Vom Aussichtspunkt an der Ludwigsquelle beobachtet NABU-Mitglied Dr. Hans Hansen Pflanzen und Tiere.
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Vom Aussichtspunkt an der Ludwigsquelle beobachtet NABU-Mitglied Dr. Hans Hansen Pflanzen und Tiere.

Naturschutzgebiet Ludwigsquelle

Karbens umsorgter Rückzugsort

  • vonJürgen Schenk
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Das Naturschutzgebiet »Ludwigsquelle« zwischen Groß-Karben, Burg-Gräfenrode und Okarben ist ein Rückzugsort für Tiere und Pflanzen. Und in diesem Corona-Jahr wird es auch von den Menschen bei ihren ortsnahen Ausflügen (neu-)entdeckt. Die Aktiven des Karbener NABU haben ein wachsames und ein fürsorgliches Auge auf das sensible Biotop.

Das Naturschutzgebiet »Ludwigsquelle« zwischen Groß-Karben, Okarben und Burg-Gräfenrode ist 17 Hektar groß. Bereits 1974 wurde die Talsenke mit ihren charakteristischen Feuchtwiesen und Schilfstreifen als Umweltzone ausgewiesen. Damit ist sie eine der ältesten weit und breit. Die Fläche gehört zum »Auenverbund Wetterau« und zum EU-Vogelschutzgebiet Wetterau, das sich Nidda aufwärts bis nach Wöllstadt und Ilbenstadt erstreckt. In diesem Lebensraum mit seinen seltenen Pflanzen- und Tierarten sollten menschliche »Eindringlinge« normalerweise nichts zu suchen haben. Außer sie sind mit der Pflege und dem Schutz desselben betraut. Über das grüne Refugium an der Ludwigsquelle hält unter anderem der Naturschutzbund (NABU) Karben seine fürsorgliche Hand.

Vom Aussichtspunkt unterhalb der L 3351 hat man einen weiten Blick ins Land. Es ist herbstlich geworden. Die Sonne hat ihren Kampf mit dem Morgennebel, der über den Auen liegt.

Störche in den Süden unterwegs

Dr. Hans Hansen beobachtet durch sein Fernglas eine Herde indischer Wasserbüffel. In größerer Entfernung grasen die Tiere in der Nähe eines Feldteiches. »Ich kann ein Jungtier erkennen«, schildert der erfahrene Naturschützer die Szenerie. »Die Tiere gehören einem Landwirt aus Klein-Karben. Unsere Störche haben sich alle schon Richtung Süden verabschiedet. Hier an der Ludwigsquelle haben wir zwei bis drei Brutstellen, insgesamt sind in Karben zehn Storchenpaare mit durchschnittlich zwei Jungvögeln heimisch.«

Das Gefilde ist ein Rückzugsort für viele gefährdete Vogelarten. Teichrohrsänger, Kiebitz, Schafstelze, Sumpfrohrsänger, Rohrammer, Blaukehlchen, Feldschwirl, Rebhuhn und Kuckuck kommen hier vor. Letzteren kann man manchmal weithin hören. An den offenen Gräben am Westrand findet sich sogar die Helm-Azurjungfer, eine besonders wärmeliebende Libellenart. Sie ist in Hessen mittlerweile zur Rarität geworden. Mit über 200 verschiedenen Pflanzen bietet das Areal eine große ökologische Vielfalt. Früher gab es auch viele Orchideen. Vom NABU wird dieser Lebensraum praktisch unterstützt, indem der Verein sogenannte Flutmulden anlegt und pflegt.

»Alle zwei bis drei Jahre müssen diese Flutmulden vom Unkraut frei geschnitten werden«, erläutert Hansen. »Das müssen wir machen, weil dort Libellen und Eisvögel leben. Solche Arbeitseinsätze werden bei uns meistens von 20 bis 25 Helfern erledigt. Das dauert in der Regel einen halben Tag. Aber es ist schon eine Schufterei, weil das Mähen schwierig ist.« Das Abmähen müsse mit einem Sternschneidegerät erfolgen, das wie eine Sense eingesetzt werde. Die Abfallentsorgung funktioniere in Zusammenarbeit mit dem städtischen Bauhof gut, lobt der Naturschützer.

Dieses Jahr nur Arbeitseinsätze

In diesem Jahr gab es beim NABU Karben fast nur reguläre Arbeitseinsätze. Drei Vorträge und vier Exkursionen, die geplant waren, mussten wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. Auch der Aussichtspunkt an der Ludwigsquelle war für Monate gesperrt worden. Denn die Plattform ist für mehrere Menschen etwas zu eng. Jetzt ist dieser zentrale Naturbeobachtungsort in Karben wieder zugänglich. Und ein Panoramablick von dort lohnt sich eigentlich zu jeder Jahreszeit.

Ortsspezifische Auswirkungen der Pandemie konnte der NABU nach eigenen Angaben nicht feststellen. Während des Lockdowns im Frühjahr seien zweifellos mehr Menschen in der Natur unterwegs gewesen. Auf Naturschutzgebiete und Streuobstwiesen habe das jedoch keinen unmittelbaren Einfluss gehabt. Doch im großen Ganzen sehe man schon Veränderungen. Hansen meint damit die CO2-Emissionen allgemein. Durch die coronabedingte Reduzierung des Verkehrs in den zurückliegenden Monaten könne Deutschland sein Klimaziel 2020 doch noch erreichen. Die Treibhausgasemissionen sollen um 40 bis 45 Prozent unter das Niveau von 1990 sinken. Zunächst hatte es nicht danach ausgesehen. »Aber leider hängt diese positive Entwicklung nur mit dem Virus zusammen«, merkt Hansen kritisch an.

Falsches Verhalten und Regelbrüche in einem ausgewiesenen Naturschutzgebiet (NSG) sind kein Kavaliersdelikt und können ein Bußgeld nach sich ziehen. Einzelheiten sind im Bundesnaturschutzgesetz geregelt. Campen, Baden, Pflanzen pflücken, Störungen, Müll, Autos - die Liste der Verbote ist lang. Spaziergänger müssen auf den gekennzeichneten Wegen bleiben, für Hunde gilt strikte Anleinpflicht. Drohnen sind ebenfalls nicht erlaubt.

Naturschutzgebiete in Hessen werden durch Schilder markiert, die einen Seeadler im grünen Dreieck zeigen. jsl

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