Zu einem Kinobesuch gehören Snacks, Getränke und Süßigkeiten. Unter Corona-Bedingungen muss es abgepackt sein wie hier diese Nachos, die Melanie Lachner in der Hand hält. Mund-Nase-Schutz gehört für alle Mitarbeiter dazu.
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Zu einem Kinobesuch gehören Snacks, Getränke und Süßigkeiten. Unter Corona-Bedingungen muss es abgepackt sein wie hier diese Nachos, die Melanie Lachner in der Hand hält. Mund-Nase-Schutz gehört für alle Mitarbeiter dazu.

Existenzsorgen

Kino in der Wetterau: „Entweder bessert es sich oder das Kino ist nächstes Jahr weg“

  • vonAnne-Rose Dostalek
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Volle Säle und Stimmengewirr im Foyer, davon kann Kinobetreiberin Melanie Lachner nur träumen. Seit Mitte Mai ist der Cinepark Karben wieder geöffnet. Die Besucherzahlen sind seither gering.

  • In der Corona-Krise kämpfen viele Gewerbetreibende ums wirtschaftliche Überleben.
  • Auch der Cinepark in Karben ist stark von sinkenden Besucherzahlen betroffen.
  • Ob das Kino die Krise überstehen wird, ist ungewiss.

Karben – »Entweder bessert es sich oder das Kino ist nächstes Jahr weg«, sagt Melanie Lachner. Die Menschen hätten Angst vor einer Ansteckung mit dem SARS-CoV-2-Virus, dabei würden die Schutzverordnungen strengstens eingehalten, erklärt die Geschäftsführerin des Karbener Kinos. Regelmäßig kontrolliere das Gesundheitsamt bis hin zur Einsichtnahme in die tagesaktuelle Sitzordnung und der zulässigen maximalen Belegung der Kinosäle. »Die Besucher müssen die ihnen zugeteilten Plätze einnehmen und dürfen erst auf ihrem Platz die Nase-Mund-Maske abnehmen.« Familien und Freunde dürften zusammensitzen. Links und rechts daneben blieben stets drei Sitze frei. Dahinter und davor eine ganze Kinoreihe.

Umfangreiches Hygienekonzept im Karbener Cinepark

Viel Arbeit sei es, nach einer Vorstellung die Sitze zu desinfizieren, ebenso wie das Geländer der Treppe, die hoch ins Foyer vor die beiden Sälen führt. Der Kiosk, wo die Snacks, Süßigkeiten und Getränke verkauft werden, ist mit einer Plexiglas-Scheibe abgeschirmt, auch der Kartenverkauf. Die Klimaanlage in den beiden Kinosälen sorgt für regelmäßige Lufterneuerung: Die verbrauchte Luft wird abgesaugt, frische reingeblasen und vor jeder neuen Vorstellung wird gelüftet, zählt Lachner auf.

Durch getrennte Ein- und Ausgänge wird vermieden, dass es vor und nach den Vorstellungen im Foyer eng wird. Die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus im Kino ist nach Ansicht von Kinobetreiberin Lachner unberechtigt angesichts des umfassenden Hygienekonzeptes.

Trotz Herbstferien: Der Cinepark Karben leidet unter fehlenden Besuchern

Aber die Angst in den Köpfen der Menschen ist da. Selbst in den Herbstferien wurden die täglichen Kinovorstellungen für den neuen Kinderfilm »Jim Knopf und die Wilde 13« nicht voll. Auch die vor Corona nachgefragte Kinoreihe »Filmkunst in Hessen« leidet unter dem massiven Besucherschwund. Als ein weiteres Problem sieht Geschäftsführerin Lachner, dass es keine neuen Filme gibt, keine Blockbuster, die die Menschen zurück ins Kino bringen. »Der neue James Bond ist verschoben und auch die Produktion von Disney-Filmen«, bedauert Lachner. Sie würden derzeit vorwiegend Familienfilme zeigen, aber selbst dann fielen oft Vorstellungen mangels Besucher aus.

Schlechte Aussichten also für die Kinobetreiberfamilie Lachner, die vor 21 Jahren in Karben den Cinepark eröffnet hatte. Anfang dieses Jahres hat Senior Dieter Lachner den Betrieb an seine beiden Töchter Melanie und Stefanie Lachner übergeben. Ihnen zur Seite steht die Mutter Beatrix, die im Kino mitarbeitet.

Betrieb läuft unwirtschaftlich: Nach Schließung im Frühjahr bleiben Kinobesucher fern

Im März musste das Kino wegen des Lockdowns schließen, Mitte Mai wurde wieder geöffnet. Die Kinobesucher sind nicht wiedergekommen, die Filmbranche liefert keine attraktiven Filme, Einnahmen brechen weg, die Kosten bleiben. »Der Betrieb ist derzeit unwirtschaftlich«, erklärt Melanie Lachner. Viele Monate könnten sie das nicht mehr durchhalten. Am Ende stehe dann die Kinoschließung. Förderanträge auf Zuschuss seien bislang vergeblich geschrieben worden, weil sie immer durch das Raster fallen würden.

Eine nicht betriebswirtschaftlich gemeinte Rechnung hat die Familie Lachner aufgemacht, die das Kino in Karben retten würde. »Wenn jeder Karbener bis Ende des Jahres einmal ins Kino gehen würde, dann hätten wir Hoffnung«, sagt Dieter Lachner.

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