Kennt Petterweils Historie bis in Detail: Horst Preißer zeigt das mittelalterliche Sühnekreuz im Pfarrgarten.
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Kennt Petterweils Historie bis in Detail: Horst Preißer zeigt das mittelalterliche Sühnekreuz im Pfarrgarten.

Historisches Petterweil

Historische Ortsführung: Petterweil hat einen Geheimgang

  • vonJürgen Schenk
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An vielen Petterweiler Ecken lugt die Geschichte des Ortes hervor. Horst Preißer ist als Kenner der Ortsgeschichte der perfekte Führer für einen Rundgang.

Seit zehn Jahren zeigt Horst Preißer Schulklassen und Besuchergruppen die interessantesten Plätze von Alt-Petterweil. Wegen Corona ist das zur Zeit nicht möglich. Dafür bietet der 81-Jährige dem Autor dieses Beitrags exklusiv eine Exkursion an. Am Tag des offenen Denkmals im September hofft er, wieder mit einer größeren Gruppe starten zu können. An der evangelischen Martinskirche startet die Exkursion. Über viele Jahrhunderte war sie der Mittelpunkt des dörflichen Lebens. Um die Pfarrkirche herum befand sich der älteste Petterweiler Friedhof, der jetzt unter einer Rasenfläche verborgen ist.

Der Kirchgarten lädt zum Verweilen ein. Ein mehr als 700 Jahre altes Taufbecken, ein mittelalterliches Sühnekreuz und das Fragment eines Torbogens aus dem Jahr 1617 mit dem Wappen des Kellers Jakob Zubrodt sind schöne Fotomotive. An einer Ecke der Kirche steht ein Grenzstein von 1821, der ursprünglich in die Petterweiler Gemarkung gehörte. Das dem Schutzpatron Sankt Martin geweihte Gotteshaus hat seinen Ursprung im 8. Jahrhundert und ist damit eines der ältesten in der Wetterau.

Historische Ortsführung Petterweil: Mauerreste und Brandspuren

Es habe sich um eine kleine Holzkapelle auf einem Steinfundament gehandelt, erklärt Preißer. Sie sei wahrscheinlich Ende des 8. oder Anfang des 9. Jahrhunderts abgebrannt. »1998, beim Einbau unserer neuen Heizung im Chorraum, hat man sehr alte Mauerreste und Brandspuren gefunden.«

Im Kircheninneren fällt die Säule am Altar sofort ins Auge. Bei der Restaurierung der lateinischen Inschrift wurde aus einem Riss im Holz fälschlicherweise ein Buchstabe; aus dem Wort »JESU« wurde »JESHU«. Der Text erzählt von der Zerstörung der Kirche im Pestjahr 1635 und vom Wiederaufbau im Jahr 1653. Eine weitere Besonderheit sind die Namen von damaligen Konfirmanden an der Emporenwand. »Die mussten die Kirchenglocken läuten«, weiß Preißer. Außerdem zeigt er ein etwa 2,50 Meter langes Vortragekreuz, das bei Beerdigungen zum Einsatz kam,

Bis zur Eingliederung in das Großherzogtum Hessen wurde das Dorf immer von mindestens zwei Landesherren regiert. Über lange Zeit waren das Solms-Rödelheim und Ysenburg-Büdingen. Beide Herrschaften stellten über Jahrhunderte ihre eigenen Amtmänner. Das Solmser Wappen mit der Jahreszahl 1747 ist noch am Kellereingang eines Hauses zu sehen, das damals der Familie Zubrodt gehörte.

Historische Ortsführung Petterweil: Entdeckung bei Kanalbauarbeiten

Durch Ober- und Untertor, drei Türme und eine Wallgrabenanlage war Petterweil gut geschützt. Die Kreuzung Alte Heerstraße - Am Dicken Turm - Alte Haingasse war der südlichste Punkt dieser mittelalterlichen Dorfbefestigung. 1934 wurde bei Kanalarbeiten hier etwas gefunden, wovon in anderen Orten nur erzählt wird. »Vom Obertor verlief ein unterirdischer Gang bis zum Dicken Turm«, klärt Horst Preißer auf. Petterweil hatte damals also nachweislich einen Geheimgang.

Das Schloss mit seiner Umgebung gehört zweifellos zu den schönsten Ecken des Dorfes. Genau genommen handelt es sich aber um einen ehemals befestigten Gutshof, der vor 1390 entstanden ist. Umgeben war das Anwesen von einem zwei Meter tiefen Wassergraben. Im Einfahrtsbereich kann man noch ein Teilstück der Original-Brückenmauer erkennen.

Vor der Einfahrt befindet sich das alte Rathaus mit Spritzenhaus und Arrestzelle, in dem die Ortsverwaltung von 1865 bis 1970 saß. Am Ende des Rundgangs fragt man sich: Wohin mit den ganzen übrigen Impressionen? Da wäre doch noch so viel mehr zu berichten.

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