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(K)Ein Grund zum Jubeln

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Die Sperrbaken werden heute um etwa 13 Uhr weggeräumt und die Nordumgehung damit für den Verkehr freigegeben. Für die Autofahrer in der Wetterau und im Main-Kinzig-Kreis ebenso wie für die Stadt Karben ein bedeutendes Projekt. 	(Fotos: pe/pv)
Die Sperrbaken werden heute um etwa 13 Uhr weggeräumt und die Nordumgehung damit für den Verkehr freigegeben. Für die Autofahrer in der Wetterau und im Main-Kinzig-Kreis ebenso wie für die Stadt Karben ein bedeutendes Projekt. (Fotos: pe/pv) © Holger Pegelow

Karben (pe). Für Karben ist die Eröffnung der Nordumgehung am Mittwochmittag ein einschneidendes Ereignis. Nach 40 Jahren Planung und zweieinhalb Jahren Bauzeit kann der Verkehr ab 13 Uhr über diese Straße rollen. Der Jubel bei Offiziellen und Anwohnern wird groß sein. Doch darin stimmt nicht jeder ein.

Die Vorgänge um die für den alten Ortskern von Groß-Karben wichtige Straße füllen mittlerweile ganze Aktenschränke. Denn seit vier Jahrzehnten wurde die Straße gefordert. Immer wieder gab es unterschiedliche Vorstöße der Stadt. Denn dort weiß man: Ohne dass der Durchgangsverkehr herausgenommen wird, braucht niemand an einer Sanierung der kaputtgefahrenen Straße zu arbeiten. 13 400 Fahrzeuge rollen durch die einstige Dorfstraße, die gebaut wurde, als noch Pferdefuhrwerke das Fortbewegungsmittel waren. Mit dem Auto-Boom sind die Verkehrsströme angeschwollen, so auch in Karben. Hunderte von Anwohnern können ein Lied von den Staus zu Berufsverkehrszeiten singen, alles verbunden mit Lärm und Abgasen. Aber auch die anderen Karbener wissen, dass die Verkehrsströme, die dort durchrollen, irgendwo wieder auftreffen. Und zwar an der Kreuzung zur Gehspitze. Da geht es zur morgendlichen Berufsverkehrszeit nur sehr schleppend voran, weil aus Richtung Rendel und Klein-Karben ebenfalls Tausende von Fahrzeugen kommen.

Tausende Kfz am Jukuz

Das dürfte ab heute Mittag besser werden. Bis zu 60 Prozent weniger Autos prognostiziert die Straßenbaubehörde Hessen Mobil für den alten Ortskern. Aber wo treffen die Fahrzeuge auf? An der neuen Kreuzung der Nordumgehung mit der B 3 in Höhe des Berufsbildungswerks, wo eine hohe Schallschutzwand gebaut wurde, um die Belastungen für den Ausbildungsbetrieb zu reduzieren. Denn über 30 000 Fahrzeuge pro Tag sagt Hessen Mobil auf Anfrage der WZ an diesem Knotenpunkt voraus. Noch 1000 Fahrzeuge mehr prognostiziert die Behörde auf der B 3 bei Kloppenheim. Für die Landesstraße 3205 zwischen der B 3 und der Brunnenstraße (Zufahrt Karben) rechnet man mit 17 600 Fahrzeugen. Ein Großteil der Autos rollt zuvor durch die enge Kurve vor Jugendkulturzentrum und Musikschule.

Angesichts solcher Gedanken verwundert es nicht, dass die Grünen dem Projekt kritisch gegenüberstehen. Eine Reduzierung um 10 000 Fahrzeuge am Tag innerhalb der Ortsdurchfahrt Groß-Karbens hält Grünen-Fraktionschef Rainer Knak für unrealistisch. Zum einen würden sich die aktuellen Schätzungen auf veraltete Verkehrszahlen stützen, zum anderen würden Autos mit Start und Ziel in Groß-Karben weiterhin durch Groß-Karben rollen.

»Ziemlich sicher wird auch die Entlastung stadtein- wie -auswärts entlang der L 3205 weit geringer ausfallen, als allseits erhofft.« Ein Großteil des dortigen Verkehrsaufkommens werde durch das Gewerbegebiet mit seinen rund 6000 Arbeitsplätzen und beachtlichem Lieferverkehr verursacht. Nicht zu vergessen seien auch Klein-Karben und Rendel, die viel einwohnerstärker seien, als Groß-Karben und Burg-Gräfenrode zusammen. Für das Verkehrsaufkommen von Gewerbegebiet, Klein-Karben und Rendel führe die Umgehung aber zu keinerlei Entlastung. Der Verkehr, der dennoch von der L 3205 aufgenommen werde, schaffe auf der Landesstraße freie Kapazitäten. »Dabei wird es spannend sein, ob diese nicht gerade wieder Verkehrsströme anziehen, welche heute etwa in gleichem Maße Verkehr von der B 521 und der L 3008 – bei Gronau und Niederdorfelden über Rendel nach Klein-Karben verlaufend – auf die Route B 3 und L 3205 verlagert wird«, sagt Knak.

Auf der Überholspur

Solche Gedanken hegt man bei der CDU-Mehrheitspartei nicht. Vorsitzender Mario Beck kommentiert, für ihn sei dieser Mittwoch »der bisherige Höhepunkt meiner kommunalpolitischen Laufbahn«. Endlich werde das Projekt vollendet, das die Lebensqualität in der Stadt und die Entwicklungsmöglichkeiten entscheidend verbessern werde. Entscheidend für den Durchbruch nach Jahrzehnten ergebnisloser Planung waren nach Becks Meinung drei Faktoren: »Erstens die Beharrlichkeit und das diplomatische Geschick von Bürgermeister Guido Rahn.« Er habe auf allen politischen Ebenen für das Projekt geworben und ein Vertrauensverhältnis auch zu den kritischen Anliegern aufgebaut, so dass deren Interesse mit dem Lärmschutzwall Rechnung getragen worden sei und sie ihre Klage zurückgezogen hätten. »Zweitens die Unterstützung der Bürgerinitiative pro Nordumgehung und der Rückhalt der heimischen Landtagsabgeordneten, einschließlich Lucia Puttrich als Mitglied der Landesregierung. Drittens habe der von der CDU/FW/FDP-Koalition im Stadtparlament beantragte Beschluss, die Straße seitens der Stadt vorzufinanzieren, »das Projekt von der Standspur auf die Überholspur befördert«, so der Christdemokrat.

Nun werde der Weg frei für die Dorferneuerung Groß-Karben, freut sich Ortsvorsteher Hartmuth Plewe (CDU). Auch sein Pendant aus Okarben, Karl-Heinz Gangel (ebenfalls CDU) atmet auf, dass nun der Schleichverkehr durch Okarben ein Ende habe. Schließlich erwartet auch Klein-Karbens Ortsvorsteher Reinhard Wortmann (ebenfalls CDU) eine Entlastung für seinen Stadtteil, da die Rückstaus von der Kreuzung Gehspitze in seiner Erwartung deutlich reduziert werden.

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