Claudia Scheele (l.) und Initiatorin Eva Rosen (r.) packen jede Menge Müll in die blauen Säcke. Eine über Facebook gegründete Gruppe von Karbenern will die Gemarkung von den Hinterlassenschaften unliebsamer Zeitgenossen befreien.
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Claudia Scheele (l.) und Initiatorin Eva Rosen (r.) packen jede Menge Müll in die blauen Säcke. Eine über Facebook gegründete Gruppe von Karbenern will die Gemarkung von den Hinterlassenschaften unliebsamer Zeitgenossen befreien.

Online verabredet

Farbeimer, Spraydosen und Pappbecher: Facebook-Gruppe trifft sich zum Müllsammeln

  • Holger Pegelow
    VonHolger Pegelow
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Am Sonntagmorgen haben sich viele noch einmal im Bett umgedreht. Nicht so einige Karbener, die trotz eisiger Temperaturen ihre Handschuhe angezogen und fleißig Müll gesammelt haben.

»Sie sammeln hier Müll, das ist aber eine gute Aktion«, sagt der Spaziergänger, der am Sonntagmorgen die Robert-Bosch-Straße entlangläuft. »Da können Sie in unserer Straße gleich weitermachen«, ruft der Senior im Weitergehen. Keine Frage: Der viele Müll in der Stadt wird immer mehr zum Ärgernis. Die Stadt reinigt jeden Tag die Gemarkung, vor allem die Areale rund um die Mülleimer und Papierkörbe. Auch die Spielplätze werden kontrolliert und der Müll aufgelesen.

An einem Ort hatte sich besonders viel Unrat angesammelt: auf der Grünfläche zwischen Burger King und Kino. Genau das Gebiet hatten sich einige Karbener Bürger ausgesucht für eine privat organisierte Säuberungsaktion. Initiatorin ist Eva Rosen. Die Klein-Karbenerin hatte die erste Petition in das dafür vorgesehene Tool der Stadt eingestellt, in der sie sich über den vielen Hundekot beschwert hat. Die Eingabe wird als erfolgreich bewertet, nachdem Bürgermeister Guido Rahn in dem Tool erklärt hat, dass die Stadt die Zahl der Hundekotbeutelstationen inklusive Abfalleimern deutlich erhöhen werde und zudem Bußgelder für uneinsichtige Hundebesitzer angekündigt hat.

Über Facebook nach Gleichgesinnten gesucht

Jetzt hat Eva Rosen sich des Mülls in der Gemarkung angenommen. »Ich sehe den Müll überall herumliegen. Anstatt mich darüber zu ärgern, habe ich einfach angefangen, ihn einzusammeln«, sagt sie. Über Facebook hat sie sich mit Gleichgesinnten zusammengetan. »Zusammen Müll einzusammeln, ist etwas, was jeder machen kann, und ich möchte andere dazu einladen und motivieren, dass das eine tolle Sache ist, die in der Gruppe wirklich Spaß macht, und dass man mit einem guten Gefühl nach Hause geht.«

Und so kamen am Sonntagmorgen bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt und Nebel einige Karbener zur Robert-Bosch-Straße. Der Ort war mittels eines Votings in der Facebook-Gruppe ausgewählt worden. Offenbar hatten viele den Abfall gesehen, der zum Vorschein kam, nachdem die dortigen Kleidercontainer in den vergangenen Tagen entfernt worden waren. »Viele haben gesagt: Hier ist es besonders schlimm«, sagt Rosen.

Farbeimer, Schuhe, Flaschen gesammelt

Dick eingepackt und mit Handschuhen und Müllsäcken ausgestattet, gingen die Karbener ans Werk. »Was sich hier so alles findet«, staunt Claudia Scheele und hält eine Farbrolle mit alter Farbe in die Höhe. Den »passenden« Eimer mit den Farbresten finden sie und Rosen wenige Meter weiter in einem Gebüsch direkt am Gehweg. Kinderspielzeug, ein Kinderautositz, leere Alkoholflaschen, Pappbecher, Fast-Food-Verpackungen, ein zerrissenes Werbeplakat, Zigarettenschachteln, Plastikspielzeug, Spraydosen, Papierreste, zwei Paar Stiefel, Sandalen und vieles mehr wandern nach und nach in die blauen Säcke. Man habe bis zum Mittag etliche blaue Säcke gesammelt. Mit der Stadt habe sie ausgemacht, dass Mitarbeiter diese am Straßenrand abholen sollten, informiert Rosen.

Mit von der Partie waren auch Jens Stroppe sowie weitere Bürger, die ihren Namen nicht in den Medien lesen wollten. Stroppe sammelt ebenfalls Müll links und rechts des Trampelpfades auf, der sich zwischen Einkaufszentrum und City-Center gebildet hat und den viele Bürger auf ihrem Weg vom Bahnhof nach Groß- und Klein-Karben nutzen. »Es gibt Plätze, da kann man jede Woche reinigen«, weiß er um die Problematik der zunehmenden Vermüllung.

Initiatorin zieht zufrieden Bilanz

Initiatorin Eva Rosen zeigt sich besonders zufrieden. Später stößt noch eine junge Familie zu den Sammlern. »Besonders schön war heute die junge Familie, die da war, die ihrem kleinen Sohn gezeigt hat, wie wichtig es ist, dass man so etwas macht und dass wir eben nur diese eine Erde haben«, schreibt die Initiatorin hinterher. Mittlerweile hat auch Klein-Karbens Ortsvorsteher Christian Neuwirth Kontakt zu Eva Rosen aufgenommen und sie in die nächste Ortsbeiratssitzung eingeladen. Das Gremium tagt bereits morgen Abend im evangelischen Gemeindezentrum. Rosen hat sich fest vorgenommen: »Da gehe ich hin.«

Stadt sammelt auch

Weil man auch bei der Stadt weiß, dass in der Gemarkung viel Müll landet und auch, um das Bewusstsein der Karbener zu schärfen, veranstaltet sie alljährlich im Frühjahr eine große Müllaufräumaktion. In diesem Jahr findet sie am Samstag, 29. Februar, ab 10 Uhr statt. An verschiedenen Stellen sammeln Bürger den Unrat ein.  

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