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So sehen die Früchte aus, die von dem Unwetter mit Hagel beschädigt worden sind. Der Spargel- und Erdbeerhof Bär beklagt nach dem kurzen, aber heftigen Unwetter massive Ernteausfälle.

Spargel- und Erdbeerhof Bär

Karbener Hofgut: Unwetter zerstört Erdbeerernte

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Während das Unwetter vergangene Woche woanders aus Sturm und Regen bestand, gingen über Burg-Gräfenrode Hagelschauer nieder. Das hat massive Folgen für die Erdbeeren.

Eigentlich hatte sich Seniorchef Heinz Christian Bär mit dem Redakteur verabredet, um ihm zu zeigen, was man beim Spargel- und Erdbeerhof Bär im Karbener Stadtteil Burg-Gräfenrode für den Erhalt der Bienen tut. Doch zu Beginn des Termins steht ein ganz anderes Thema im Vordergrund. "Hier, schauen Sie", sagt der 79-Jährige, "die müssen alle auf den Kompost". Er zeigt am Eingang der Verpackungshalle auf drei riesige Eimer mit Erdbeeren. Dann holt er mehrere Früchte heraus und zeigt sie. Die roten Beeren weisen Dellen und Löcher auf. "Die nimmt mir niemand mehr ab", sagt Bär. Gemeint sind die Rewe-Märkte, die Gastronomen und die Großhändler an die der landwirtschaftliche Hof normalerweise liefert. "Die haben alle Hagelschäden", erklärt der Seniorchef dem verdutzten Redakteur. Der hat zwar das Unwetter zu Beginn der Woche in Klein-Karben wahrgenommen, aber Hagel?

Spargel- und Erdbeerhof Bär: Zuckerrüben ohne Schäden

"Selbst hier in Burg-Gräfenrode hat nicht jeder was abgekriegt. Der Kollege nebenan mit den Zuckerrüben hat keine Schäden." Als wir später in die Felder fahren, zeigt Bär an der Grenze zu Ilbenstadt auf ein abgestecktes Feld. Das hat er für die Gutachter abstecken lassen, die an diesem Morgen auf dem Hof und den Feldern unterwegs sind. Sie kommen aus Gießen und gehören zur Vereinigten Hagelversicherung, der größten Agrarversicherung für Landwirte. Zwei Gutachter sind in den Feldern unterwegs. "Die arbeiten hier sehr akribisch", sagt Bär. "Schauen sich jede Blüte und jede Frucht an."

An diesem Freitagmorgen liegen t 920 Kilo beschädigte Erdbeeren in den großen Behältern. "Die müssen alle auf den Kompost." Grund: Die Händler und Gastronomen nehmen diese Früchte nicht ab. "Und verkaufen können und wollen wir die auch in unserem Hofladen nicht." Dabei könnten die Früchte um die schadhaften Stellen befreit sofort zu Marmelade verarbeitet werden. Aber Bär warnt: "Manchmal sind faule Früchte dabei."

Spargel- und Erdbeerhof Bär: Schwarze Stellen an den Beeren

Später im Feld sieht man die Schäden direkt an den Pflanzen. Dort hängen schon Früchte mit schwarzen Stellen. Die gut 18 bis 22 Saisonmitarbeiter arbeiten indes weiter. "Denn die faulen Früchte müssen alle rausgepflückt werden. Wir zahlen die Saisonarbeiter dafür, dass die Früchte auf dem Kompost landen."

Auf sechs großen Parzellen von insgesamt drei bis fünf Hektar baut der Spargel- und Erdbeerhof die beliebten Früchte an. Sie sind in den Parzellen unterschiedlich beschädigt. "Einige sind weniger betroffen, etwa die Früchte der Sorte ›Faith‹, denn sie wachsen unter den Blättern." Neben der später reifen Sorte "Faith" baut Familie Bär in Burg-Gräfenrode drei weitere Erdbeersorten an: "Clery", die weitgehend im Tunnel aufwächst sowie "Rumba" und "Elianny", die Freilanderdbeeren sind. Und die hat es bei dem rund 30 Minuten dauernden Unwetter zu Beginn der Woche am meisten erwischt. "Die Schäzer haben an einnigen Feldern schon gesagt, dass es grenzwertig wird." Grenzwertig heißt, dass rund 60 Prozent der Ernte durch den Hagelschlag beschädigt worden ist.

Spargel- und Erdbeerhof Bär: Hagelversicherung schickt Schätzer

Das bedeutet für den Hof erhebliche Einnahmeausfälle. Auf den Abschlussbricht warten er und sein Sohn und Hofinhaber Markus sowie Mitarbeiter Kevin Faatz jetzt. Die Gießener Versicherung will ihn in den nächsten Tagen schicken. Für die rumänischen Saisonarbeiter, die laut Bär in den drei Monaten soviel Geld verdienen, dass sie davon das ganze Jahr über leben können, könnte das nichts Gutes bedeuten. "Wenn die Schäden sehr hoch sind, müssen wir viele von ihnen nach Hause schicken."

Erfreulicher die Nachricht für Verbraucher: "Wir können noch genug Erdbeeren liefern." Und teurer werden die roten Früchte durch die Ernteausfälle auch nicht. Bär: "Das gibt der Markt einfach nicht her."

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