Tierliebhaberinnen unter sich. Von links: Silke Welt mit Nöli, Kim Becker mit Emma und Lonny Reimer mit Mila. Sie engagieren sich im Verein "Heimatlose Hunde", der Hunde aus drei spanischen Tierheimen an neue Besitzer vermittelt. 	FOTO: GEORGIA LORI
+
Tierliebhaberinnen unter sich. Von links: Silke Welt mit Nöli, Kim Becker mit Emma und Lonny Reimer mit Mila. Sie engagieren sich im Verein »Heimatlose Hunde«, der Hunde aus drei spanischen Tierheimen an neue Besitzer vermittelt. FOTO: GEORGIA LORI

Tierschutzverein

Karben: Hund kein „Amazon-Produkt“ - Verein „Heimatlose Hunde“ vermittelt Tiere aus Spanien

  • vonGeorgia Lori
    schließen

Seit September 2015 gibt es in Karben den Tierschutzverein »Heimatlose Hunde«. Schwerpunkt ist das Vermitteln von älteren und bedürftigen Hunden aus Spanien.

Was verbindet Spanien und Karben? Hunde. In wenigen Wochen kommt wieder ein älterer Schäferhund von der Iberischen Halbinsel bei Kim Becker an. Sie und ihre Kollegen vom Verein »Heimatlose Hunde« suchen immer wieder Gnadenplätze für ältere Hunde und vermitteln Handicap-Hunde. »Mit Susanne Steinmann aus Ortenberg, die damals für eine Tierschutzorganisation arbeitete, fuhr ich vor acht Jahren nach Spanien. Ich war entsetzt was ich im Tierheim in Figueres gesehen habe«, erzählt Vorsitzende Kim Becker.

„Heimatlose Hunde“ Karben: Zwei Kooperationen mit spanischem Tierheim

Die Tiere hätten in ihren Fäkalien gelegen und unter unbehandelten Bisswunden gelitten. Sie habe Mitleid mit diesen Tieren gehabt und wollte sie nicht aufgeben. Mit einer neuen Leitung des Tierheims vor fünf Jahren hätten sich viele Dinge zum Positiven gewendet. Der Verein »Heimatlose Hunde« hat mittlerweile zwei weitere Kooperationen mit einem Tierheim bei Barcelona und einem Tierheim bei Girona.

Bei Lonny Reimer finden die Patienten aus Spanien immer wieder ein neues Zuhause. Sie ist eine der Helferinnen in der Not des Vereins. Vor zwei Jahren nahm sie Beethoven bei sich auf. Einen etwa 14 Jahre alten tauben Schäferhund. Er lebte zuvor im Tierheim bei Girona. »Beethoven schenkte mir sehr viel Dankbarkeit und Liebe und war noch zehneinhalb Monate am Leben«, sagt Reimer.

„Heimatlose Hunde“: Vermittlung der Tiere an Hundefreunde aus ganz Deutschland

Becker reist normalerweise mehrmals im Jahr nach Spanien, um sich Mischlinge, Jagdhunde und Schäferhunde anzusehen. Dieses Jahr fiel ihr Besuch aus.

Zur Vermittlung werden die Hunde auf der Homepage des Vereins und Vermittlungsplattformen im Internet vorgestellt. Daraufhin melden sich Hundefreunde, oft aus ganz Deutschland. Kommen die Tiere aus Spanien hier an, geht’s in eine Pflegestelle. »Von dort aus werden die neuen Familien gefunden«, sagt Silke Welt, die im Verein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Einige Hunde aus Spanien reisen auch direkt zu ihren neuen Familien. »Wir besuchen die Leute zu Hause. Ein Tier ist kein Amazon-Produkt. Es ist ein Lebewesen, deshalb ist das genaue Hinsehen bei der Vermittlung wichtig«, sagt Becker.

„Heimatlose Hunde“-Vorsitzende: Hunde-Adoptions-Boom in Corona-Pandemie

Dennoch komme es manchmal zu Missverständnissen, wie bei einem blinden Langhaarcollie, der nach drei Wochen sein Frauchen gebissen hat. »Seit Beginn der Pandemie herrscht ein regelrechter Hunde-Adoptions-Boom in Deutschland und in Spanien«, sagt Becker. Die Leute hätten bedingt durch Home-Office sehr viel Zeit und legten sich ein Haustier zu. Seit Beginn der Krise sei aber auch die Aufnahme neuer Tiere in Spanien deutlich zurückgegangen. »Aktuell sind in den drei spanischen Kooperationstierheimen 90 Prozent der Tiere Kampfhunde sind, deren Einfuhr nach Deutschland verboten ist«, sagt Becker.

35 bis 40 Hunde werden in normalen Jahren vermittelt, bisher waren es in diesem Jahr 14 Hunde. Die Tiere reisen mit dem Tierschutztransporteur Tripsfordogs. Für die Ausreise gesetzlich vorgeschrieben sind gültige Impfungen, Kastration und ein EU-Pass.

„Heimatlose Hunde“: Transport von einem Hund aus Spanien kostet 300 Euro

Während des ersten Lockdowns konnten keine Hunde ausreisen. Erst im August konnte Becker wieder zwei Hunde in Pflege nehmen. Für die Ausreise eines Hundes aus Spanien zahlt der Verein etwa 300 Euro. Im Preis enthalten sind Impfungen, Kastration, das Chippen für die Registrierung und der Transport. Für die Zukunft überlegt Becker ein weiteres Tierheim bei Barcelona für die Vermittlung aufzunehmen.

Im Vorstand von »Heimatlose Hunde« wirken der Vereins-Hundetrainer und zweite Vorsitzende Toni Asquino sowie Kassenwartin Sarah Umbach mit.

„Heimatlose Hunde“ Karben: Pflegestellen gesucht

Dem Tierschutzverein gehören etwa 30 Mitglieder an. »Heimatlose Hunde« finanziert sich ausschließlich über Spenden und in Notfällen durch Unterstützung eines wohlwollenden Sponsors. Zu den weiteren Einnahmen zählen Vermittlungsgebühren und 20 Euro Beitrag pro Mitglied im Jahr. Aktuell sucht der Verein Pflegestellen im Umkreis von 50 Kilometern, wie im Wetteraukreis und im Rhein-Main-Gebiet. Derzeit stehen sechs Pflegestellen zur Verfügung. Spenden nimmt der Verein gern an. Das Spendenkonto lautet: Heimatlose Hunde e.V., IBAN: DE36 5185 0079 0027 1375 98, Sparkasse Oberhessen. (geo)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare