Kegler ohne Grenzen

Gerhard Lisowski vom Keglerverein 1954 Karben hat es allen gezeigt: Zwar braucht er zum Stehen und Gehen zwei Stöcke, das Kegeln lässt er sich ob dieser körperlichen Einschränkung jedoch nicht nehmen. Mit ausgefeilter Technik lässt er die Kugel rollen und dabei auch so manch einen uneingeschränkten Vereinskollegen alt aussehen. Mit seinem Können hat er nun einen großen Titel geholt.

Von APP

Gerhard Lisowski vom Keglerverein 1954 Karben hat es allen gezeigt: Zwar braucht er zum Stehen und Gehen zwei Stöcke, das Kegeln lässt er sich ob dieser körperlichen Einschränkung jedoch nicht nehmen. Mit ausgefeilter Technik lässt er die Kugel rollen und dabei auch so manch einen uneingeschränkten Vereinskollegen alt aussehen. Mit seinem Können hat er nun einen großen Titel geholt.

"Als ich angefangen habe, dachte ich nicht, dass ich das überhaupt könnte", erinnert sich Lisowski. Er braucht zwei Stöcke, ohne sie könnte er nicht stehen, geschweige denn gehen, sagt er. "Wie soll man dann Kegeln, fragen mich viele. Aber ich habe mich durchgebissen; in den 20 Jahren, seitdem ich angefangen habe, habe ich viel gelernt."

Und die Mühen waren von Erfolg gekrönt: Mit dem ersten Platz in seiner Gruppe bei der deutschen Meisterschaft brachte Lisowski den Goldpokal mit zurück nach Karben. Und damit ist er nicht der Einzige, der dort erfolgreich war. Seine Kolleginnen Anna Valta und Rita Wolf holten Silber und Bronze in jeweils ihrer Gruppe.

"Beim Sportkegeln kommt es auf Konzentration, Koordination und Kondition an", sagt Rita Wolf. "Beim Behindertensport ist das alles noch einmal besonders, da es viele Abstufungen von Behinderungen gibt und daher unterschiedliche Klassen, da es unfair wäre, beispielsweise einen Blinden gegen jemanden im Rollstuhl antreten zu lassen."

Die eigene Technik finden

Die eigene Technik finden, das ist ganz besonders wichtig. "Ich kegle zum Beispiel aus dem Stehen", erklärt Lisowski seine Herangehensweise. "Ich stelle mich möglichst gerade hin, nehme die Kugel, beuge mich nach vorne, stütze mich mit einem Stock am linken Arm ab und kegle dann mit dem Rechten." Für diese Technik hat er sich sogar extra eine kleinere Krücke besorgt.

"Die Bewegung muss immer gleich sein, ich muss an der gleichen Stelle stehen, ansonsten wird das nix", sagt Lisowski, als er seine Vorgehensweise an der Bahn zeigt und direkt alle bis auf einen Kegel abräumt. "Das Spannende am Behindertenkegeln ist, dass jeder seine ganz eigene Technik hat. Manche Kegeln aus dem Stehen, andere aus dem Sitzen oder doch aus der Bewegung heraus. Noch spannender ist es dann bei den Blinden: Die haben eine Person, die ihnen ansagt, wo sie hingeworfen haben, dabei."

Ob die körperliche Anstrengung beim Kegeln schlecht für die Gesundheit ist, daran scheiden sich die Geister. "Da gibt es unterschiedliche Meinungen", sagt Wolf. "Wenn man aber die richtige Technik einsetzt, kann nichts passieren. Trotzdem ist es sehr anstrengend. Wir sind ja keine Hobbykegler, sondern Sportkegler. Man spielt zweimal 20 Minuten am Stück, das strengt sehr an." Doch das Kegeln hat auch sehr positive Effekte: "Da man sich ungeheuer konzentrieren muss, ist es besonders bei Trisomie oder Personen mit geistigen Behinderungen sehr gut. Sie sind mit einem solchen Ehrgeiz und Begeisterung dabei, da könnte man das glatt vergessen, dass sie davon betroffen sind."

Während auf Turnieren gegen andere mit ähnlicher Behinderung gespielt wird, spielt man im Verein gegen jeden. "Ich bin immer gut aufgenommen worden, doch für neue Leute ist das oft ungewohnt", sagt Lisowski grinsend. "Da kommen dann komische Blicke: Wie will der denn kegeln? Für mich ist das gut, denn so werde ich oft unterschätzt. Und danach ziehe ich sie richtig ab!"

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