Oli Becker und Robert Kohlmeyer beim Schnitt. Übers Handy dabei ist Regisseurin Nina Karthaus. 	 FOTOS: FAUERBACH
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Oli Becker und Robert Kohlmeyer beim Schnitt. Übers Handy dabei ist Regisseurin Nina Karthaus. FOTOS: FAUERBACH

»RUN« kommt ins Kino

Kinofilm des Karbener Open Mind Ensembles kommt bundesweit in die Kinos

  • vonChristine Fauerbach
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»RUN« wird der erste Spielfilm des Karbener Open Mind Ensembles, ein Generationsübergreifendes Theaterprojekt für Laien und Profis. Die Premiere ist für den 12. März im Cinepark geplant.

Der rote Teppich und die goldenen Absperrungen sind bereits bestellt. Läuft alles nach Plan und die Corona-Lage lässt es zu, dann findet am 12. März 2021 die Premiere von »RUN« statt, dem ersten Film des Open Mind Ensembles. Doch bis Darsteller und Filmcrew über den roten Teppich in den Cinepark Karben schreiten können, gibt es noch viel für Theaterpädagoge und Regisseur Oliver Becker und die Crew zu tun.

Seit Mitte Oktober trifft er sich jeweils für acht Stunden an zwei Tagen in der Woche mit Robert Kohlmeyer in Kilianstädten. Das Duo sichtet das aufgenommene Bild- und Tonmaterial, um es zu bearbeiten und zu strukturieren. Übers Handy mit im »Roko Media Studio« dabei ist nach Materialsichtung und Schnitt auch Regisseurin Nina Karthaus aus Mainz. Zu dritt bearbeiten sie dann die fertigen Szenen. Es gibt Diskussionen, die Änderungen oder einen Neuschnitt zur Folge haben.

Gedreht mit 6 K-Kameras

»Der Filmschnitt ist eine aufwendige Angelegenheit. Er ist ein wichtiger kreativer Teil des Filmschaffens nach Vorproduktion und Drehphase. Er hat einen bedeutenden Anteil an der Wirkung des fertigen Filmes«, betont Oliver Becker. Jetzt gehe es darum, Ton und Bild zu synchronisieren, die Tonspuren der Schauspieler zu bearbeiten sowie Musik- und Soundeffekte einzuarbeiten.

DJ Andreas Emmerich aus Heusenstamm stellt dem Ensemble Songs von sich zur Verfügung, Robert Kohlmeyer steuerte Sound und Musik aus seinem Studio fürs kreative Arbeiten bei. Die Filmmusik für »RUN« komponierte Patrick Bohländer aus Nidderau.

Durch Corona weniger Proben als geplant

Nach der Anordnung und Zusammenführung des ausgewählten Materials schaut sich das Duo Becker-Kohlmeyer alle Szenen an, schneidet Takes der von mehreren Kameras aufgenommenen Aufnahmen und akustischen Signale zusammen, um sie am digitalen Schnittplatz zur gewünschten Szenenfolge aneinanderzufügen. Beide sagen, dass ihnen nach stundenlanger Arbeit ab und zu der Abstand zum Material fehle und deshalb der kritische Blick von außen von Janine Karthaus willkommen sei. »Wichtig ist dabei, dass wir ehrlich zueinander sind. Zum Glück sind wir auf einer Wellenlänge«, sagt Robert Kohlmeyer. Es gebe keine Kämpfe um komplette Szenen, wohl aber um Sequenzen.

»Wir haben etwas mehr als die Hälfte des Films geschnitten. Szenen und Dialoge wurden teils gekürzt, aber bisher noch nicht komplett rausgeschmissen. Wir hatten durch Corona weniger Proben als geplant, haben deshalb mehr Takes gedreht.« Vor diesem Hintergrund seien einige Bilder und Szenen »echt der Hammer«. Gleichzeitig sehe man jetzt aber auch jeden Fehler in der Drehphase und bemerke, dass man in einzelnen Szenen das Drehbuch habe »liegen lassen«, bilanziert Regisseur Becker. »Ich nehme mehr Material auf, entdecke viele gute Szenen«, sagt Robert Kohlmeyer. Damit das Ergebnis so ausfällt wie gewünscht, stehen noch Colour-Grading, Tonbereinigung und Abmischung und Endkontrolle an. Kohlmeyer: »Unser Ziel ist es, die Qualität des Films auf ein hoch professionelles Niveau zu bringen. Wir haben Kinoqualität mit Dolby Surround System und 6 K-Filmkameras.«

Eigentlich als Kurzfilm geplant

Becker, Karthaus und Kohlmeyer loben das Laien-Ensemble: »Sie haben einen unglaublich guten Job gemacht.« Die beiden Regisseure bekennen: »Wir haben beim Drehen einen Darsteller fast in den Wahnsinn getrieben, um Feinheiten herauszuarbeiten.« Am Set müsse man flexibel sein, sagt Kohlmeyer. »Oft mussten wir Szenen ans Wetter anpassen«, stimmt ihm Regisseurin Karthaus zu. »RUN« war als Kurzfilm geplant, jetzt ist er mit einer Länge von mehr als 60 Minuten der erste Spielfilm des Ensembles. »Wir sind stolz darauf, den ersten Karbener Film präsentieren zu dürfen, der bundesweit in Kinos läuft«, freut sich Oliver Becker. Die Gruppe hat eine Marketingstrategie entwickelt und produziert Trailer, um bundesweit Programmkinos zu kontaktieren. Im Januar sind Fotoshootings fürs Filmplakat mit der Karbener Fotografin Assia Helmich terminiert.

Die literarische Vorlage für das RUN«-Drehbuch, dessen roter Faden die Themen Diversität und sexuelle Vielfalt bilden, ist der Jugendroman »Graf Müllratte« von Nicola Piesch. Die Filmgeschichte unterscheidet sich von Buch und Theaterstück, spielt nicht in der Schule, sondern in einem anderen Kontext. Gezeigt werden beide Seiten von Diversität und Homosexualität.

Die Mitglieder des Open Mind Ensembles sind gespannt auf die Reaktionen des Publikums. Der Film wird vor dem Kinostart an die FSK-Stelle der Filmwirtschaft nach Wiesbaden geschickt, um eine Freigabe ab 16 Jahren zu bekommen.

Träger des Filmprojekts ist das Karbener Literaturforum. Zu den Förderern gehören die Stadt Karben, der Wetteraukreis mit dem Bundesprogramm »Demokratie leben« und das Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst. cf

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