Freuen sich über ein Prunkstück fürs Museum (v. l.): Rainer Obermüller, Hannelore Danulat und Hanspeter Schwind.
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Freuen sich über ein Prunkstück fürs Museum (v. l.): Rainer Obermüller, Hannelore Danulat und Hanspeter Schwind.

Gasthäuser

Historischer Silberbecher erinnert an Gasthaustradition in Karben

  • vonJürgen Schenk
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So etwas sieht man im Karbener Landwirtschafts- und Heimatmuseum nicht alle Tage: einen historischer Silberbecher. Seine Geschichte hängt eng mit Rendel und einer Gastwirtschaft zusammen, die es schon lange nicht mehr gibt.

Museumsdienstleiter Rainer Obermüller vom Karbener Geschichtsverein, der selbst in Rendel wohnt, ist begeistert. »Das ist etwas Einzigartiges«, freut er sich. »Wir müssen noch überlegen, wo wir den Becher hinstellen. Aber bestimmt wird er einen besonderen Platz bekommen.« Eigentümer des Bechers ist Hanspeter Schwind aus Frankfurt. Zusammen mit seiner Schwester Hannelore Danulat hat er das Familienerbstück an Obermüller übergeben.

Dass es sich um etwas Wertvolles handelt, wissen die beiden Spender. Inschrift und Punze sprechen dafür und machen neugierig. »Herrn Heinrich Adam in Rendel als 25-jährigem treuen Kunden 1882 - 1907 gewidmet von der Brauerei Henninger Frankfurt a. M.«, findet man außen am Becher eingraviert. Auf der Unterseite stehen die Kaiserkrone für das Deutsche Reich, der Halbmond für Silber und die Zahl 800 für den Silberfeingehalt.

Für den besonderen Geschmack: Neben der Kneipe befand sich auch noch der Spezereiladen Mallwitz.

Hanspeter Schwind verbindet mit dem Unikat Erinnerungen an gute und schlechte Tage. »Im Krieg wurden meine Eltern in Frankfurt ausgebombt. Zunächst fanden wir in Usingen eine Bleibe, bevor wir 1946 nach Rendel zogen. Dort wohnten wir bis 1949 bei der Familie Hoos im Gronauer Weg. Den Becher hat unsere Erbtante Susanne Adam meinen Eltern vermacht«, erinnert er sich.

Erinnerungen an vergangene Tage

Ein Blick in die Geschichte der Gastronomie verrät, dass es schon immer vertragliche Bindungen zwischen Gastwirtschaften und Brauereien gab. Man nannte und nennt diese Kooperation Brauerei- oder Bierliefervertrag. Silberbecher wird es für langjährige Kunden heutzutage wohl nicht mehr geben. Mit dem Wissen um dieses Geschenk lohnt sich aber eine Kneipentour durch Alt-Rendel allemal.

Festtagsstimmung: die Gastwirtschaft Adam um 1964.

Das Gasthaus Adam am Lindenplatz gehörte zu drei Lokalitäten, die vor 1940 geschlossen wurden. Konrad Adam hatte es gegründet, 1864 wurde dort der Gesangverein »Männerchor« ins Leben gerufen. In dem Haus befand sich neben der Kneipe auch noch ein Spezereiladen. Gaststätte und Laden, sagt Schwind, hätten lange Zeit parallel existiert. 1924 musste Heinrich Adam die von seinem Vater übernommene Wirtschaft schließen. Die Dechertsche in der Obergasse (1916) und die Köttersche am Gronauer Weg (1939) teilten das gleiche Schicksal. Alle drei verfügten über Kegelbahnen.

Als Übungsraum genutzt

Das hatte die Gaststätte Hock nicht. Dafür gab es dort einen Billardtisch, eine Neuheit mit großer Anziehungskraft. Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnete »beim Hock« außerdem das beliebte Rendeler Kino. In seinem Dorfbuch von 1956 vermutet Heinrich Walter, dass die Leonhardt’sche Wirtschaft am Südende des Dorfes die älteste gewesen sein könnte. »Durch ihren vorzüglichen Apfelwein war sie in der ganzen Gegend bekannt«, schreibt er. Schon Anfang des 19. Jahrhunderts wurde dort ausgeschenkt. Die jüngste Gastwirtschaft hatte den geräumigsten Saal und eine Bühne vorzuweisen. Im 1906 von Wilhelm Meier gegründeten »Frankfurter Hof« (später »Rendeler Hof«) am Ortsausgang nach Klein-Karben war Platz für die größten Veranstaltungen. Der Saal wurde auch vom Turnverein als Übungsstätte genutzt. Letzte Station auf dem Rundgang ist die Gaststätte Bauer, zu der eine Metzgerei gehörte. »Sie ging aus der Deweilschen Gastwirtschaft hervor, die im gegenüberliegenden Haus betrieben und in deren Garten an schönen Sommertagen manche Festlichkeit abgehalten wurde«, weiß Walter.

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