Sabine Meyer-Fischer, 2. Vorsitzende des OGV Okarben, freut sich über neue "Nachbarn": Neben dem eigenen Grundstück, auf dem die Karben-Flagge weht, blüht Klatschmohn.
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Sabine Meyer-Fischer, 2. Vorsitzende des OGV Okarben, freut sich über neue »Nachbarn«: Neben dem eigenen Grundstück, auf dem die Karben-Flagge weht, blüht Klatschmohn.

Lange Warteliste

Wer in Karben einen Kleingarten pachten möchte, braucht Geduld

Die Enge der eigenen vier Wände, eine Rückbesinnung auf regionales, selbst angebautes Gemüse, Sehnsucht nach ersten Wiedersehen an der frischen Luft: Die Corona-Pandemie hat die Nachfrage nach Kleingärten hochschnellen lassen. Auch in Karben.

Es ist ein kleines Paradies, das sich entlang der Nidda am Ortseingang Okarbens erstreckt. Leuchtend rote Johannisbeeren warten darauf, geerntet zu werden. Die in Reih und Glied gepflanzten Salatköpfe werden ein gesundes Abendessen ergeben. Und an der Blühwiese nebenan erfreuen sich Bienen und Hummeln mindestens so sehr wie die Nachbarn, die vor ihrer Hütte gerade eine Pause von der Gartenarbeit einlegen - leuchten die Blüten doch weit über die Parzellengrenze hinaus in allen Farben. Dass in dieses Paradies gerade allerhand Menschen »einziehen« möchten, ist verständlich.

»Corona hat die Nachfrage nach Kleingärten enorm steigen lassen«, sagt Harald Marcischewski, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Okarben. Gleich 17 Namen stehen auf der Warteliste für ein Stück Land. »Die Leute wollen raus«, weiß Vize-Vorsitzende Sabine Meyer-Fischer auch aus eigener Erfahrung: Ihre Wohnung hat zwar einen Balkon, aber keinen Garten. Für die Interessenten sei das die Hauptmotivation, warum sie während des Lockdown nach einem Kleingarten gesucht haben.

Eine Beobachtung, die auch die städtischen Mitarbeiter machen. »Durch Corona merken viele, wie eng sich die eigenen vier Wände anfühlen können«, sagt Ina Katzer, die hier für die Kleingärten zuständig ist. Mehr als 400 werden durch die Stadt verpachtet, allein in Okarben und Petterweil gibt es keine städtischen Kleingärten. Bewerber müssen aktuell Geduld haben: 68 Interessenten stehen auf der städtischen Warteliste. »Das kann ganz, ganz lange Zeit dauern, bis sich da etwas tut«, sagt Katzer. Denn: Zurückgegeben würden Kleingärten erfahrungsgemäß nur selten - meist aus Alters- oder Krankheitsgründen oder umzugsbedingt. So sind auch in Petterweil alle Parzellen verpachtet.

Kleingartenverein Karben: Nur Grillen ist nicht

Dabei steigt die Nachfrage nicht allein aufgrund des kurzfristigen Drangs nach draußen, den der Lockdown mit sich gebracht hat: Schon vor Corona hat der Kleingarten einen Imagewandel erfahren. »Vor 20 Jahren galt er noch als spießig«, sagt Meyer-Fischer, die ihren eigenen Kleingarten seit 2007 betreibt. »Heute wächst ein neues Bewusstsein für die Selbstversorgung, für Bio-Lebensmittel, für den eigenen Anbau.« Das liege gerade auch bei jungen Familien im Trend.

Traditionell erfahren die Kleingartenvereine dabei weniger Zulauf. Denn das Einbringen ins Vereinsleben ist hier explizit gewünscht. »Viele scheuen das erst einmal«, weiß Katzer von ihren »städtischen« Bewerbern. Thekendienste und Co. sind nicht jedermanns Sache. In Okarben etwa gilt eine »moralische Mindestgrenze« von zehn Arbeitsstunden im Jahr, die zur Not auch bezahlt werden müssen. »Wir schauen, dass die Gemeinschaft gut zusammenpasst«, betont Marcischewski.

Idealerweise bringt sich jeder und jede ins Kleingartenleben ein: Köpfchen für die Kassenführung, Metallverarbeitungsfertigkeiten für einen neuen Zaun, junge Familien mit Kindern, die auf dem Spielplatz spielen und nebenbei lernen, wo Gurken eigentlich wachsen. »Wenn jemand aber nur grillen mag, dann passt das nicht.« Gerade in diesem Frühjahr, wo wegen der abgesagten Feste keine Thekendienste geleistet werden mussten, haben die 54 aktiven Mitglieder des Vereins beispielsweise angepackt, um das Vereinsheim zu verschönern.

Kleingarten  Karben: Keiner riskiert den Platz im Paradies

Und auch für die eigenen Stücke Land gibt es Vorgaben: 60 Prozent der Fläche müssen mit Gemüse und Co. bepflanzt werden, die übrigen 40 Prozent bleiben für eine Hütte, den Grillplatz oder Blumen. »Die Arbeit ist nicht zu unterschätzen.« Auch die kleinsten Stücke - in Okarben sind das 160 Quadratmeter, während andere Parzellen rund 300 Quadratmeter haben - machen Arbeit, betonen die Vorsitzenden unisono. Daher sei umso wichtiger zu prüfen, ob der Bewerber auch wirklich langfristig einen Garten wolle - oder eben nur kurzfristig Gefallen an der Idee finde.

Dass die »Mischung« stimmt und die Gemeinschaft großen Stellenwert hat, habe sich dabei gerade in Krisenzeiten bewiesen, sagt OGV-Chef Marcischewski lobend: So hätten sich die Kleingärtner durchweg an die bestehenden Kontaktbeschränkungen gehalten und keine Grillpartys oder andere Treffen in der vermeintlichen Abgeschiedenheit gefeiert. »Es ist wirklich spitze, wie umsichtig hier mit den Abstandsregeln umgegangen wird«, sagt er. Keine Frage: Den Platz im Paradies will niemand riskieren - sondern lieber in Ruhe und mit ausreichend Abstand beim Plausch über die Parzellengrenze genießen.

Kleingarten Karben: Alle Parzellen belegt

Die Stadt Karben verpachtet derzeit 439 Kleingärten an Karbener Bürger. Die meisten (162) liegen in Klein-Karben und Groß-Karben (113), Burg-Gräfenrode verfügt über 101 Stücke. In Kloppenheim liegen 38 Parzellen, in Rendel 25. Die Kosten für städtische Verpachtungen liegen bei 15 Cent pro Quadratmeter plus 250 Euro Kaution. In den Stadtteilen Petterweil und Okarben hat die Stadt keine Gärten, dort kann man über die Obst- und Gartenbauvereine pachten. Zurzeit sind jedoch sämtliche Parzellen in Karben belegt. jkö

Die Stadt Karben verpachtet derzeit 439 Kleingärten an Karbener Bürger. Die meisten (162) liegen in Klein-Karben und Groß-Karben (113), Burg-Gräfenrode verfügt über 101 Stücke. In Kloppenheim liegen 38 Parzellen, in Rendel 25. Die Kosten für städtische Verpachtungen liegen bei 15 Cent pro Quadratmeter plus 250 Euro Kaution. In den Stadtteilen Petterweil und Okarben hat die Stadt keine Gärten, dort kann man über die Obst- und Gartenbauvereine pachten. Zurzeit sind jedoch sämtliche Parzellen in Karben belegt. 

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