Mehr Verkehr befürchtet

Hotel am Bad Vilbeler Kurpark: Parkplätze als Knackpunkt

  • Holger Pegelow
    VonHolger Pegelow
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Alle Stadtverordneten befürworten den Bau einer neuen Stadthalle. Am gleichfalls avisierten Hotelneubau scheiden sich die Geister. Wenn im Westen des Bad Vilbeler Kurparks erst mal neue Bauten stehen, befürchten viele Bürger aber vor allem eines: mehr Verkehr.

Noch stehen die alten, aus Sicht der Experten aber ökologisch wertlosen Bäume im westlichen Kurpark zwischen Hallenbad und Kasseler Straße. Warum, das erfuhren die Mitglieder des Planungs-, Bau- und Umweltausschusses auf ihrer jüngsten Sitzung. Der beauftragte Grünplaner Martin Schäfer von »Naturprofil« sagte, die Bäume seien noch nicht gefällt worden, weil der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan noch ausstehe. Er informierte darüber, dass alle Bäume inspiziert worden seien. Die dortigen Höhlen seien »alle unbesetzt gewesen«. Man habe sie daraufhin »unbrauchbar gemacht«. Zudem habe man fünf Fledermausnistkästen an anderen Bäumen im Kurpark in der Nähe aufgehängt.

Verkehrsbelastung bewegt die Gemüter

Das Thema Baumfällung war somit schnell abgehakt in der Sitzung. Vielmehr geht der Blick auf ein anderes, gerade in Bad Vilbel, sensibles Thema: die Verkehrsbelastung. Die SPD-Stadtverordnete Lucia Andre erinnerte an die Verkehrsprognosen, die auf veralteten Zählungen vom Februar 2012 basieren. Auch die Frage, wie viele Stellplätze eine so große Halle mit 1100 Sitzplätzen, ein für Veranstaltungen wiederbelebtes Kurhaus und das zu bauende 190-Zimmer-Hotel benötigen, bewegte die Gemüter. Ein Bewohner der Parkstraße hatte den Ausschussmitgliedern wie in der Woche zuvor den Mitgliedern des Ortsbeirats Kernstadt seine eigene Rechnung aufgemacht. Derzufolge fehlen 295 Parkplätze.

Kasseler Straße »beobachtet«

Erster Stadtrat Sebastian Wysocki antwortete dazu, der Stellplatzbedarf werde normalerweise nach der gültigen Stellplatzsatzung ermittelt. Allerdings habe man in diese Satzung den Paragrafen aufgenommen, dass ein Bebauungsplan Vorrang vor der Stellplatzsatzung habe. Statt der laut Satzung errechneten Zahl von 200 Stellplätzen gehe die Planung sogar von 371 Plätzen aus. Das Verkehrsplanungsbüro IMB habe sogar 400 Parkplätze als Grundlage genommen. Es würden also nicht weniger, sondern sogar mehr Parkplätze geschaffen, als nach der städtischen Satzung vorgeschrieben wären.

Stadtrat Klaus Minkel gab zu bedenken, dass »nicht alle Nutzer immer zur selben Zeit da sind«. Zudem gebe es auf der anderen Niddaseite ein »erhebliches Parkplatzangebot«. Aktuell sei der City-Parkplatz »in Randzeiten schlecht genutzt«.

Vilbus auch zu Abend- und Nachtzeiten?

Für die CDU sagte Andreas Cleve, die neue Halle werde »sehr gut an den ÖPNV angebunden sein«. Der 30er Bus von und nach Frankfurt fahre dort, die S-Bahn halte am Südbahnhof, von wo aus die Stadthalle gut zu erreichen sei. »Und bei Unternehmensveranstaltungen kommen viele sowieso mit firmeneigenen Bussen.« Cleve stellte zudem in Aussicht, wenn sich die Stadt weiter so entwickele, könne man den Vilbus auch zu Abend- und Nachtzeiten fahren lassen. »Andere große Hallen im Rhein-Main-Gebiet haben weniger bis gar keine Parkplätze«, sagte der CDU-Politiker, der hier vor allem die Hugenottenhalle in Neu-Isenburg nannte.

Bei Unternehmensveranstaltungen kommen viele sowieso mit firmeneigenen Bussen

Andreas Cleve

Der mit dem Verkehrsgutachten beauftragte Planer von IMB-Plan, Karsten Ott, verteidigte die Berechnungen. Es wäre gar nicht so einfach, aktuelle Verkehrsdaten zu erheben wegen der vielen Baustellen in der Stadt. 2012 sei dies kein größeres Problem gewesen. Danach habe es »Querschnittsmessungen« gegeben, in der Kasseler Straße sei vor der Zählung von 2012 schon gezählt worden, »und später wurde das Verkehrsaufkommen beobachtet«. Zudem habe man für die Prognosen noch auf den Generalverkehrsplan abgehoben.

Stadt will andere Mobilitätsformen stärken

Stadtrat Wysocki ergänzte, während der kritisierten Zählung von 2012 seien »alle Fahrbeziehungen offen gewesen«. Denn als die neue Mitte gebaut worden sei, sei es zu keiner Straßensperrung gekommen. »Die Straßen waren also immer zählfähig.« Zudem gab er zu bedenken, dass Frankfurt bei neuen Bauten »zum Teil die Schaffung von Stellplätzen untersagt«. Damit wolle die Stadt »andere Mobilitätsformen stärken«.

Das war genau das Stichwort für den letzten Punkt: die an Stadthalle und Kurhaus geplanten Fahrradabstellplätze. Laut Wysocki sollen über 100 Stellplätze oberirdisch angelegt werden, aber nicht, wie gefordert, in der Tiefgarage. »Die vielen Fahrradparkplätze sind gut für die ganze Stadt.«

Info

Große Mehrheit für den B-Plan

Zwar gab es zahlreiche Einwendungen, die von der Stadt zurückgewiesen wurden. Aber dennoch passierte der Bebauungsplan »Kurpark West« den Ausschuss. Für die Stadtverordnetenversammlung am kommenden Dienstag, 13. März, um 18 Uhr im Kulturforum Dortelweil, gibt es die Empfelhung des Planungs-, Bau- und Umweltausschusses zur Zustimmung. Es gab eine Enthaltung der SPD, die beiden Grünen sagten Nein, der Rest des Ausschusses Ja. Damit kann der B-Plan in Kürze amtlich veröffentlicht werden. (pe)

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