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Die fünfköpfige Familie verbringt viel Zeit im Freien. Sie leben derzeit bei den Eltern der Mutter, weil ihre bisherige Wohnung wegen Eigenbedarfs gekündigt worden ist.

Bezahlbares Wohnen

Karben: Familie aus Wohnung geklagt wegen Eigenbedarf 

  • vonAnne-Rose Dostalek
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Der Wohnungsmarkt in Karben ist angespannt. Eine junge Familie bekommt das derzeit zu spüren. Sie musste ihr bisheriges Zuhause verlassen - ohne neue Wohnung.

  • Eine Familie mit drei Kindern verliert in Karben ihre Wohnung.
  • Eine neue, bezahlbare Wohnung in Karben ist nicht in Sicht.
  • Die Familie wohnt jetzt zu fünft im Kinderzimmer bei den Eltern der Mutter.

Karben - »Für uns gibt es in Karben keinen Wohnraum, wir finden einfach keine Wohnung, so viel wir uns auch bemühen«. Das ist das resignierte Resümee einer jungen Familie, die derzeit wieder bei den Eltern der Frau eingezogen ist. Denn aus ihrer alten Wohnung wurden sie wegen Eigenbedarf herausgeklagt.

»Jetzt schlafen wir zu fünft in meinem alten Kinderzimmer. Ein Dauerzustand ist das nicht, auch wenn wir sehr dankbar sind, dass meine Eltern uns aufgenommen haben«, sagt Anastasia D. Sie kann es immer noch nicht fassen, dass es so weit gekommen ist. Dass der Räumungsschutzklage nicht stattgegeben wurde, obwohl klar war, dass damit eine Familie mit drei Kindern im Alter von sechs, zwei und einem Jahr ohne Dach über dem Kopf dastehen würde. Denn die hohen Mieten für neue Wohnungen können sie sich nicht leisten und eine Sozialwohnung ist zurzeit nicht in Sicht.

Suche nach Wohnung: Hoffen auf Hilfe der Stadt Karben

»Mit meinen drei kleinen Kindern kann ich nicht arbeiten gehen«, sagt Anastasia D., die Friseurin gelernt hat und zuletzt im Einzelhandel beschäftigt war. Ihr Lebensgefährte und Vater der Kinder ist beim Jobcenter als arbeitssuchend gemeldet. Vier Jahre hat die Familie in Okarben gewohnt, war zufrieden mit der Wohnung, die sie sich schön gemacht haben. »Wir haben tapeziert, die Türen abgeschliffen und neu lackiert«, erzählt die junge Frau. Mit der Vermieterin habe sie sich gut verstanden. Doch diese verkaufte die Wohnung und die neue Besitzerin erklärte Eigenbedarf und klagte auf Räumung.

»Diesen Stress hätte ich meiner Tochter gerne erspart, zwei Wochen vor der Einschulung«, sagt die Mutter und blickt auf ihre Kleine, die an der Hand vom Vater geht. Im Kinderwagen sitzen die beiden jüngeren Geschwister, ein und zwei Jahr alt. Ziel an diesem Nachmittag ist der Spielplatz an der Nidda. Noch viel häufiger ist die Familie im Kleingarten, der ihnen im Frühling und Sommer mit Sandkasten und Schaukel eine Zuflucht war. In Karben fühlt sich die Familie zu Hause. Frau D. ist hier aufgewachsen und zur Schule gegangen, die Eltern arbeiten beide in Karben. Ihre Hoffnung auf eine Wohnung setzt Anastasia D. auf die Stadt Karben, die mit der stadteigenen Wohnungsbaugesellschaft über einen Bestand von Sozialwohnungen verfügt. Bislang vergeblich.

Spielsachen und Möbel stehen verpackt in der Wohnung der Großeltern.

Suche nach Wohnung in Karben: Lage der Familie bekannt

»Die Lage der Familie ist bekannt, Frau D. bemüht sich sehr und sie ist auch beraten worden von Mitarbeitern der Stadt«, erklärt Verwaltungsleiter Hans-Jürgen Schenk. Man habe ihr nur ein Zimmer als vorübergehende Notlösung anbieten können und eine Liste von Ferienwohnungen. »Unsere Möglichkeiten sind damit erschöpft« bedauert Schenk. Es sei keine passende Wohnung frei, die Familie müsse sich auf dem Wohnungsmarkt umschauen.

Das macht die Familie nun seit Monaten. »Wir haben bei Netto und Rewe unsere Flyer ausgehängt, dass wir eine Wohnung suchen. Wir haben eine Suchmeldung bei Ebay-Kleinanzeigen geschaltet und rufen bei jedem Wohnungsangebot an, dass wir sehen«, sagt Anastasia D. Das Jobcenter Friedberg wisse um die Lage Bescheid, doch deren Wohnungslotsen könnten auch nur beraten.

Der Fachdienst Soziale Hilfen vom Wetteraukreis sei wenig hilfreich gewesen, sondern habe den Stress und die Panik zusätzlich geschürt. »Uns wurde gesagt, dass das Jugendamt die Kinder in Obhut nehmen könnte«, sagt die Mutter, die darüber zu Tode erschrocken ist. »Da haben wir vor dem Räumungstermin im September Hals über Kopf unsere Sachen gepackt und sind zu meinen Eltern gezogen.«

Wohnungsmarkt in Karben: Mieten steigen weiter

»Es muss doch in Karben auch für die kleinen Leute eine Wohnung geben«, sagt Anastasia D. mit einem Unterton von Verzweiflung. Sie sieht die Neubauten im Brunnenquartier emporwachsen, doch was dort an Miete verlangt wird, ist für sie unbezahlbar. Außerdem ist da noch die soziale Schere: Sobald ein Vermieter hört, dass die Familie Hilfe zum Lebensunterhalt bekommt und drei Kinder hat, ist das Gespräch vorbei. Dabei wäre die Miete gesichert. Denn das Jobcenter übernimmt die Mietkosten bis zu einer angemessenen Höhe. 725 Euro plus Nebenkosten sind das derzeit bei einer fünfköpfigen Bedarfsgemeinschaft.

Dass die Stadt einen dringenden Bedarf an preisgünstigen Wohnungen hat, sieht auch Bürgermeister Guido Rahn (CDU) so. »Die Mieten steigen in Karben auf breiter Front , in den letzten vier Jahren um 15,2 Prozent«, sagt er. Im Schnitt werden 10 Euro je Quadratmeter verlangt. Deswegen wolle die Stadt mehr bauen und mehr preiswerten Wohnraum unter 8,50 Euro je Quadratmeter zur Verfügung stellen. Neue Wohneinheiten sollen in Burg-Gräfenrode, in Petterweil und in der City entstehen. Vor allem Senioren und Alleinstehende stünden auf der Warteliste der Wobau, Familien eher selten. Im vergangenen Jahr habe es 25 Bewerbungen gegeben, die Warteliste insgesamt sei aber länger.

Was tun bei Verlust der Wohnung?

Bei drohender Wohnungslosigkeit ist in Karben der Bürger- und Ordnungsservice der Ansprechpartner. Er kann aber nur in Notfällen für eine kurzfristige Unterbringung in Pensionszimmern sorgen. Die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft WoBau vermietet Sozialwohnungen, für die zwischen 4,20 und 8,20 Euro Miete je Quadratmeter verlangt werden. Interessenten müssen einen »Wohnungsberechtigungsschein«, vorlegen. Er kann beim Fachbereich Soziales, Jugend , Kultur und Sport beantragt werden. Es gelten Einkommensgrenzen. Wer beim Jobcenter in Friedberg als Leistungsempfänger gemeldet ist, kann sich von Wohnungslotsen beraten lassen. (dos)

Wer ein Angebot für eine bezahlbare Wohnung für die fünfköpfige Familie hat, kann sich telefonisch unter 0177/4015743 melden.

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