Bettina Glinder-Sirsch, Heike Herrmann und Bürgermeister Guido Rahn (von links), beim Gespräch in der Groß-Karbener Kita Zauberberg. Sie hoffen auf reges Interesse an der dualen Ausbildung für Erzieherinnen und Erzieher.
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Bettina Glinder-Sirsch, Heike Herrmann und Bürgermeister Guido Rahn (von links), beim Gespräch in der Groß-Karbener Kita Zauberberg. Sie hoffen auf reges Interesse an der dualen Ausbildung für Erzieherinnen und Erzieher.

Kindertagesstätten

Kinderbetreuung: Karben will eigene Erzieher dual ausbilden

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Derzeit sind die Kindertagesstätten zwar geschlossen. Aber für die Zeit danach, wenn sie wieder geöffnet sind, plant die Stadt Karben, praxisnah eigene Erzieherinnen und Erzieher auszubilden.

In der Kita Zauberberg in Groß-Karben tragen die Gruppen Namen wie »Erdmännchen« und »Delfine«. Die Räume sind großzügig geschnitten und gemütlich eingerichtet. Doch um die Qualität der Kinderbetreuung sicherzustellen, braucht eine Kommune vor allem eines: Personal.

Mit ihrer Entscheidung, eigene Erzieherinnen und Erzieher auszubilden, liegt die Stadt Karben dabei im Trend. »Es ist nicht unsere Erfindung, sondern die Schulen bieten es offiziell jetzt an«, sagt Heike Herrmann, städtische Fachbereichsleiterin für die Kinderbetreuung. Ort des Gesprächs ist das Büro in der Kita Zauberberg, auch Bürgermeister Guido Rahn (CDU) und Kita-Leiterin Bettina Glinder-Sirsch sind mit von der Partie.

Kinderbetreuung Karben: Von Anfang an praxisbezogen

Herrmann fährt fort: »Es war zuerst ein Modellprojekt an der Berta-Jourdan-Schule in Frankfurt und wird jetzt auf 30 weitere Schulen in Hessen übertragen.« Bei dem neuen Ausbildungsweg gingen die Erzieherinnen von Anfang an praxisbezogen vor: »In den ersten zwei Jahren sind sie zwei Tage in der Kita und drei Tage in der Schule. Das letzte Jahr sind sie drei Tage in der Kita.«

Karben habe einen Kooperationsvertrag mit den beruflichen Schulen am Gradierwerk in Bad Nauheim (BSG) und der Berta-Jourdan-Schule in Frankfurt, die beide ein großes Einzugsgebiet hätten. Die Auszubildenden besuchen eine der beiden Schulen und haben jeweils einen Vertrag mit der Stadt und der Bildungseinrichtung. »Man kann es auch Dreiecksvereinbarung nennen«, fügt Herrmann hinzu. An welche Schule die angehende Erzieherin geht, hängt letztlich davon ab, wo sie den Platz erhält. Drei Jahre dauert die Ausbildung, wobei durch die neue Form die Zahl an praktischen Stunden wesentlich höher als früher sei.

Kinderbetreuung Karben: Ausbildung wie ein duales Studium

»Vorher ging man zwei Jahre zur Schule und machte ein Anerkennungsjahr, um Erzieherin zu werden«, erläutert die Fachbereichsleiterin. Zudem musste die Bewerberin entweder eine Ausbildung zur Sozialassistentin, beziehungsweise einem anderen Beruf oder Abitur und ein Freiwilliges Soziales Jahr nachweisen.

»Das Besondere ist nun, dass es wie ein duales Studium ist. Man ist schon während der Schulzeit parallel im Betrieb und hat den großen Vorteil, schon einen Verdienst zu haben, den es sonst erst im dritten Jahr gibt.« 1140 Euro sind es im ersten, knapp 1400 Euro im dritten Jahr. »Das ist schon eine deutliche Verbesserung«, konstatiert Bürgermeister Rahn.

Laut dem Rathauschef sucht Karben wie jede andere Kommune auch ausgebildetes Personal im Kinderbetreuungsbereich. 110 Erzieherinnen seien in Voll- und Teilzeit bei der Stadt angestellt, hinzukommen die kirchlichen und freien Träger. »Wir erhoffen uns, dass wir mehr Personal bekommen und die Leute während der drei Jahre frühzeitig kennenlernen können«, sagt Rahn.

Nach Ansicht von Kita-Leiterin Bettina Glinder-Sirsch ist es vor diesem Hintergrund wichtig, die Attraktivität des Jobs zu steigern. Da die Azubis im Rahmen des dualen Wegs von Anfang an in der Praxis seien, komme es nicht zu einem möglichen »Praxisschock«, was neben dem Geld ein weiterer Vorteil für die jungen Leute sei. Der Gewinn für die Stadt sei, die angehenden Erzieherinnen vermutlich ein Stück an die Stadt Karben zu binden. »Wenn alles gut geht, hat man im Anschluss Mitarbeiter, die man mit ausgebildet hat.«

Kinderbetreuung Karben: Bewerbungen bis Ende März möglich

20 Bewerbungen liegen bereits vor, die Kommune geht aber davon aus, dass weitere kommen. Sieben Azubis kann die Stadt ausbilden, drei haben bereits eine Zusage erhalten.

Wer interessiert ist, zudem einen Schulplatz hat oder im Bewerbungsverfahren um einen Schulplatz ist, kann sich unter personal@karben.de bewerben, idealerweise bis Ende März.

»Was bedeutet der Beruf für mich?« Über diese Frage sollten die jungen Leute eine Vorstellung haben, sagt Herrmann. Zudem sollten sie Teamfähigkeit und Spaß an der Arbeit mitbringen.

22 350 Einwohner hat die Kommune, 14 Kindertagesstätten gibt es. Acht sind städtisch, drei kirchlich, und drei Kitas werden von freien Trägern betrieben. Neben den Erzieherinnen beschäftigt die Kommune auch Nicht-Fachkräfte, die die Teams unterstützen, beispielsweise Absolventinnen des Freiwilligen Sozialen Jahres, Praktikantinnen im Anerkennungsjahr und Sozialassistentinnen. Die Stadt Karben betreibt außerdem ein eigenes Büro für die Kindertagespflege. 

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