Deborah Krieg spricht über aktuellen Antisemitismus.
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Deborah Krieg spricht über aktuellen Antisemitismus.

"Juden werden verunglimpft"

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Karben(pm). Zu einem Filmabend hatte die Initiative Stolpersteine in Karben in das Evangelische Gemeindezentrum nach Groß-Karben eingeladen. Gezeigt wurde "Der Antisemitismus Report", eine Dokumentation des Hessischen Rundfunks. Im Film wurde unter anderem eine jüdische Familie aus Frankfurt interviewt, in der es nicht anders zugeht als in den meisten anderen deutschen Familien. "Wir leben nicht koscher", sagt die Mutter, "wir essen alles, was uns schmeckt." Die drei Kinder berichten, dass sich die Stimmung aber sofort dreht, wenn im Alltag deutlich wird, dass sie Juden sind. Sie wurden auch schon gefragt, ob es stimme, dass Juden keine Steuern zahlten.

Der Sohn der Familie hat inzwischen entschieden, seine Kette mit Davidstern, die er zu seiner Bar Mizwa (was vergleichbar mit der Konfirmation ist) erhalten hat, nicht mehr öffentlich zu tragen.

Ressentiments brechen heraus

Im Anschluss diskutierten die Zuschauerinnen und Zuschauer mit Deborah Krieg, der stellvertretenden Direktorin der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt. "Es wird immer noch unterschätzt, wie tief Antisemitismus in sozialen Strukturen, in Gedanken und Gefühlen in Deutschland verankert ist", sagte sie, "und die Verrohung der politischen Debatte hat inzwischen dazu geführt, dass latente Ressentiments aufbrechen."

Antisemitische Einstellungen im Internet, insbesondere in den sozialen Medien, würden inzwischen immer unverhohlener geäußert. Diskutiert wurden die unterschiedlichen Formen des Antisemitismus, vom Antijudaismus über Leugnung des Holocaust bis zu einer Form des Antisemitismus im Zusammenhang mit dem Staat Israel.

Einige Teilnehmer der Veranstaltung berichteten auch von eigenen antisemitischen Erlebnissen: "Du musst doch Geld haben, denn Du stammst aus einer jüdischen Familie." Hartmut Polzer von der Stolperstein-Initiative erinnerte daran, dass bei aller Kritik an Entscheidungen der israelischen Regierung oftmals Juden allgemein und weltweit verunglimpft würden, obwohl sie keinerlei Einfluss auf israelische Regierungsentscheidungen haben.

"Wenn Antisemitismus erkennbar wird, sollte man nicht schweigen" appellierte Referentin Krieg und zitierte den Baptistenpastor und Bürgerrechtler Martin Luther King: "Am Ende werden wir uns nicht an die Worte unserer Feinde erinnern, sondern an das Schweigen unserer Freunde."

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