Unschöne Hinterlassenschaften vorm Tor des Karbener Recyclinghofs: Säcke mit Altkleidern, Müll und Aussortiertem werden einfach dort abgelagert. 	FOTO: KÖTTER
+
Unschöne Hinterlassenschaften vorm Tor des Karbener Recyclinghofs: Säcke mit Altkleidern, Müll und Aussortiertem werden einfach dort abgelagert. FOTO: KÖTTER

Altkleidersammlung

Jetzt entrümpeln, später spenden

Viele Karbener haben die Zeit des Corona-Shutdowns genutzt, um Kleiderschränke auszusortieren. Die überdurchschnittlich hohe Menge an Spenden bereitet DRK, ASB und Co. mitunter Probleme.

Bücher, die vor einem Glascontainer abgestellt wurden. Säcke, prall gefüllt mit alten Kleider, locker angelehnt an einem Altkleider-Container - dessen metallene Klappe kaum mehr zugeht. Container, die gar mit Absperrband verschlossen sind, weil die Betreiber mit der Abholung gar nicht mehr nachkommen. »Schon seit Wochen sieht man - gerade morgens oder nach dem Wochenende -, dass Menschen ihren Müll, oft Altkleider, einfach vor dem Bauhof deponieren«, beobachtet ein Anwohner im Karbener Gewerbegebiet.

DRK sammelt in 100 Containern

Es ist ein trauriges Bild - aber eines, das sich in diesen Wochen an vielen Stellen bietet. Knapp 100 Container des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) stehen in der Wetterau, hinzukommen eigenen Angaben zufolge »vergleichsweise wenige« des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) sowie Dutzende privater Altkleiderfirmen. Was sie in diesen Tagen eint: Die Probleme, die die Corona-Epidemie mit sich gebracht habe.

Denn: Statt Frühjahrs-Schnäppchen zu shoppen blieb in den vergangenen Wochen viel Zeit, um in Kleiderschränken oder Kellerräumen auszumisten, um ungeliebte oder kaum getragene Teile auszusortieren und Platz für Neues zu schaffen. »In den vergangenen Wochen konnte beim DRK eine deutlich steigende Spendenbereitschaft vonseiten der Bevölkerung festgestellt werden«, heißt es.

Eigentlich eine gute Sache. Doch derzeit findet sich für diese guten Sachen kein Abnehmer: Die Corona-Krise und die damit einhergehenden Einschränkungen haben auch die gemeinnützigen Sammelorganisationen von Alt-Textilien lahmgelegt.

»Die Gründe dafür liegen zum einen an der Überlastung der Altkleiderfahrer und zum anderen an den Verwerterfirmen«, erklärt das DRK. »Denn auch diese haben nur begrenzte Lagerkapazitäten.«

Das bestätigt auch eine Sprecherin der Dienstleistungsfirma, die die ASB-Container aufstellt und leert. Diese seien zuletzt an vielen Aufstellorten sogar mit Absperrbändern gänzlich verschlossen gewesen, erklärt die Mitarbeiterin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Denn: »Die Lager sind bis unters Dach voll«, und weil es an Lagerflächen fehle, könne man die Spenden nicht abholen.

Läden bieten mehr als Kleidung

Gleichzeitig waren andere Möglichkeiten des Kleiderspendens weggefallen. Die DRK-Läden im Wetteraukreis etwa mussten - wie andere Geschäfte auch - geschlossen bleiben, haben mittlerweile aber wieder geöffnet (siehe Kasten). Hier finden nicht nur ausrangierte Kleider, sondern beispielsweise auch Bücher oder Deko-Porzellan, wie es in diesen Tagen häufig an Glascontainern abgestellt wird, neue Besitzer.

»Secondhand-Läden sind geschlossen und der Markt für Alt-Textilien ist zusammengebrochen«, fasst Thomas Ahlmann, Geschäftsführer des Dachverbands FairWertung, dem Zusammenschluss gemeinnütziger Altkleidersammler in Deutschland, die missliche Lage zusammen. Zudem seien die traditionelle von März bis Mai geplanten Frühjahrs-Straßensammlungen fast durchgehend abgesagt worden.

Unterdessen hat das Virus auch den internationalen Altkleidermarkt ordentlich auf den Kopf gestellt. Der Absatzmarkt sinke »drastisch« und die Erlöse, welche bereits innerhalb der vergangenen Jahre stetig gesunken seien, befinde sich im »Sinkflug«. Ein großes Problem für das DRK, erklärt Vorstandsvorsitzender Klaus Apel: »Die Altkleider-Erlöse fließen in die Ausbildung und Materialausstattung unseres Ehrenamtes.«

Umso wichtiger ist es nun, dass Spendenwillige mithelfen, appelliert das DRK. »Nutzt die Zeit zum Aussortieren, aber wartet mit der Spendenabgabe bis auf die Zeit nach Corona«, bittet DRK-Kreis-Chef Apel. Aussortiert werden soll durchaus weiter, »dabei aber die Kleiderspende auf mehrere Fuhren aufteilen und oder bis nach der Krise warten und die Kleidung vorerst im Keller oder auf dem Dachboden verstauen«. In den Kleiderläden etwa ist die Abgabe zunächst auf einen Sack begrenzt. In keinem Fall sollten Spendenwillige aus Ungeduld Säcke vor den Läden oder Recyclinghöfen abstellen.

Geänderte Öffnungszeiten

Die DRK-Kleiderläden sind ab sofort wieder geöffnet - wegen der Corona-Epidemie jedoch zu veränderten Öffnungszeiten. Der Laden in Butzbach ist montags, dienstags, donnerstags und freitags jeweils von 9 bis 15 Uhr geöffnet, samstags von 9 bis 13 Uhr. In Friedberg kann Dienstag und Donnerstag von 11 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 11 bis 16 Uhr geshoppt werden. Reichelsheim ist montags und donnerstags von 11 bis 18 Uhr, Karben montags, mittwochs und freitags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. In den Läden müssen Mund-Nasen-Schutzmasken getragen werden; die Abgabe von Kleidung ist aktuell auf maximal einen Sack pro Anlieferung begrenzt. Diese sollte gut erhalten und tragbar sein.

Wegen der Corona-Regeln geschlossen bleibt allerdings der Kleiderldaden, den der DRK-Ortsverein Bad Vilbel an der Landgrabenstraße betreibt. jkö

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare