Hinter Verbissschutz "versteckt" sind die Eichenbäumchen des "Stiftungswaldes". Gibt es erneut eine ähnliche Pflanzaktion? Die Kommunalpolitik spricht sich einstimmig dafür aus. ARCHIVFOTO: PEGELOW
+
Hinter Verbissschutz "versteckt" sind die Eichenbäumchen des "Stiftungswaldes". Gibt es erneut eine ähnliche Pflanzaktion? Die Kommunalpolitik spricht sich einstimmig dafür aus. ARCHIVFOTO: PEGELOW

Stadtverordnete tagen heute Abend

Karbener Bürger sollen die Bäume retten

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
    schließen

Das erneut sehr trockene Jahr löst in der Karbener Kommunalpolitik viele Aktivitäten aus. Nicht weniger als fünf Anträge befassen sich mit dem Wald, Blühflächen und Baumpatenschaften.

M itte November 2015 herrschte in einem Waldstück hinter dem verlängerten Selzerbachweg emsiges Treiben. Einige Dutzend Familien und Einzelpersonen waren gekommen, um die ersten Bäume eines sogenannten Stiftungswaldes zu pflanzen. Eine größere Aktion, initiiert von der Bürgerstiftung Karben.

Eine vergleichbare Aktion hat es bis heute nicht mehr gegeben. Dabei könnte der Wald einiges an Unterstützung gebrauchen. Denn Forstleute sehen aufgrund der Dürre und des Klimawandels rund ein Viertel der Waldfläche in Gefahr.

Auch die SPD-Fraktion weist darauf hin, wie wichtig der Wald ist. Denn in der Begründung eines Antrages schreibt sie, der Wald wandele CO2 in Kohlenstoff um und gebe dabei Sauerstoff ab. Ein einzelner Baum von 35 Metern Höhe binde eine Tonne Kohlenstoff und der Baum senke pro Jahr den Kohlenstoffgehalt in der Atmosphäre um zehn Kilo. Zudem sei der Wald ein großes Trinkwasserreservoir.

Mit diesen Erkenntnissen und Verweisen auf das Internet fordert die SPD, der Magistrat soll prüfen, ob eine "Initiative Bürger*innen-Wald" ins Leben gerufen werde könne. "So etwas gibt es schon", meldete sich prompt Ausschussmitglied und FW-Fraktionschef Thorsten Schwellnus zu Wort. Es wäre doch sinnvoll, diese schon bestehende Organisation in eine solche Aktion einzubringen, spielte er auf die Bürgerstiftung Karben an.

Bürgermeister Guido Rahn (CDU) unterstützte zwar Inhalt und Intention des Antrages, behielt sich aber vor, dass die Stadt das so machen wolle, wie sie es für richtig halte. Im Laufe der Diskussion im Ausschuss war man sich einig, dass der Antrag, eine neue Initiative zu gründen, quasi abgeschwächt wird und dass der Magistrat prüfen solle, in welcher Organisationsform die Bürger dem Wald helfen sollen. Der SPD-Antrag fand denn auch das einstimmige Votum des Ausschusses, so-dass er in der heutigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung ohne Aussprache einstimmig verabschiedet werden dürfte.

Dritter heißer Sommer in Folge

Um Bäume ging es auch in einem zweiten Antrag. Die SPD beantragte, eine Initiative zur Gewinnung von Paten für die Straßenbäume in der Stadt zu starten. Möglichst in Absprache mit den Naturschutzverbänden. Der Antrag stammt bereits von Anfang Mai, war aber coronabedingt erst in dieser Sitzung auf die Tagesordnung genommen worden.

Dennoch hat er nichts von seiner Aktualität verloren. Schließlich ahnte die Oppositionsfraktion seinerzeit bereits, "dass es in Folge der dritte heiße Sommer wird". Es müssten Vorkehrungen getroffen werden, wie die Straßenbäume in der Stadt geschützt werden könnten. Bürgermeister Rahn plädierte dafür, zunächst einmal die Initiative abzuwarten, die der Ortsbeirat Petterweil begonnen hat. Denn or-ganisatorisch seien solche Patenschaftsaktionen viel Arbeit. "Wir probieren mal das Modell Petterweil aus und schauen dann weiter." Man könne erst danach entscheiden, ob man eine solche Aktion auch für andere Ortsteile übernehme.

Rahn: Probleme bei Nachbarkommunen

"In den Nachbarkommunen gibt es mit solchen Patenschaften leider Probleme", sagte Rahn. In Okarben beispielsweise stehe ein Pflanzkübel, "den lassen wir jetzt abräumen". Derjenige, der sich kümmern wollte, habe "einfach aufgehört, sich zu kümmern, hat aber nichts gesagt".

Nach einigen weiteren Wortbeiträgen war man sich im Ausschuss einig: Bis zum 15. Mai kommenden Jahres solle der Petterweiler Probelauf beobachtet werden. "Wenn es dort läuft, könnte man es auf die anderen Stadtteile ausweiten." Auch dieser Antrag dürfte das Stadtparlament einstimmig passieren.

Und die Ausschussmitglieder votierten einstimmig dafür, den Grünstreifen zwischen Selzerbrunnen-Center und dem Gewerbegebiet ebenso als Blühstreifen zu entwickeln wie das Gelände rund um den Hochbehälter Pelzkappe. Der Magistrat solle zudem weitere Gelände für Blühflächen eruieren.

Gleichfalls ein einstimmiges Votum gab es für einen Prüfantrag der CDU bezüglich Naturlehrpfade und Naturerlebnispunkte rund um Karben. Der Magistrat soll prüfen, inwieweit die Errichtung von Naturlehrpfaden umgesetzt werden könne, um Menschen für die Natur und Umwelt zu sensibilisieren.

Es solle geprüft werden, ob und wie die renaturierte Nidda, der Stadtwald, die Streuobstwiesen und die landwirtschaftlichen Pachtflächen der Stadt in einer Art Rundroute mit einbezogen werden könnten. Die Naturschutzverbände, das Forstamt und die Landwirte sollen ebenso in das Projekt einbezogen werden.

Außer den vier im Ausschuss Stadtplanung und Infrastruktur behandelten Anträgen wird es in der heutigen Sitzung des Stadtparlaments - 20 Uhr, Bürgerzentrum Karben, großer Saal - noch um zwei weitere Naturschutzanliegen gehen. Die Linke fragt an, ob die Stadt die Grünfläche zwischen der Erich-Kästner-Straße und der Nidda erwerben könnte. Intention der Partei ist es, dort einen öffentlichen Park zu errichten. Die Linke fragt deshalb, ob hier baurechtliche Probleme zu lösen wären. pe

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare