Bestatter Thorsten Winter holt Verstorbene in einer solchen Trage ab. Wer im Krankenhaus verstirbt und infiziert ist, wird in einem Sack verpackt in einen Sarg gelegt, der direkt verschlossen wird.
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Bestatter Thorsten Winter holt Verstorbene in einer solchen Trage ab. Wer im Krankenhaus verstirbt und infiziert ist, wird in einem Sack verpackt in einen Sarg gelegt, der direkt verschlossen wird.

Herausforderung für Bestatter

Karbener Bestatter: Mundschutz für infizierte Tote

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Auch für die Bestatter bedeutet die Corona-Krise eine besondere Herausforderung. Denn wenn klar ist, dass ein Verstorbener mit dem Virus infiziert ist, müssen die Bestatter Vorsicht walten lassen.

Des Öfteren wird der Karbener Bestatter Thorsten Winter gerufen, um einen Toten abzuholen. »Bei einem normalen Sterbefall ist eigentlich der Arzt gefordert. Auf dem Leichenschauschein müsste eine infektiöse Erkrankung aufgeführt sein.«

Was aber ist, wenn der Arzt nichts draufschreibt? »Dann gehen wir davon aus, dass er eine Infektion hat.« Das bedeutet für Winter und seine Kollegen, dass sie sowohl zum Overall als auch zu Mund- und Augenschutz greifen. Allerdings sei eine Tröpfcheninfektion, so wie jetzt beim aktuellen Corona-Virus, »zunächst nicht dramatisch, weil der Leichnam erst einmal nicht bewegt wird«. Winter weiß allerdings, dass der kritische Moment noch kommt. Nämlich wenn der Leichnam hochgehoben wird, um ihn auf die Bahre oder in einen Sarg zu legen. »Durch das Hochheben wird die Lunge eingedrückt und der Tote atmet aus.« Genau aus diesem Grund erhalte der Tote einen Mundschutz bzw. ein Tuch mit einem Desinfektionsmittel.

Leichnam in einen Plastiksack packen

Eventuell problematisch werden für die Bestatter könnte auch, wenn ein Haus oder eine Wohnung virenverseucht ist. »Dann würde es reichen, eine Türklinke anzufassen und man könnte sich infizieren«, nennt der Bestatter eine Gefahr. Damit die minimiert wird, trage er und seine Kollegen immer Handschuhe.

Wie verhält es sich aber, wenn der Tote nicht im häuslichen Umfeld geborgen wird, sondern in einem Krankenhaus verstirbt? Winter informiert, dass es dazu in den Kliniken Vorschläge für das Handling gebe. Der Landesverband der Bestatter empfehle, den Verstorbenen in einen Kunststoffsack mit Reißverschluss zu verpacken. Der Sack sei zuvor vom Klinikpersonal zu reinige und zu desinfizieren. »Dann wird der Leichnam uns so verpackt übergeben.« Wenn eine Klinik nicht nach diesen Empfehlungen arbeitet, »gehen wir in Vollschutz dort hinein«. Bedeutet: Mit einem Schutzanzug, Maske und Handschuhen.

Sarg wird sofort verschlossen

Im Falle einer ansteckenden infektiösen Erkrankung werde der Tote dann in einen Sarg gelegt, der sofort verschlossen wird, informiert der Bestatter weiter. »In diesem Fall können die Angehörigen sich auch nicht mehr von dem Verstorbenen verabschieden.«

Nicht nur beim Abholen der Verstorbenen, sondern auch für die Trauerfeiern gelten in diesen Zeiten besondere Vorgaben. Das städtische Friedhofsamt hat beispielsweise verfügt, dass maximal zwölf Personen an einer Trauerfeier teilnehmen dürfen, »da bin ich und ein Kollege schon mitgezählt«. In der Verfügung der Stadt heißt es: Man müsse einen Weg finden, bei anstehenden Beerdigungen einen würdevollen Abschied für die Angehörigen, Lebensgefährten oder den engsten Freunden zu ermöglichen. Andererseits gelte es, die Ausbreitung des Corona-Virus zu unterbinden oder zu verzögern.

Bestattungsfeier im Freien

Deshalb bleiben die Trauerhallen geschlossen, es finden nur kurze Bestattungsfeiern im Freien statt. Die Teilnahme von Trauergästen aus Risikogebieten sei leider grundsätzlich nicht möglich, gleiches gelte für Personen, die erste Symptome (auch leichter Art) einer Infektion aufweisen oder die in Kontakt zu diesen Personen stehen. Die Stadt verweist zudem auf den Mindestabstand von 1,50 Metern zwischen den Personen, die nicht in einem Haushalt leben. »Auf körperliche Gesten der Kondolenz, insbesondere auf Händeschütteln oder Umarmungen, ist zu verzichten«, heißt es seitens der Stadt weiter.

Zudem sei Kontakt mit Pfarrern zu vermeiden, so die Stadt. Vor den Trauerfeiern spricht der Bestatter mit den Angehörigen. »Früher haben wir das Gespräch mit allen Angehörigen zu Hause geführt. Heute wird nur das Notwendigste besprochen«, sagt Winter. Und noch etwas ist neu: »Ich spreche jetzt mit maximal zwei Angehörigen in meinem Büro.«

In Bad Vilbel gelten strengere Vorschriften als in Karben

Während die Stadt Karben die Zahl der Trauergäste auf zehn plus zwei Personen vom Bestattungsunternehmen begrenzt hat, ist man im benachbarten Bad Vilbel strenger. Mit der Verordnung zur Beschränkung sozialer Kontakte und zur Anpassung von Verordnungen zur Bekämpfung des Corona-Virus vom 22. März dürfen Bestattungen auf den städtischen Friedhöfen nur mit einem begrenzten Angehörigenkreis von maximal fünf Personen je Bestattungsfall abgehalten werden, heißt es in der Verfügung von Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU).

Da sich im Zusammenhang mit der neuen Situation den Angehörigen viele Fragen stellen, hat die Dortelweiler Pietät Jeckel auf ihrer Internetseite einen kompletten Fragenkatalog mit Antworten zusammengestellt. Darin wird unter anderem darauf hingewiesen, dass Trauergebete nicht zulässig seien, denn Versammlungen zur Religionsausübung seien untersagt. Gebete könne es nur im engsten Familienkreis geben. Finde dennoch, bevorzugt unter freiem Himmel, eine Trauerfeier statt, müssten die Sitzplätze einen Mindestabstand von 1,50 Metern haben. Auf die Auslegung eines Kondolenzbuches sei aus Gründen des Infektionsschutzes ebenfalls zu verzichten. 

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