Digitaler Bürgerdialog in Corona-Zeiten: Im Wohnzimmer der Familie Utter informieren Stephan Theiß (v. l.), Tobias Utter und Sebastian Wollny über das Förderprogramm des Landes Hessen. 	FOTOS: PRIVAT/ARCHIV
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Digitaler Bürgerdialog in Corona-Zeiten: Im Wohnzimmer der Familie Utter informieren Stephan Theiß (v. l.), Tobias Utter und Sebastian Wollny über das Förderprogramm des Landes Hessen.

Interessantes Konzept

CDU Karben: Digitale Bürgersprechstunde aus dem Wohnzimmer

  • vonPatrick Eickhoff
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Die Karbener CDU sucht den Dialog mit den Bürgern jetzt digital. Ein Konzept, das auch nach der Krise beibehalten werden soll.

Gaststätten geschlossen, Abstandsregeln, Versammlungsverbot. Das schränkt auch die Arbeit der Politiker ein. Bürgerdialoge finden in diesen Zeiten nicht statt. Die CDU in Karben hat sich deshalb etwas einfallen lassen. »Wir bieten eine Online-Bürgersprechstunde an«, sagt Mario Beck, der Vorsitzende der Karbener Christdemokraten. Die erste Ausgabe habe rund 1600 Aufrufe verzeichnet. »Die Resonanz war sehr positiv. Deshalb war für uns klar, dass es weitergeht.«

Online-Bürgersprechstunde: Erste Ausgabe mit 1600 Aufrufen

In der zweiten digitalen Sprechstunde haben sich Moderator Stephan Theiß und der ehrenamtliche Stadtrat Sebastian Wollny mit Landtagsabgeordnetem Tobias Utter verabredet. Ein Facebook-Livestream soll es werden. »Wir warten noch kurz, bis etwas mehr Leute dabei sind«, sagt Utter kurz nach dem Onlinegehen des Streams. Er sitzt gemeinsam mit Wollny und Theiß in seinem Wohnzimmer. Der Laptop steht auf dem Tisch. Theiß kommt schnell zur Sache. Es soll größtenteils um das Förderprogramm »Weiterführung der Vereins- und Kulturarbeit« gehen.

Denn: Fußballplätze sind nach wie vor gesperrt, Sporthallen sind geschlossen, Feste fallen aus. Was gesundheitspolitisch geboten scheint, stelle die Vereine in Karben vor große Probleme. Es ruht nicht nur der tägliche Betrieb, die Fixkosten laufen weiter, während die Einnahmen fehlen. Utter erläutert, dass das Programm die 41 000 gemeinnützigen Vereine in Hessen unterstütze. Je nach Situation können diese seit dem 1. Mai 2020 bis zu 10 000 Euro finanzielle Unterstützung beantragen, wenn die Existenz eines Vereins durch Corona bedroht sei. »Vereine, die zum Teil gemeinnützig organisiert sind, in anderen Teilen aber auch einen Wirtschaftsbetrieb wie eine Vereinsgastronomie betreiben, können sowohl von den Vereins- als auch von den Wirtschaftshilfen profitieren«, erläutert Utter. Das hessische Programm sei in seiner Form einzigartig. »Das Programm geht bis Ende des Jahres«, sagt Utter. »Die Auswirkungen der Corona-Krise sind jetzt nicht immer spürbar, sondern erst in den kommenden Monaten, dann ist die Hilfe besonders notwendig.«

Auf den Seiten der zuständigen Ministerien - beispielsweise das Sozialministerium für soziale Initiativen oder das Umweltministerium für Naturschutzvereine - ließen sich auch Ansprechpartner finden, die bei der Antragsstellung unterstützen und Fragen beantworten.

CDU Karben: Tobias Utter will Vereinsleben in Karben retten

Sebastian Wollny sitzt zwar neben Utter und Theiß auf der Couch, ist aber in doppelter Funktion dabei. Denn er ist nicht nur Magistratsmitglied, sondern auch Vorsitzender des TV Okarben. Er hofft, dass es für die Vereine bald weitergeht. »Die Stadt hat hohes Interesse daran, dass sehr lebendige Vereinsleben in Karben über die Corona-Zeit hinweg zu retten«, sagt er. »Wir begrüßen daher die Landeshilfen sehr. und hoffen in Einklang mit den Landesvorgaben schrittweise wieder Sportstätten für kleinere Gruppen öffnen zu können.« Utter nährt diese Hoffnung im Anschluss. »Am Donnerstag konferiert die Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten. Ich rechne damit, dass dann sukzessive Öffnungen für Gastronomie, Kinderbetreuung und eben Sportstätten beschlossen werden.« Dies müsse schrittweise erfolgen. Bis Kontaktsportarten im Wettkampfmodus erlaubt würden, müsse Zeit verstreichen.

Die digitale Sprechstunde soll auch »nach Corona«, wie Fraktionsvorsitzender Beck sagt, ein fester Bestandteil der Arbeit bleiben. »Ideen haben wir mehrere, die teilweise auch gebunden sind an eventuelle Beschlüsse der Regierung.« Die Christdemokraten wollen so auch die jüngere Generation kontaktieren. »Man erreicht über die sozialen Netzwerke noch einmal ein ganz anderes Publikum.«

Der Vorsitzende macht noch einen weiteren Vorteil der digitalen Sprechstunde aus. »Wenn wir in eine Gaststätte einladen, dann gibt es das Gespräch nur dort an diesem Abend. Den Stream können sich alle Interessierten auch im Nachhinein ansehen.« Das würden auch die Zahlen zeigen. »Beim letzten Mal sind die Aufrufe in den Tagen danach noch ganz schön angestiegen.« Er rechnet damit, dass auch das Gespräch mit Utter noch an Aufrufen zulegen wird. Gestern waren es rund 300. Beck freut sich dennoch wieder auf die ersten Sprechstunde von Angesicht zu Angesicht. »Das ist einfach nicht ersetzbar.«

Online-Bürgersprechstunde: Hier geht es zum Live-Stream 

Zu finden ist der Chat unter facebook.com/CDUKarben. Dort ist auch die erste digitale Sprechstunde mit Bürgermeister Guido Rahn verfügbar. »Der Stream kann im Nachgang betrachtet werden, auch ohne Facebook-Konto«, informiert Fraktionsvorsitzender Mario Beck. 

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