Bruno Kling zeigt auf die eingerüstete dreischiffige Halle des Taunusbrunnens, die er derzeit saniert.
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Bruno Kling zeigt auf die eingerüstete dreischiffige Halle des Taunusbrunnens, die er derzeit saniert.

Rundgang

Karbener Taunusbrunnen: Neues Quartier im »Industrie-Look«

Es wird gehämmert, gesägt, geschraubt, gestrichen, verfugt. Überall wird gearbeitet auf dem Gelände des Taunusbrunnens, Karbens größter Baustelle. Die Fortschritte sind sowohl bei den zehn neuen Stadthäusern als auch bei den historischen Bauten des Brunnens gut zu erkennen. Ein Rundgang mit dem Karbener Bauunternehmer Bruno Kling.

W er täglich auf der Brunnenstraße im Stadtzentrum unterwegs ist, dem wird es aufgefallen sein. An den neuen Stadthäusern stehen keine Gerüste mehr. Deshalb sind jetzt die Fassaden sichtbar. In die modernen weißen Bauten sind Klinkersteine integriert worden. »Hier wurden echte Vollklinker verbaut«, betont der Karbener Bauunternehmer Bruno Kling nicht ohne Stolz. Denn es war seine Idee, die Industriearchitektur der alten Taunusbrunnengebäude in die Stadthäuser zu integrieren. Hier seien Häuser in modernem Industrie-Look entstanden, sagt er.

Die Pläne für das rund 3,4 Hektar große Areal zwischen Bahnlinie und Brunnenstraße sind im Hause Kling erarbeitet worden. »Der Plan war aber von vornherein, den Neubauteil des Geländes zu veräußern«, sagt der Bauunternehmer mit einem Faible für alte Häuser. Denn durch den Verkauf der Stadthäuser sollte das Geld für die Sanierung der alten, größtenteils unter Denkmalschutz stehenden Gebäude des Taunusbrunnens kommen.

Karbener Taunusbrunnen: Verkaufserlöse fließen in Sanierung

»Die Erlöse aus dem Verkauf sind nötig, um die historischen Bauten hier oben zu erhalten«, sagt Kling, als wir vor der dreischiffigen Halle stehen. Die ist eingerüstet. »Wir werden die Halle neu eindecken.« Allein die nach historischem Vorbild gefertigten Schiefer sowie die modernen Dachfenster mit Jalousien würden rund eine halbe Million Euro kosten.

Apropos Kosten: Über konkrete Summen spricht der Unternehmer nicht gerne. Aber immerhin verrät er die Größenordnung für die Sanierung der alten Gebäude: »Das bewegt sich im hohen einstelligen Millionenbereich.«

Das Investitionsvolumen wundert nicht, wenn man sieht, was alles saniert oder restauriert wird: Das alte Pförtnerhäuschen ist mit dem neu angebauten Wintergarten und dem noch anzulegenden Garten zu einem Einfamilienhaus geworden. »Das werden wir zum 1. November vermieten«, kündigt Kling an. Größtenteils vermietet sind zum Oktober die Wohnungen, die links und rechts des alten Trafohäuschens errichtet worden sind. Die vier Zwei- und die zwei Drei-Zimmer-Wohnungen seien gefragt, »ohne dass wir irgend etwas beworben hätten«. Reserviert sei auch das Schmuckstück des Gebäudes gegenüber dem Pförtnerhäuschen: Die große Penthousewohnung mit Blick über die Stadthäuser und zum Taunus. Derzeit sind die Arbeiter der zur Kling-Gruppe gehörenden »Domotec« dabei, das Treppenhaus fertigzustellen. Das ist in dem entkernten Trafohäuschen entstanden, das den früheren Brunnenbetrieb mit Strom versorgt hatte.

Gegenüber von Torhaus und Trafohaus steht das denkmalgeschützte alte Herrenhaus, früher Sitz der Taunusbrunnen-Verwaltung. Kling saniert auch dieses Gebäude, wandelt es in ein Wohngebäude um. »Wir bauen dort wieder Holzfenster mit Rundbogen ein.« Das Dach sei schon neu eingedeckt, die alten Holzbalken innen ausgetauscht. Im Erdgeschoss seien Praxisräume geplant, oben werde es Wohnungen geben. Außerdem soll das Nebenhaus zu einer Drei-Zimmer-Wohnung werden. Die Pläne seien mit dem Denkmalamt abgestimmt worden.

Zwischen den Gebäuden werde ein großer Platz angelegt, auch Grünbereiche werde es geben. Apropos Grün: Auf dem Taunusbrunnengelände seien alle Bäume erhalten worden, betont Kling. Das zeigt sich schon bei der Auffahrt von der Brunnenstraße auf das höhergelegene Gelände, die Alleencharakter hat. Grün werde es auch zwischen den Stadthäusern. Auch an den alten Hallen und an den Seiten der gerade im Bau befindlichen Ringstraße werde es kleinere Grünbereiche geben.

Ein paar Meter neben dem historischen Herrenhaus befindet sich die dreischiffige Industriehalle. Innen hat Kling Stahlträger einziehen lassen, um die Standfestigkeit des Gebäudes zu sichern. Die Fenster werden weitgehend erhalten, hinzu kommen von innen isolierverglaste Fenster. Die Halle solle Firmen Platz bieten.

Karbener Taunusbrunnen: Fugen werden per Hand ausgekratzt

Als wir auf dem Weg zur komplett sanierten Torpedohalle sind, kommen wir an Arbeitern vorbei, die die Fugen des Außengemäuers auskratzen. »Das lassen wir alles händisch bearbeiten. Die alten Fugen werden herausgekratzt, neu verfüllt und später mit Steinöl gestrichen«, beschreibt Kling die mühsamen Arbeiten für insgesamt 2000 Quadratmeter Mauerwerk. Einige Meter weiter kann man das Resultat schon sehen: Die alte Torpedohalle ist mittlerweile komplett saniert. Dach und Fenster sind neu, nach historischem Vorbild gefertigt, innen sind die alten Holzbalken saniert. Dort ist ein Unternehmen für Oldtimer-Autos eingezogen. Für die hat er ein Faible. »Schauen Sie«, deutet er in die Halle auf ein rotes Cabrio, »das ist meiner«.

»Natürlich waren auch wir von der Corona-Krise betroffen«, sagt Unternehmer Bruno Kling. Das Stichwort sei »Unterbrechung der Lieferketten«. Eigentlich sei geplant gewesen, die Fliesen für die Bäder des Taunusbrunnens aus Italien zu beziehen. Als das dortige Werk wegen der Pandemie stilllag, habe man eine deutsche Firma beauftagt. »Deshalb haben uns die Fliesen rund 50 Prozent mehr gekostet«, sagt Kling. Sein Bauunternehmen und die zu ihm gehörende Firma Domotec sowie der Hausmeisterservice seien nicht von Kurzarbeit tangiert. Einzig die Subunternehmen aus Polen und Rumänien seien betroffen gewesen. Als seinerzeit die Grenzen dichtgemacht wurden, »sind die Arbeiter über Nacht in ihre Heimatländer zu ihren Familien gefahren«. Sie seien zwei Monate weg gewesen und dann zum Teil in Quarantäne gekommen. Dennoch sei die Baustelle auf dem Taunusbrunnengelände unvermindert weitergelaufen. Man habe durch Umsetzungen von anderen Baustellen die Personalsituation ausgleichen können. »Wir arbeiten hier mit über 50 Arbeitern an drei Objekten«, deutet Kling auf die historischen Bauten des Taunusbrunnens. »Die Arbeiter sind uns sehr dankbar gewesen, dass wir sie nicht in Kurzarbeit geschickt haben.« Und sie seien »sehr willig und sehr fleißig«.

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