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Nicht nur der Container im Karbener Recyclinghof ist voll, auch der Platz drum herum ist mit gelben Säcken übersät. Daraufhin hat die Stadt den Platz abgesperrt.

Gelbe Säcke

Rattengefahr: Aufnahmestopp am Karberner Wertstoffhof - Bürger reagieren

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Aufnahmestopp am Karberner Wertstoffhof. Wegen angeblichen Rattenbefalls hat das Personal am Samstag keine Gelben Säcke mehr angenommen. Einige Bürger reagieren auf ihre Weise.

Wer sich auf den Weg zum Recyclinghof macht, um Sperrmüll oder Grünschnitt abzugeben, hat auch nicht selten die Gelben Säcke dabei. An der Einfahrt müssen sie dem Personal angeben, was sie alles abgeben wollen. Doch am Samstag erhielten viele eine für sie überraschende Antwort: "Die Gelben Säcke müssen Sie wieder mitnehmen. Wir dürfen wegen Rattenbefalls keine Säcke mehr annehmen." Das hatte man an der Einfahrt noch nie gehört.

Aber ein Blick in den Recyclinghof genügte, um die dramatische Lage zu erfassen. Man sichtete am Samstag zwar keine Ratten, dafür aber eine Unmenge an Gelben Säcken. Der 40-Kubikmeter-Container mit dem Verpackungsmüll quoll regelrecht über. Doch damit nicht genug: Um den riesigen Container herum lagerten Unmengen von befüllten Säcken. Laut Personal rund 300 Stück.

Aber Rattenbefall? Davon will der stellvertretende Betriebsleiter des Abfallwirtschaftsbetriebs Wetterau, Uwe Schmittberger, nichts wissen. Gleichwohl könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Tiere angezogen werden. Schließlich liege der Karbener Recyclinghof am freien Feld. Zudem enthielten die Verpackungen sehr häufig Reste von Lebensmitteln.

Abfuhr läuft schleppend

Aber nicht nur das: Etliche Säcke mit Verpackungsmüll würden auch mit Hausmüll befüllt, weiß der Einsatzleiter des mit der Abholung beauftragten Wächtersbacher Unternehmens Weisgerber, Sebastian Eberl. Bei der Straßenabholung markiere man die falsch befüllten Säcke mit einem orangefarbenen Aufkleber, "etwa wenn wir Gartenschläuche, eine PC-Tastatur, ein Bobbycar oder eben Essensreste dort drin sehen". Dann blieben die Säcke stehen. "Aber die landen letztlich dann doch im Container des Recyclinghofes."

Abgesehen davon wunderte sich so mancher, dass sich im Karbener Hof an der Max-Planck-Straße Massen an Gelben Säcken angesammelt hatten. Dafür hat Eberl eine Erklärung: Letztmals sei der große Container am 27. Mai geleert worden. Grund: "Wir mussten zunächst in Bad Nauheim die liegengebliebenen Säcke einsammeln." Seit zwei Wochen laufe die Abfuhr des Verpackungsmülls ohnehin sehr schleppend, gibt der Einsatzleiter zu.

Als Ursache nennt er, dass es an der sogenannten Umschlaganlage Engpässe auftreten könnten. Diese Anlage ist bei Vetters Containerservice in Bad Nauheim. Von dort aus fahren Spediteure die Gelben Säcke zu den Firmen, wo der Inhalt verwertet wird. "Jeder ist da auf jeden angewiesen", erklärt Eberl das komplexe System.

Stadtsprecher Hans-Jürgen Schenk sagt, dass die Stadt Karben am vergangenen Mittwoch bei Weisgerber den Abtransport des Gelbe-Sack-Containers angemeldet habe. "Für Freitag war dessen Abholung dann zugesagt. Aber es kam niemand." Dennoch habe das städtische Personal am Recyclinghof am Freitag die Säcke noch angenommen." Offenbar kamen da so viele zusammen, dass am Samstag dann der Annahmestopp verhängt wurde. Für den konkreten Tag könne er nicht sagen, ob Ratten gesichtet wurden. Dennoch wisse man, dass "bei heißem Wetter und vielen Gelben Säcken die Ratten kommen". Um Gefahren auszuschließen, habe man vorsorglich den Annahmestopp am Samstag verhängt.

Säcke einfach abgestellt

Doch etliche Bürger haben Säcke mit dem Verpackungsabfall wohl nicht mit nach Hause genommen. Am Sonntag fanden sich an etlichen Orten im Stadtgebiet die Säcke, manchmal neben den normalen Mülleimern, manchmal in der Landschaft. Aber einige Säcke wurden auch an den Zaun des Recyclinghofes gelehnt oder vor dem Tor abgestellt.

Uwe Schmittberger und Sebastian Eberl machen auch die Bürgerinnen und Bürger mitverantwortlich für die Probleme mit den Gelben Säcken. Eigentlich sei der Grüne Punkt ein Abholsystem, das heißt, dass die vollen Säcke vor den Haustüren abgeholt werden. "Darauf wollen die Leute aber nicht warten. Sie wollen die häufig stinkenden Säcke wieder loswerden und fahren sie zum Recyclinghof." Stadtsprecher Schenk kann das ein wenig verstehen, vor allem bei den Bürger, die in Mehrfamilienhäusern wohnen.

Bei den Unternehmen und beim Abfallwirtschaftsbetrieb Wetterau ist sich aber einig, dass auch die vielen Feiertage im Mai und Juni dazu beigetragen haben, dass das ganze System etwas ins Stocken geraten ist. "Das Schlimmste ist, wenn die Freitage zwischen die Feiertage und die Wochenenden fallen", sagt Eberl. Zudem fehle es dem Unternehmen an Fahrern. " Wenn es eng wird, setzen sich auch unsere Chefs ans Steuer, um die Autos zu fahren."

Übrigens ist der volle Container am Montagmittag abgeholt und gegen einen leeren getauscht worden. Schenk: "Ab sofort nehmen wir am Recyclinghof wieder Gelbe Säcke an."

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