass Gott ein wenig schmunzelt, wenn er heute auf uns blickt: Dass uns Corona ausgerechnet in der Passionszeit trifft, die ja von Trauer und Verzicht geprägt ist, aber eben auch eine deutliche Hoffnung am Horizont mit sich bringt.

Am Sonntag wartet eine gute Botschaft auf uns, das ist versprochen - das gibt mir persönlich aktuell viel Kraft.

Die neu gegründete evangelische Gesamtkirchengemeinde Karben hat eine Reihe von Online-Angeboten zu den Osterfeiertagen ins Leben gerufen.

Über alle wird auf der Webseite https://gesamtkirchengemeinde-karben.ekhn.de/ informiert, wo die jeweiligen Gottesdienste in schriftlicher Form herunterzuladen sind.

Ab Ostersamstag können sich Karbenerinnen und Karbener Kerzen an ihren Kirchen abholen, die am Sonntag zur gleichen Zeit entzündet werden können. An Ostersonntag (12. April) läuten dazu um 6.30 Uhr die Kirchenglocken. Pfarrerin Nadia Burgdorf und Pfarrer Eckart Dautenheimer werden - ebenfalls online zu sehen - die Osterkerze anzünden. Sie haben außerdem den Gottesdienst für Ostersonntag verschriftlicht.

Die »Gottesdienste zum Mitnehmen« für alle Termine hängen auch an den Kirchen aus. jkö

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