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Werben für den Online-Marktplatz (v. l.): Cynthia und Marcel Nebel, Bürgermeister Guido Rahn und Dominik Rinkart.

Shoppen vom Sofa aus

Karbener Online-Marktplatz: Das gute Gefühl wird mitgekauft

  • vonJürgen Schenk
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Die Innenstadt ist in der Pandemie zu einem großen Marktplatz geworden. Mitbekommen haben das aber längst nicht alle Einwohner.

Denn in den Straßen der Stadt sucht man derzeit umsonst nach den Spuren eines normalen Lebens. Maßnahmenkonform haben die Geschäfte und Gastronomiebetriebe weiterhin geschlossen. Außerhalb der Supermärkte funktioniert der Ein- und Verkauf jetzt über eine virtuelle Plattform - auf Karbens Online-Marktplatz, wo viel gescrollt und noch mehr telefoniert wird.

Während des Lockdowns im März 2020 war die Idee dazu von den Eheleuten Nebel in Burg-Gräfenrode erdacht worden. Zunächst ging es nur um ein Informationsportal für die Karbener, das gewissermaßen als Wegweiser und Visitenkarte dienen sollte. Doch das Projekt entwickelte schnell eine Eigendynamik und wurde von allen Seiten gut angenommen. Die Teilnahme ist für die Gewerbetreibenden kostenlos. Seit 1. Dezember können alle registrierten Unternehmen ihrem Auftritt eine Online-Shop-Funktion hinzufügen. Fast 100 Karbener Gastronomen, Geschäftsleute, Dienstleister, Kleingewerbler und Kunstschaffende präsentieren mittlerweile ihre Angebote online. Bis zu 800 Besucher pro Tag und eine Menge positiver Rückmeldungen verbuchen die Initiatoren als Erfolg.

Mit im Boot sitzt auch die Stadt, die den Online-Marktplatz finanziell unterstützt. Bürgermeister Guido Rahn (CDU) macht in dieser Hinsicht aus seinem Herzen keine Mördergrube. Er wisse um die Bedeutung des Einzelhandels vor Ort und um die Chance, die der Onlinehandel biete. »Wir haben rund 10 000 Euro in die Entwicklung fließen lassen. Mindestens die gleiche Summe kostet außerdem das Marketing, um das Projekt weiter nach vorne zu bringen«, beziffert Rahn den Aufwand. Nach der Pandemie wolle man das, was jetzt in Gang gekommen sei, weiterfördern und die Chance weiter nutzen.

Die meisten rufen lieber an

Diese Chance bestehe vor allem aus der Kombination des »Besten aus zwei Welten«, ist sich Cynthia Nebel sicher. »Es ist ein digitaler Marktplatz entstanden, der Händler und Kunden auf einer lokalen Plattform zusammenbringt«, sagt sie. »Die Kundschaft kann sich nun online bei den verschiedenen Händlern informieren und direkt bei ihnen einkaufen. Das funktioniert wie ein realer Wochenmarkt oder ein Stadtbummel, nur eben im Internet.« Auch der persönliche Kontakt bleibe so vorhanden. Von ihrem Gewinn müssten die Gewerbetreibenden nichts abgeben, alles wandere in die eigene Tasche. »Alles, was sie uns zur Verfügung stellen müssen, sind Bilder ihrer Waren.«

Marcel Nebel zeichnet mit seiner Firma Optanium für die technische Umsetzung des Projektes verantwortlich. Durch das Feedback der Teilnehmer ergeben sich für ihn immer neue Verbesserungsmöglichkeiten. Außerdem greift er mit seinem Fachwissen den Geschäftsleuten unter die Arme, wenn es Probleme mit dem Shop gibt. »Uns ist es besonders wichtig, kein Amazon in Klein zu werden, sondern eher der Gegenpol dazu«, unterstreicht Nebel. »Die Händler sollen unabhängig bleiben. Unser Online-Marktplatz macht das möglich. Und die Kunden können wie gewohnt vom Sofa aus shoppen und kaufen das gute Gefühl, den Einzelhandel von nebenan zu unterstützen, gleich mit.« Das Konsumverhalten zeige deutlich, welche Bedeutung dem persönlichen Kontakt beigemessen werde. 90 Prozent aller Kunde würden demnach lieber telefonieren. »Der Rest kauft über die Bestellfunktion im Internet ein«, sagt Nebel. »Kunden müssen sich weder registrieren noch Cookies zulassen, um einkaufen zu können.«

Der Vierte im Bunde ist Dominik Rinkart. Seit einiger Zeit arbeitet er für die Stadt Karben im Social-Media-Bereich, moderiert zum Beispiel Bürgergespräche im Internet. Sein Engagement liegt auch in der Organisation von Werbemaßnahmen für den Online-Marktplatz. Flyer, Banner, Gewinnspiele - die Bandbreite des Machbaren ist groß. »Wir wollen noch präsenter werden«, gibt Rinkart als nächstes Etappenziel vor. An fünf markanten Punkten in Karben hängen bereits Werbeplakate, die jetzt erneuert werden sollen. In den nächsten Tagen flattern außerdem rund 10 000 Wurfzettel in die Karbener Briefkästen. Zum Verteilen konnte der aktuelle Abiturjahrgang der Kurt-Schumacher-Schule gewonnen werden. Im Gegenzug winkt den jungen Leuten eine großzügige Spende der Stadt. Mit diesem Geld sollte eine wie auch immer geartete Feier nach den Prüfungen möglich sein.

Online-Bummel

Auf karben.stark.business gibt es wie bei anderen Anbietern eine Such- und Warenkorbfunktion. Jedes Unternehmen kann als mögliche Unterpunkte seine Konditionen für Abholung, Reservierung oder Lieferung sowie spezielle Hinweise eintragen. Bei den grün umrandeten Anbietern sind Online-Bestellungen möglich.

Auf karben.stark.business gibt es wie bei anderen Anbietern eine Such- und Warenkorbfunktion. Jedes Unternehmen kann als mögliche Unterpunkte seine Konditionen für Abholung, Reservierung oder Lieferung sowie spezielle Hinweise eintragen. Bei den grün umrandeten Anbietern sind Online-Bestellungen möglich. jsl

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