Mehrere Hundert Mitarbeiter des Conti-Werkes haben sich auf dem Werksgelände versammelt. Sie erfahren von Rednern der IG Metall und dem Betriebsrat von der vom Konzern geplanten Schließung der Produktion bis 2023. 
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Mehrere Hundert Mitarbeiter des Conti-Werkes haben sich auf dem Werksgelände versammelt. Sie erfahren von Rednern der IG Metall und dem Betriebsrat von der vom Konzern geplanten Schließung der Produktion bis 2023. 

Conti-Werk schließt

Continental-Werk wird geschlossen: Tränen und Empörung bei Kundgebung in Karben

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Bis zum Jahr 2023 will der Continental-Konzern die Produktion im Karbener Werk einstellen. Über das geplante Aus zeigten sich am Mittwoch mehrere Hundert Mitarbeiter auf dem Werkgelände bei einer Betriebsversammlung der IG Metall empört. Sie kündigten Protestaktionen an.

Update, 02.09.20, 18.04 Uhr: Am Mittwochnachmittag fand auf dem Firmengelände von Conti eine Kundgebung gegen die geplante Stilllegung des Unternehmens statt, an der mehrere Hundert Beschäftigte teilnahmen. Viele äußerten ihre Empörung und ihr Unverständnis über diese Entscheidung. Betriebsratsvorsitzender Frank Grommeck sagte, offenbar habe der Konzern kein Interesse mehr daran, die deutschen Werke aufrecht zu erhalten. »Conti will wohl schnell viele Mitarbeiter abbauen.« Empört seien vor allem viele, weil seit 2006 durch Lohn- und Gehaltsverzicht an den deutschen Standorten viel Geld eingespart worden sei, dann aber in Litauen und Tschechien neue Werke aufgebaut worden seien. »Mit unserem Geld sind die Werke dort aufgebaut worden.« Bekanntlich sind in den beiden Ländern die Lohnkosten deutlich geringer als in Deutschland.

Laut Gewerkschaft sind von der geplanten Werksschließung in Karben vor allem Frauen und ältere Arbeitnehmer betroffen. Sowohl am Mikrofon bei der Kundgebung als auch gegenüber den Medien vergoss eine langjährige Mitarbeiterin bittere Tränen. Ein Auszubildender meinte, Conti habe zum 1. September noch neue Azubis eingestellt. »Die haben an ihrem ersten Arbeitstag erfahren, dass das Werk stillgelegt werden soll.«

Hunderte haben sich wegen der geplanten Stilllegung des Conti-Werks in Karben versammelt und ihre Empörung und ihr Unverständnis geäußert.

Conti-Werk in Karben: Über 1000 Menschen könnten arbeitslos werden

Erstmeldung, 02.09.20, 10.39 Uhr: Schock für die Mitarbeiter des Karbener Conti-Werkes. Die Konzernleitung hat laut IG Metall angekündigt, die Produktion bis zum Jahr 2023 einzustellen. Die restlichen Teile des Karbener Werkes sollen 2024 verlagert werden. Über 1000 Menschen, viele davon aus der Region Wetterau, droht die Arbeitslosigkeit.

Bundesweit will der Autozulieferer 13 000 Stellen abbauen, im Herbst vergangenen Jahres hatte er noch die Zahl von 7000 genannt. Das Unternehmen hat aufgrund der Absatzflaute infolge der Corona-Pandemie den Sparkurs aber verschärft. Am großen Standort des Unternehmens in der Karbener Max-Planck-Straße soll laut IG-Metall die gesamte Produktion stillgelegt werden. Davon wäre der größte Teil der aktuell 1080 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Laut IG Metall sind rund 800 Mitarbeiter festangestellt, weitere 200 sind Leiharbeiter. Der größte Teil arbeitet in der Fertigung von Elektronik-Bauteilen für die Bordcomputer in den Fahrzeugen.

Conti-Werk: „Schwerer Schlag" für Karben

Schon im vergangenen Jahr hatte Conti angekündigt, alles auf den Prüfstand stellen zu wollen. Laut Unternehmenssprecherin Nicole Göttlicher befindet sich die Automobilbranche in einem beispiellosen Strukturwandel. »Hinzukommt, dass bereits seit 2018 immer weniger Fahrzeuge weltweit produziert werden.« Im September 2019 habe der Conti-Konzern das Strukturprogramm »Transformation 2019 - 2029« bekannt gegeben. Es ziele auf die Sicherung der Zukunftsfähigkeit und die nachhaltige Stärkung der weltweiten Wettbewerbsfähigkeit. Die Coronavirus-Pandemie habe die Rückgänge der Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen verschärft.

»Wir justieren unsere übergreifende Kostenstruktur jetzt neu, denn unser jetziges Kostengefüge passt nicht zur weltweit geringeren Produktion von Fahrzeugen«, sagt die für Personal zuständige Sprecherin des Unternehmens.

Karbens Bürgermeister Guido Rahn (CDU) bezeichnet die Nachrichten von Conti als »schweren Schlag«. Es gelte erst einmal, soweit möglich, den Erhalt von Arbeitsplätzen zu erreichen. Wenn dies nicht möglich sei, müsse die Stadt mit Conti die Nachnutzung des Geländes sicherstellen. Immerhin seien das mehr als zwölf Hektar Gewerbeflächen inklusive der Gebäude.

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