Samuel Welzenbach in Aktion im Karbener Skaterpark. Der Zehnjährige verbringt viele Stunden in der Bowl. Mutig und mit viel Gleichgewichtsgefühl springt er mit seinem Rad die Betonbahn entlang.
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Samuel Welzenbach in Aktion im Karbener Skaterpark. Der Zehnjährige verbringt viele Stunden in der Bowl. Mutig und mit viel Gleichgewichtsgefühl springt er mit seinem Rad die Betonbahn entlang.

Skateranlage

Karben: 10-Jähriger macht Vorschläge, um Skateranlage zu verbessern

Simon Welzenbach ist begeisterter BMX-Fahrer. Viele Stunden verbringt er im Karbener Skaterpark. Seine Ideen, wie die Anlage ausgebaut werden kann, hat er Bürgermeister Guido Rahn präsentiert.

An den Bürgermeister schickt man sicher nicht jeden Tag einen Brief. Und wenn es doch einmal sein soll, vielleicht eher als E-Mail. Der zehnjährige Samuel Welzenbach aus Klein-Karben verfasste jedoch einen handgeschriebenen Text. Ganz persönlich, wie man es früher machte. Im Juli lag sein Anliegen auf Guido Rahns Schreibtisch. Der Junge äußerte darin Wünsche und Verbesserungen für das Freizeitangebot, von denen auch andere Sportler profitieren dürften. Die Reaktion des Bürgermeisters ließ nicht lange auf sich warten.

Karbener Skateranlage: Hobby für Vater und Sohn

Zuerst muss man etwas wissen: Samuel, Spitzname Sami, ist begeisterter BMX-Fahrer. Sein zweites Zuhause hat er im Skaterpark zwischen Industriegebiet und Nidda gefunden. Jeden Tag trifft er sich dort mit Freunden und Gleichgesinnten, um Tricks zu üben. Stunde um Stunde, bis zum Abend, werden unermüdlich Bunny-Hops, Manuals und One-Eighties aneinandergereiht. Dann kommt sein Papa mit dem Skateboard dazu. Bevor sie nach Hause gehen, wird erst noch ein bisschen gegrindet und gesprungen.

Vater und Sohn haben ein gemeinsames Hobby für sich entdeckt. »Vielleicht habe ich das Sami mit in die Wiege gelegt«, mutmaßt Patrick Welzenbach. Sollte am Rad seines Sohnes irgendwo etwas klappern oder schleifen, hat er immer das passende Werkzeug parat. Die Materialbeanspruchung bei Sprüngen sei nicht zu unterschätzen.

Zuerst sei er Scooter (Straßenroller) gefahren, erzählt Sami während einer Trinkpause. »Ich habe Spaß daran, Tricks zu machen. Meine Eltern haben mir dafür einen speziellen Straßenroller gekauft. Seit einem halben Jahr fahre ich BMX. Das ist cooler.«

Wegen der Farbe seines Rades nennen ihn die anderen Freestyler »Mister Blue«. Den Respekt hat er sich erarbeitet. Derzeit kann sich der Zehnjährige keine andere Freizeitbeschäftigung vorstellen. Zum Turnen geht er noch, aber die Akrobatik in der »Bowl« ist seine große Leidenschaft. Und daran kann auch ein Regenschauer nichts ändern. Denn er weiß ja: »Innerhalb von sechs Minuten ist die Bowl wieder trocken.« Ein »Profi« muss das wissen.

Ganz am Anfang waren es Youtube-Videos, die Samis Begeisterung für den Sport weckten. Seitdem fährt er mit seinen Eltern zu verschiedenen Rampen. Eine davon befindet sich am Frankfurter Osthafen. Die Eindrücke von dort bringt er dann mit nach Karben, frische Ideen für den hiesigen Skaterpark inklusive. Bei all den Insiderbegriffen muss ein Laie aber erst einmal nach Erklärungen suchen. Quarter Jump, Manual Pad, Wallbreak - das seien im Prinzip alles Sprungelemente, informieren Vater und Sohn Welzenbach. Auf der fast leeren Fläche vor der Bowl wäre für solche Neuerungen noch Platz. Im Internet wurden bereits mögliche Produkte für die Karbener Anlage gesichtet.

Karbener Skateranlage: Ortstermin mit dem Bürgermeister

Diese Anregungen gingen in Briefform an Bürgermeister Rahn. Lange dauerte es nicht, bis ein Ortstermin mit Samuel und dessen Eltern vereinbart wurde. Michael Soborka vom städtischen Tiefbauamt war ebenfalls dabei.

»Da wurde gemeinsam geschaut, wo man was hinstellen könnte«, berichtet Patrick Welzenbach von dem Treffen. »Herr Rahn war sehr offen für das Projekt. Das hat uns ein gutes Gefühl gegeben. Wenn am Ende zwei oder drei Sachen dazukommen, wäre das super.«

Rahn zeigt sich von dem Engagement des Jungen beeindruckt. Es brauche noch mehr solcher Hinweise und Ideen von Nutzern der Skateranlage, heißt es aus dem Rathaus. Nur so könne man die Gestaltung optimieren. Für jetzt steht fest: Das Tiefbauamt wird die Anlage nach Samis Ideen ausbauen und verbessern.

Karben: Treffpunkt Skaterbahn

Die Vorgängeranlage von 1991 musste im Jahr 2014 völlig marode abgerissen werden. Sie hatte in Karben keinen guten Ruf. Augenzeugen erinnern sich, dass dort eher Alkohol- und Drogenexzesse als Kunststücke gefeiert wurden. Mit einer Sportstätte hatte das zum Schluss nichts mehr zu tun. Im Jahr 2016 wagte die Stadt dennoch einen Neustart. Nach anderthalb Jahren Planungs- und Bauzeit wurde die neue Anlage zusammen mit dem benachbarten Parkourpark zur Benutzung frei gegeben. 252 000 Euro kostete das Gesamtprojekt. 90 000 Euro steuerte die Stadt bei, der Rest kam vom Regionalpark Rhein-Main, dem Land Hessen und Fraport.

Die als Doppel-Pool konzipierte Anlage wird von Skateboardern, Inlineskatern und BMX-Fahrern genutzt. Sie ist 490 Quadratmeter groß und bietet Plattformhöhen zwischen 1,25 und 1,67 Metern. Zwischen Stadt und Natur, mit Anbindung an den Niddaradweg, kommen besonders in den Ferien oder an Wochenenden viele Individualsportler dorthin. jsl

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