Saskia Zink und drei ihrer U3-Kinder, die an der Corona-Studie der Frankfurter Goethe-Uni teilnehmen. Damit soll wissenschaftlich herausgefunden werden, ob sich in den Kitas von Personal und Kindern zunächst unbemerkt Infektionsketten bilden können. 	FOTO: HOLGER PEGELOW
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Saskia Zink und drei ihrer U3-Kinder, die an der Corona-Studie der Frankfurter Goethe-Uni teilnehmen. Damit soll wissenschaftlich herausgefunden werden, ob sich in den Kitas von Personal und Kindern zunächst unbemerkt Infektionsketten bilden können. FOTO: HOLGER PEGELOW

Corona-Forschung

»Glückskinder« nehmen an Corona-Studie teil

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Wie gefährdet sind Kinder durch das Coronavirus? Und wie ansteckend sind die Kleinen? Diesen Fragen geht das Institut für medizinische Virologie der Goethe-Universität Frankfurt in einer Studie nach. Mit ausgewählt worden ist die Kita »Glückskinder« in Kloppenheim.

F ür einige Kinder, deren Eltern und die Erzieherinnen der städtischen Kita »Glückskinder« haben außergewöhnliche Wochen begonnen. Fünf U3-Kinder und vier Kita-Kinder sowie insgesamt vier Erzieherinnen nehmen an der landesweit laufenden »Safe-Kids-Studie« teil.

Das Institut für Virologie der Frankfurter Universität unter der Leitung von Prof. Sandra Ciesek will an 60 ausgewählten Kindertagesstätten herausfinden, wie sich das Virus verbreitet und wie betroffen eigentlich Kinder sind. »Eine Infektion verläuft bei Kindern und Jugendlichen häufig mild, oft werden auch gar keine Symptome bemerkt«, sagen Ciesek und ihr Kollege, der Arzt Dr. Sebastian Hoehl, die für die Studie verantwortlich zeichnen.

Sie wollen herausfinden, ob sich in Kindertagesstätten »unbemerkt Infektionsketten bilden«. Diese würden, weil eine Infektion bei Kindern mild verlaufe, erst dann bemerkt, wenn im häuslichen Umfeld Ansteckungen stattgefunden haben.

Möglich wäre auch, dass die Kinder ihre Erzieherinnen in der Kita anstecken. Abstand halten ist in derartigen Einrichtungen gar nicht möglich. »Wie soll ein U3-Kind mit Abstand gewickelt werden können«, scherzt die Leiterin der städtischen Kita, Vera Stiller-Faida. »Wir sind schon sehr betroffen, und deshalb haben wir eigentlich schon darauf gewartet, dass wir Teil dieser Studien sind.«

18 Eltern wollen mitmachen

Nachdem die Anfrage von der Frankfurter Uni kam, habe man alle Eltern der 101 infrage kommenden Kinder angeschrieben. Denn die Teilnahme an der Studie ist natürlich freiwillig. 18 Eltern hätten sich gemeldet, informiert die Leiterin. Allerdings sei eine Voraussetzung für die Studie, dass die Kinder möglichst aus festen Gruppen stammen. So habe man aus den Meldungen Kinder aus einer U3-Gruppe und Kinder aus einer Kita-Gruppe ausgewählt, aus denen sich jeweils die meisten Freiwilligen gemeldet hätten.

Das von den Forschern genannte Ziel von 25 Testpersonen habe man zwar nicht erreicht, aber dennoch hätten sie zugestimmt, dass die Karbener Kita dabei bleibt. Und so werden nun für drei Monate zwei Erzieherinnen und fünf Kinder aus der U3-Betreuung sowie zwei Erzieherinnen und vier Kita-Kinder regelmäßig auf das Coronavirus getestet.

Einmal wöchentlich kommen die Frankfurter Virologen in die Kindertagesstätte. Dort überreichen sie die Test-Kits und holen die gezogenen Proben ab.

Dreimonatige Testphase

Der Ablauf bei den einzelnen Kindern wird so erklärt: Die Kinder und die Erzieherinnen werden einmal pro Woche getestet. Bei dem Kind soll am Morgen vor dem Zähneputzen und vor dem Frühstück ein Abstrich der Mundschleimhaut gemacht werden. Danach wird ein zweiter Abstrich genommen: am After. Zwar sei dieser Teil der Untersuchung ebenso wie der Mundabstrich schmerzfrei, könne aber als peinlich empfunden werden, räumen die Wissenschaftler ein. Sie begründen den zweiten Abstrich aber so: »Dieser zusätzliche Test ist sinnvoll, da sich SARS-CoV-2 hier häufig viel länger nachweisen lässt als im Mund.«

Bei positivem Befund melde das Labor den Befund dem Gesundheitsamt, das dann die betroffene Familie informiere. Dabei könne es auch zu einer häuslichen Isolierung des Kindes und dessen Kontaktpersonen kommen.

Die mehrfach mit wichtigen medizinischen Preisen ausgezeichnete Virologin Sandra Ciesek leitet seit dem Frühjahr 2019 das Institut für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt. Dort erforscht sie seit Beginn dieses Jahres maßgeblich das neuartige Coronavirus. Sie konnte in einer Studie nachweisen, dass symptomfreie Personen - wie etwa Kinder - Träger und damit auch Überträger des Virus sein können. Jetzt also der nächste Schritt, die systematische Testung der Kita-Kinder und deren Erzieherinnen. Zudem forscht die Virologin aktuell auch an einem wirksamen Medikament gegen Covid-19. pe

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