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Hohe Haftstrafe für Schraubendreher-Angriff

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Karben/Frankfurt (aho/lhe). Wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit einer falschen Verdächtigung wurde vor der Schwurgerichtskammer des Frankfurter Landgerichts ein bislang in Bad Vilbel lebender 41-jähriger Mann zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Der Vorsitzende Richter erklärte, dass sich die Kammer eher in der Mitte des möglichen Strafrahmens bewegt habe. Damit ging am Donnerstag der »Schraubenzieherprozess« am dritten Verhandlungstag zu Ende.

Am 3. August 2007 war der Verurteilte in der »Escudo-Bar« gewesen und hatte dort mit einem in Karben lebenden Mann gestritten und Drohungen gegen diesen und seinen bei diesem wohnenden früheren Chef ausgestoßen. Später hatte er sich nach Karben fahren lassen, war seinem ehemaligen Vorgesetzten vor dem Haus begegnet und hatte diesen durch insgesamt 13 Stiche mit einem Schraubendreher an Kopf und Oberkörper lebensgefährlich verletzt.

Als er von einem Nachbarn aus dem Fenster angerufen worden war, war der Verurteilte gegangen und hatte bei der Polizei auch noch Anzeige gegen beide Männer erstattet: Der eine sollte ihn festgehalten und der andere mit dem Baseballschläger auf ihn eingeschlagen haben. Das stellte sich im Verlauf der drei Prozesstage als falsch heraus und führte nun auch zur Feststellung des Gerichts einer »falschen Verdächtigung«, was eine Erhöhung des Strafmaßes um einen Monat nach sich zog.

Erst im Laufe des Strafverfahrens hatte der Angeklagte den Geschehensablauf eingeräumt und sich für seine Tat entschuldigt.

Das Schwurgericht am Landgericht Frankfurt ging mit dem Strafmaß noch deutlich über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus, die drei Jahre und neun Monate Haft verlangt hatte.

Die Tat lasse sich nur aus der komplizierten Vorgeschichte erklären, so der Vorsitzende Richter weiter. Wie bereits berichtet, hatte der nunmehr Verurteilte den Geschäftsführer für den wirtschaftlichen Niedergang der Firma verantwortlich gemacht. Kurz vor der Tat hatte er seinem späteren Opfer die Lebensgefährtin ausgespannt, die Besitzerin der Firma war.

Das Gericht sah den Tatbestand der Tötungsabsicht zusammen mit gefährlicher Körperverletzung auch deshalb als gegeben an, da der zu jenem Zeitpunkt alkoholisierte Täter nicht wahllos, sondern gezielt zugestochen habe. Es habe beispielsweise keine Stiche in Oberarme oder Beine des Opfers gegeben.

Zudem seien die Handlungen des Verurteilten direkt vor und nach dem Kampf so komplex gewesen, dass man sich wundern müsse. »Er muss gewusst haben, was er tat«, so der Richter. Eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit und auch eine verminderte Schuldfähigkeit ließen sich zwar nicht ausschließen, aber die Handlungen des Täters legten keine Wahrnehmungsstörungen nahe. So sah die Kammer zumindest einen bedingten Tötungsvorsatz, nämlich ab dem Moment, da der Täter mit dem Opfer konfrontiert entschieden habe, dieses anzugreifen.

»Sie sind ein Zockertyp und haben sich diesmal aber gehörig verzockt«, so der Vorsitzende Richter.

Opfer unterstellt keine Tötungsabsicht

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