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Maximilian Zeifang und Thorsten Bipp (2. und 3. v. r.) werden zum Brandmeister befördert. Christian Becker (r.), Matthias Meffert und Christoph Häusler nehmen an der Zeremonie teil.

Karbener Feuerwehr

Karbener Feuerwehr ist 240 Mal ausgerückt

  • VonJürgen Schenk
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Personalveränderungen lassen niemandenkalt. Vor allem wenn es um Freunde geht. Da macht auch der Stadtbrandinspektor in Karben keine Ausnahme. Am Ende aber müssen die Segel gesetzt werden, denn die Feuerwehr sieht unruhigen Zeiten entgegen.

V erglichen mit ähnlichen Veranstaltungen war die Jahreshauptversammlung der Karbener Feuerwehr am Freitagabend ungewohnt emotional. Als dem Stadtbrandinspektor während seiner Ansprache plötzlich die Stimme versagte, musste es dafür einen triftigen Grund geben. Vielleicht waren es auch gleich mehrere Gründe: Nach über eineinhalb Jahren Corona-Abstinenz stand Christian Becker endlich wieder vor einem gut gefüllten Saal im Bürgerzentrum und hatte seine Wiederwahl geplant. Noch dazu wurde sein Vater Werner Becker von der Okarbener Feuerwehr in die Ehren- und Altersabteilung verabschiedet. Und dann wusste er, dass er seinen Freund und Vizebrandinspektor Christoph Häusler an diesem Abend ziehen lassen musste.

In seinem Jahresbericht 2020 sparte Becker nicht mit kritischen Untertönen. Das Jahr sei sehr von der Pandemie geprägt gewesen. Viele Dienstanweisungen von höherer Stelle habe er, oft mit eigenem Unverständnis, erstellen müssen.

»Dennoch konnten wir mit großem Stolz beobachten, dass trotz der vielen Einschränkungen im Übungsbetrieb und auch bei der Kameradschaftspflege, die Motivation und Professionalität in unserer Feuerwehr nicht im Geringsten in Mitleidenschaft gezogen wurde«, fügte Becker hinzu. Die Summe aller Einsätze bezifferte er auf 240, also 80 Einsätze mehr als im Jahr 2019. Die Feuerwehr habe dabei insgesamt 25 Menschenleben und sieben Tiere retten können. Im Februar brannte das alte Gebäude der Gehspitze in Groß-Karben. »Allein bei diesem Einsatz konnten wir sage und schreibe fünf Menschenleben retten«, berichtete der Stadtbrandinspektor stolz. »In Erinnerung geblieben ist auch die Bevölkerungswarnung zum Corona-Ausbruch Ende März, die in den Karbener Straßen mittels Sprach durchsagen durchgeführt wurde.« Bei einem Verkehrsunfall am Petterweiler Kreuz Ende Juni sei ein 16-jähriger Junge trotz Reanimierung am Unfallort verstorben. Ein anderer Unfallbeteiligter habe mit hydraulischem Rettungsgerät von der Feuerwehr aus seinem Fahrzeug befreit werden können.

70 000 Euro für Ausrüstung

Becker zählte für das Jahr 2020 insgesamt 47 Lehrgänge und Seminare, die, solange es die Corona-Situation erlaubte, von Karbener Einsatzkräften besucht wurden. 70 000 Euro stellte die Stadt Karben für die Neubeschaffung von Ausrüstungsgegenständen zur Verfügung. »Und am Ende gab es dann noch die größte Werbeaktion, welche die Feuerwehr Karben in 50 Jahren je gesehen hat«, beschrieb er den Erfolg der Sticker-Sammel-Aktion. Nach seinen Angaben bestand die Einsatzabteilung der Feuerwehr zum Jahresende aus 187 Mitgliedern, darunter 29 Frauen.

Wechsel nach Flörsheim

Der emotionale Teil begann mit seinem Rückblick auf die vergangenen fünf Jahre als Stadtbrandinspektor. Becker sprach von Höhen und Tiefen, »wobei die Höhen glücklicherweise überwogen«. Er habe versucht, allen 180 Feuerwehrleuten gerecht zu werden, was aber nicht immer gelungen sei. Trotzdem sei er stolz, dass er zusammen mit »tollen Menschen« im Einsatz seien konnte. Einer dieser Menschen war der bisherige Stellvertretende Stadtbrandinspektor Christoph Häusler. Er hatte seinen Verzicht auf Wiederwahl frühzeitig bekanntgegeben. Sein Weg führt ihn jetzt nach Flörsheim am Main, wo er sich der dortigen Feuerwehr anschließen wird.

Zum Nachfolger gewählt wurde Martin Strehl von der Feuerwehr Burg-Gräfenrode. Von 118 Anwesenden hatten ihm 96 ihre Ja-Stimme gegeben. Christian Becker wurde in seinem Amt als Stadtbrandinspektor bestätigt. Er bekam 94 Ja-Stimmen.

Martin Strehl kam vor 25 Jahren als Quereinsteiger zur Feuerwehr Burg-Gräfenrode. Die Busfahrer des örtlichen Omnibusunternehmens Eberwein hätten ihn damals für die Feuerwehr begeistern können. Auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung wurde der 45-Jährige zum Hauptlöschmeister befördert und erhielt das Silberne Brandschutzehrenabzeichen am Bande für 25 Jahre Mitgliedschaft in der Feuerwehr. »Ich mag Herausforderungen und will die Feuerwehr in Karben weiter nach vorne bringen«, kündigt er an. Strehl ist verheiratet und hat eine Tochter. jsl

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