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Hier sieht es so aus, als ob die Karbener Kläranlage keinen Platz mehr hätte. Doch für eine angedachte Erweiterung bestehen in Richtung Bauhof noch Freiflächen, ebenso nahe dem Belebungsbecken.

Karbener Kläranlage modernisiert

  • Holger Pegelow
    VonHolger Pegelow
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Damit das Schmutzwasser der vielen tausend Haushalte aus Karben und Rodheim gereinigt werden kann, bedarf es einer gut funktionierenden Kläranlage. Die in Karben ist modernisiert worden.

W er die riesige Kläranlage in der Industriestraße 12 betritt, nimmt an einigen Stellen das Brummen und Surren von Maschinen wahr. Und es ist durchaus zu riechen, wo man sich befindet. »Hier arbeiten unsere Milliarden Mitarbeiter«, lächelt Abwassermeister Michael Kratz, als wir vor dem Belebungsbecken stehen, wo Milliarden Bakterien aktiv sind. »Das da vorne ist unsere neue Phosphatanlage«, informiert er weiter.

Neues hat auch die Steuerungszentrale im Gebäude zu bieten: Zwei riesige Monitore an der Wand zeigen in digitaler Form die Übersichtskarte der Anlage. Per Mausklick kann sich der Abwassermeister etwa das Belebungs- becken oder andere Einheiten aufrufen und von dort aus jederzeit überwachen, ob die Anlagen einwandfrei arbeiten. »Für die gesamte neue Technik haben wir eine externe Firma beauftragt«, ergänzt der Technische Leiter der Stadtwerke, Michael Quentin. Hard- und Software sind ausgetauscht worden.

In einer anderen Halle schräg gegenüber sieht man noch den Inhalt eines alten Schaltkastens. »Und hier ist die neue Technik«, zeigt Kratz zwischen den geöffneten Türen in den neuen Schrank. Die sogenannte Automatisierungstechnik haben die Stadtwerke nach und nach für rund eine halbe Million Euro ausgetauscht. »Für das 20 Jahre alte Vorgängermodell waren keine Ersatzteile mehr zu kriegen«, informieren Quentin und Kratz bei dem Rundgang. Genau diese Technik ist für die gesamte Kläranlage aber wichtig. Sie sammele automatisch die Daten des im Zulaufpumpwerk einfließenden Schmutzwassers und steuere die einzelnen Stationen in den Becken automatisch. Programmiert ist das Ganze so, dass die von den Behörden vorgegebenen Grenzwerte - etwa für Phosphor und Stickstoff - für das in die Nidda abfließende Klärwasser eingehalten würden.

Anlage soll erweitert werden

Doch beileibe haben die Stadtwerke nicht nur wegen der veralteten Technik viel Geld investiert. Sie wollen auch für eine eventuelle Erweiterung der Anlage gerüstet sein. Denn die für aktuell 40 000 Einwohnergleichwerte ausgelegte Anlage soll im Endausbau für 65 000 Einwohnergleichwerte dimensioniert sein. Dabei wird einem im Gespräch mit den Experten klar, dass damit nicht Einwohnerzahlen gemeint sind. Quentin erläutert, dass Karben rund 23 000 Einwohner habe, das angeschlossene Rodheim 5000. Hinzu kämen die Einträge aus dem örtlichen Gewerbe, die ebenfalls in Einwohnergleichwerte umgerechnet würden. Die Anlage reinigt die Schmutzfracht von insgesamt 32 000 Einwohnergleichwerten. Bei etlichen Stoffen habe man noch »Luft nach oben«, bei anderen sei man »an der Belastungsgrenze«, sagt der Technische Leiter. Dies gelte etwa für den sogenannten chemischen Sauerstoffbedarf. Sprich: Je mehr das in der Kläranlage ankommende Wasser mit organischen Stoffen belastet ist, desto mehr Sauerstoff muss beim Reinigungsprozess zugeführt werden. »Im Moment können wir uns noch nicht erklären, warum das Abwasser so stark mit organischen Stoffen belastet ist«, sagt Quentin. Das sei rätselhaft, weshalb man im kommenden Jahr eine Expertise als Auftrag vergeben wolle. Gleichwohl weist der Verantwortliche darauf hin, dass beim Ablauf in den »Vorfluter Nidda« alle Grenzwerte eingehalten würden.

Würde die Kläranlage durch zusätzliche Neubaugebiete stärker belastet? Das verneint Quentin, denn es kämen dadurch nicht automatisch so viele Menschen hinzu wie etwa Wohnungen und Häuser entstünden. Häufig fänden Umzüge innerhalb Karbens statt, und es zögen nicht so viele zusätzliche Bürgerinnen und Bürger hinzu. Die Bevölkerungstatistik zeige, dass die Zahl der Einwohner nur relativ wenig gestiegen sei. Insofern hat Quentin keine Probleme damit, wenn etwa im künftigen Brunnenquartier noch 500 Wohneinheiten hinzukämen.

Gutachten zeigt Geruchsbelästigung

Dennoch streben Stadtwerke und Stadt mittelfristig eine Erweiterung der Kläranlage an. Zu diesem Zweck hatte man eine Umweltverträglichkeitsprüfung in Auftrag gegeben und den TÜV mit zwei Gutachten beauftragt. Während in Sachen Lärm keine Probleme attestiert wurden, wurde die Anlage vom Geruch her als problematisch eingestuft. So gebe es Beschwerden vom Nachbargrundstück. Die Idee sei laut Quentin gewesen, den Standort des Schlammlagerplatzes zu verlegen und stattdessen einen geschlossenen Schlammsilo zu bauen. Ein erneutes Gutachten habe diese Standortverlegung berücksichtigt. Doch auch das stellte fest: Die Geruchsbelästigung wäre immer noch zu hoch. Weil zur Standortsicherung trotz Schlammplatzverlegung immer noch die Abdeckung von sehr vielen Becken erforderlich wäre, hat man sich zu einem anderen Schritt entschlossen. Den Kauf des benachbarten Grundstücks Industriestraße 14. »Dadurch müssten wir weniger Abdeckungen auf dem Klärwerksgelände vornehmen und könnten Kosten sparen.« Die Stadtwerke würden dann aus ihrem Flachbau in der Max-Planck-Straße 21 in die Industriestraße 14 umziehen. Darüber soll in einer der nächsten Sitzungsrunden entschieden werden.

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