Schulkinder können von der älteren Generation viel in Sachen Verkehrssicherheit lernen. In Karben ist diese Situation einer Polizeistreife verdächtig vorgekommen. Die Situation hat aber schnell aufgelöst werden können.
+
Schulkinder können von der älteren Generation viel in Sachen Verkehrssicherheit lernen. In Karben ist diese Situation einer Polizeistreife verdächtig vorgekommen. Die Situation hat aber schnell aufgelöst werden können.

Nur sicheren Schulweg geübt

Irrtum in Karben: Polizei verdächtigt Großvater, seiner Enkelin nachzustellen

  • vonJürgen Schenk
    schließen

Ein Großvater übt den sicheren Schulweg mit seiner Enkelin. Dabei gerät er ins Visier der Polizei, die ihn verdächtigt, dem jungen Mädchen nachzustellen. Doch alles kann schnell aufgeklärt werden.

Eigentlich war es eine Szene, wie man sie aus dem Alltag kennt: Ein kleines Mädchen steht an einer Fußgängerampel und wartet auf das Signal zum Überqueren der Straße. Der Schulranzen auf dem Rücken zeigt deutlich, wohin die Reise morgens kurz vor halb neun gehen soll. Die zahlreichen Verkehrsteilnehmer an der Gehspitz-Kreuzung in Karben nehmen das Mädchen vermutlich nur beiläufig wahr. Sie bemerken auch kaum den älteren Mann, der ebenfalls an der roten Ampel wartet. Als es grün wird, läuft das Schulkind mit zügigen Schritten über die Straße, nachdem es vorher mustergültig nach rechts und links geschaut hat.

Der Mann bleibt noch einen Moment stehen und folgt dann in den letzten Sekunden der Grünphase. Sein Abstand beträgt einige Meter. Er lässt die Kleine nicht aus den Augen, scheint regelrecht auf sie fixiert zu sein. Beide laufen in die Straße Am Breul, in Richtung des Feuerwehrstützpunktes Karben-Mitte. Spätestens jetzt muss jeder aufmerksame Beobachter misstrauisch werden. Der Mann scheint das Kind offensichtlich zu verfolgen. Führt er etwa etwas im Schilde?

Irrtum in Karben: Schutzmann ist aufmerksam

Der Zufall hat es mit sich gebracht, dass zur gleichen Zeit eine Polizeistreife an der roten Kreuzungsampel hielt. Der Beamte, ein Schutzmann von der Polizeistation am Bahnhof, war auf dem Weg nach Klein-Karben. Ohne lange zu zögern, entschied er sich für eine Kontrolle. Als Ortskundiger umfuhr er das Wohngebiet über die Goethestraße und kam der Schülerin wenig später aus der anderen Richtung entgegen. Etwa in der Höhe eines Garagenhofes hielt er an. Der Beamte stellte nur eine Frage: Ob der ältere Herr ihr Opa sei, wollte er wissen. Luisa (Name geändert) konnte dies bestätigen. Nach dieser Aussage sprangen alle Warnampeln abrupt von Gelb zurück auf Grün. Besser hätte die Sache nicht ausgehen können.

Kurz darauf unterhielt sich auch der jetzt »enttarnte« Opa mit dem Beamten. Er hörte dessen Situationswahrnehmung an und empfand sie als absolut nachvollziehbar und vorausschauend: Es habe eher nach einem Weglaufen des Kindes ausgesehen, aber nicht so, wie üblicherweise Opa und Enkelin eine Straße gemeinsam überqueren. Ohne Verärgerung bedankte sich der Mann bei dem Stadtpolizisten für seine Umsicht, durch die eine vermeintlich brenzlige Situation entschärft werden konnte. In der Folge schrieb der ältere Herr sogar einen Dankesbrief an die zuständige Polizeidienststelle. Etwa zwei Wochen später informiert er an Ort und Stelle über den Hintergrund des Geschehens. Seine siebenjährige Enkelin samt Schulranzen hat er gleich mitgebracht.

Großvater in Karben verdächtigt: Alles ins rechte Licht gerückt

Alles ist für eine kleine Ortsbegehung vorbereitet. Natürlich habe der Polizist den wahren Grund der Aktion überhaupt nicht wissen können, erzählt der Mann zuvor. »Corona bedingt mussten in unserer Familie die Abläufe etwas umgestellt werden. Seit einiger Zeit begleite ich meine Enkelin auf ihrem Schulweg. Dabei möchte ich ihr beibringen, wie sie ihn sicher und selbstständig bewältigen kann. Es handelte sich also an dem besagten Tag nur um ein Training. Sie sollte die Ampelanlage allein überqueren, während ich ihr mit Abstand, aber noch in Rufweite, folgte.«

Es habe ihm auch nichts ausgemacht, dass er als »verdächtig« eingestuft worden sei. Nachher habe ja alles wieder ins rechte Licht gerückt werden können, sagt der Rentner. Und für die Polizei hinterlässt er noch eine Extra-Nachricht: »Durch meine Freude und Reaktion sollen die Polizistinnen und Polizisten auch einmal sehen, dass ihre Arbeit wertgeschätzt wird.« Für Luisa dürfte das alles ziemlich aufregend gewesen sein. Doch sie nimmt das locker. Von einem Polizeiauto angehalten zu werden - das sei doch gar nicht so besonders, meint sie.

Das Strahlen in ihren Augen verrät aber auch noch andere Gedanken. Schließlich passiert das einer Siebenjährigen auch nicht alle Tage. Mit ihrem Opa bildet die Kleine ein gutes Team. Als es noch ging, besuchten sie oft das nahe gelegene Hallenfreizeitbad.

Irrtum in Karben: Einüben des Schulwegs sinnvoll

Alle Verkehrsteilnehmer sollten bei Kindern besondere Vorsicht walten lassen. Folgende Regeln haben Eltern erarbeitet und festgelegt: Nicht der kürzeste Weg zur Schule ist auch der sicherste. Deshalb sollte man das Kind etwas früher losschicken. Wenn es sich sputen muss, könnte es unaufmerksamer werden. Das Aufzeigen von Gefahrenstellen unterwegs ist ein Mittel zur Sinnesschärfung.

Tatsächlich sollte der Schulweg von Anfang an regelrecht eingeübt werden. In der dunklen Jahreszeit sind Reflektoren an Kleidung, Schulranzen und Rucksäcken unerlässlich. Und grundsätzlich gilt: Kinder müssen wissen, dass sie niemals mit Fremden mitgehen oder in deren Fahrzeug einsteigen dürfen. Geschäfte in der Nähe sind im Notfall gute Fluchtmöglichkeiten. Auch ein Handy zum Telefonieren ist sinnvoll. jsl

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare