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Alte und neue Projekte: Die großen Buchstaben sind im vergangenen Jahr entstanden. Dieses Jahr hat sich die Gruppe um die Betreuer Martin Sammt (links) und Jan Hartmann (sitzend) Hochbeeten gewidmet.

Mit Hammer und Säge

Wetteraukreis: Die Jugend fürs Handwerk begeistern

  • VonJürgen Schenk
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Es wird gehämmert und gesägt: Zehn Kinder in der Wetterau nutzen ein kostenloses Angebot, um in das Handwerk hineinzuschnuppern.

Karben – Unter fachmännischer Anleitung lernen die Jungen und Mädchen im JuKuz, wie man mit Hammer, Säge und anderen Werkzeugen umgeht. Die Kombination aus Kreativität und Spaß scheint gut anzukommen. Interessante und teilweise kuriose »Produkte« konnten seit Mitte Juni in der Gemeinschaft hergestellt werden. Darunter befinden sich selbst getöpferte Gegenstände und zwei Paar Holz-Ski für jeweils drei Personen, auf denen man sich nur im Team fortbewegen kann. Ungefähr zwei Stunden hätten sie zur Herstellung der Ski gebraucht, erzählen die Kinder. Einige von ihnen waren schon im Vorjahr dabei, als die hölzernen Jukuz-Buchstaben entstanden.

Dieses Objekt, das seine Ähnlichkeit mit dem Hollywoodzeichen in den Hügeln über Los Angeles nicht verhehlen kann, steht auf der großen Wiese des Jugendkulturzentrums. Direkt daneben arbeiten die Kinder jetzt an einem Hochbeet aus Paletten.

Handwerkskurs in der Wetterau ist kostenlos für die Jugendlichen

Pädagoge Jan Hartmann von »Mein Kunstgarten« und Martin Sammt als Unterstützer können ihrer kreativen Ader freien Lauf lassen. Das JuKuZ-Gelände bietet dazu beste Voraussetzungen. Materialien zum Bauen beschaffen die Organisatoren, Essen und Trinken für die Kinder bezahlt die Tafel. Für alle ist die Teilnahme kostenlos. »Damit es nicht am Geld scheitert«, wie Jan Hartmann anmerkt. Der 44-jährige Betreuer weiß, dass die finanziellen Probleme in vielen Familien nicht unerheblich sind. »An dem Projekt nehmen fast ausschließlich Kinder aus sozial benachteiligten Familien teil, oft welche eines allein erziehenden Elternteils oder von Tafelkunden. Wir kriegen immer die Richtigen, aber natürlich dürfen auch reiche Kinder bei uns mitmachen«, sagt er mit einem Augenzwinkern.

»Kultur macht stark« ist ein Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, das benachteiligte Jugendliche in den Bereichen Kunst und Kultur fördern will. Das Angebot existiert seit etwa acht Jahren bundesweit. Regional setzt sich das JuKuZ Karben, zusammen mit anderen Verbänden, für die jährliche Durchführung ein.

Wetterau: Kinder bauen Hochbeet im Handwerkskurs

Aktuell sind die Kinder tüchtig mit dem Zusammennageln von Paletten und dem Ausbau des Hochbeetes beschäftigt. Allerlei Gemüsesorten sollen später einen Platz darin finden. Während manche noch ein bisschen auf einer Bank Pause machen, greifen Pauline und Phoom zum Werkzeug und legen los. Und als Beobachter staunt man nicht schlecht: Die beiden schaffen es, die 3,4 Zentimeter langen Nägel ins Holz zu schlagen, ohne dass einer krumm wird. Die wenigen Fehlschläge treffen zum Glück nicht die Finger, sondern gehen daneben. Sie hätte das noch nicht so oft gemacht, sagt Pauline. Man möchte es ihr fast nicht glauben. Auch Emilia, Luisa, Annika, Melina, Celine und Philip kommen noch mit dem Hämmern an die Reihe. Auf diese Form der Arbeitsteilung legen die beiden Betreuer wert. »Falls es mal eine Sache gibt, die nicht so gut ankommt, haben wir immer ein alternatives Programm parat«, teilt Hartmann mit. »Alles, was die Kinder hier machen, ist grundsätzlich freiwillig und bleibt ohne Bewertung.«

Weitere Angebote für Jugendliche in der Wetterau: Schiffsbau aus Müll

Martin Sammt hilft bei der Herstellung des Hochbeets.

In den Ferien steht eine Fahrt in die Jugendherberge nach Oberreifenberg an. Im JuKuZ wird es zwei Veranstaltungen geben: Unter dem Motto »Titanic 2.0« sollen die Kinder versuchen, aus Müll schwimmfähige Boote zu bauen. Außerdem findet eine Zeitreise ins antike Ägypten statt. Und dann gibt es manchmal auch zusätzliche Attraktionen. Eine davon ist zum Beispiel der Besuch des Vornamenkundigen Uwe Flemke. Er kennt die Herkunft und Bedeutung von mehreren Tausend Vornamen und kann eine Vielzahl davon aus dem Stehgreif erklären. Kein Wunder also, dass sich im Nu eine »Kindertraube« um ihn bildet, die nach immer neuen Namen fragt. »Das kann schnell zur Sucht werden«, weiß der im Norddeutschen geborene Schausteller.

Auf der Webseite www.meinkunstgarten.de kann ein Anmeldeformular für vier Veranstaltungen in den Sommerferien heruntergeladen werden. Sie dauern jeweils eine Ferienwoche und können bei Interesse auch einzeln gebucht werden. Das ausgefüllte Formular geht dann an info@daniela-herbst.de oder per SMS an eine auf der Homepage genannte Mobilfunknummer. (jsl)

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