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Karben wird fahrradfreundlich

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Von: Holger Pegelow

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Der Klingelwiesenweg in Okarben soll versuchsweise als Fahrradstraße ausgewiesen und quasi wissenschaftlich begleitet werden. Das haben die Stadtverordneten jetzt im Rahmen eines Maßnahmenbündels zugunsten von Radfahrern entschieden. ARCHIVFOTOS: PEGELOW © Holger Pegelow

Es hat etwas länge gedauert, als erwartet, doch nun ist es geschnürt. Gemeint ist das Bündel von Maßnahmen für ein fahrradfreundliches Karben.

128 000 Euro in diesem Jahr, 230 000 Euro im kommenden Jahr, 395 000 Euro in 2024 und 330 000 Euro im Jahr 2025. Das macht in der Summe fast 1,1 Millionen Euro. So viel will die Stadt in den Ausbau und die Verbesserung des Karbener Radwegenetzes stecken. Im bereits beschlossenen Investitionsprogramm stecken diese Mittel schon drin.

In der jüngsten Sitzungsrunde haben die städtischen Gremien nun die konkreten Maßnahmen beschlossen, die in diesen vier Jahren umgesetzt werden sollen. Bemerkenswert dabei: Das Bündel von Vorhaben ist entstanden aus einzelnen Anträgen der Fraktionen, die von der Verwaltung bewertet und zu einer Liste zusammengestellt wurden. Der einmütige Beschluss ist von den Fraktionen jetzt als »gemeinsamer Beschluss«, quasi als interfraktionell, gewertet worden. Das hat es in dieser Form in Karben noch nie gegeben.

Der Magistrat listet in seiner Vorlage an die Stadtparlamentarier die Vorgeschichte auf. Von März 2020 bis Juli 2021 habe die Stadtverordnetenversammlung insgesamt 19 Anträge zum Thema Radverkehr mit 38 Beschlussvorschlägen angenommen und der Verwaltung zur Prüfung und Stellungnahme vorgelegt. In einer Sondersitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Infrastruktur hatte der städtische Radverkehrsexperte Ekkehart Böing dazu genau Stellung bezogen und namens der Verwaltung bewertet. Im Dezember 2021 wurde dann die Beschlusstabelle vorgestellt und in der jüngsten Sitzung abgestimmt.

Klingelwiesenweg wird Fahrradstraße

Eine der wichtigen Entscheidungen: Der Klingelwiesenweg in Okarben soll als Fahrradstraße ausgewiesen werden. In diesem Zusammenhang hat die Verwaltung vorgeschlagen, den Weg als »Projekt-Fahrradstraße« zu deklarieren. Die erste außerorts liegende Fahrradstraße in Hessen könnte damit sozusagen wissenschaftlich begleitet werden. Der Klingelweisenweg wäre wichtig als Verbindung zwischen Burg-Gräfenrode und dem Stadtzentrum. Die Ausschussmitglieder und die Stadtverordneten haben sich dafür einstimmig ausgesprochen und die von der Verwaltung vorgeschlagene Alternative verworfen. Die alternative Route wäre entlang der Nordumgehung Groß-Karben verlaufen.

Die drei Seiten lange, eng bedruckte Tabelle von Maßnahmen enthält noch weitere Verbesserungen für Radfahrerinnen und Radfahrer. So hat auch ein Radweg von Kloppenheim nach Ober-Erlenbach gute Chancen, verwirklicht zu werden.

Dafür müsste jedoch ein Fahrbahnteiler auf der Landesstraße 3352 (also von Petterweil kommend Richtung Landesstraße 3205) gebaut werden. Dies sei vorgeschrieben, weil auf der L 3352 mehr als 5000 Fahrzeuge täglich erwartet würden. Stadt und Hessen Mobil würden dafür eine Verwaltungsvereinbarung unterzeichnen. Böing rechnet damit, dass bis Sommer 2022 Baurecht für den überörtlichen Radweg geschaffen werden kann.

Grünes Licht wird wohl auch die von den Fraktionen geforderte Entzerrung von Fuß- und Radverkehr entlang der Nidda erhalten. Am Ostufer des Flusses könnte der jetzt als Trampelpfad genutzte Weg für Radfahrer ausgebaut werden. Dafür müsse aber eine naturschutzrechtliche Genehmigung eingeholt werden.

Schon in Arbeit ist im Rathaus die Verbreiterung des Kurvenbereichs am Jugendkulturzentrum. Grünes Licht kommt aus dem Rathaus für diverse kleinere Maßnahmen, wie etwa eine bessere Beschilderung des Radweges von und zum Berufsbildungswerk Südhessen.

Auch für die Radfahrenden im Gewerbegebiet, namentlich an Dieselstraße und Industriestraße, dürfte sich einiges verbessern. Denn dafür sind durchgängige Fahrradstreifen vorgesehen. Jedoch müsse zunächst geprüft werden, ob der ruhende Verkehr außerhalb der vorgegebenen Parkbuchten unterbunden werden kann.

Bedarfsampel an Rendeler Straße?

Prüfen will die Verwaltung laut Böing auch noch, ob es an der Rendeler Straße eine Bedarfsampel geben könnte, und zwar ortsausgangs Richtung Rendel. Hintergrund ist, dass die Schulkinder die viel befahrene Straße überqueren müssten, wenn sie von ihrer Fahrt aus den in Groß- und Klein-Karben gelegenen Schulen auf den Radweg Richtung Rendel geleitet werden müssten. Da dies eine Landesstraße ist, müssen die überörtlichen Behörden mitsprechen, also der Regionale Verkehrsdienst und Hessen Mobil.

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