Carolin Welcker zeigt in der Schüssel Krappwurzeln. Damit färbt sie die Merinowolle rot ein. Im Hintergrund hängt ihre Abschlussarbeit, der selbst designte Pullover. FOTO: DOSTALEK
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Carolin Welcker zeigt in der Schüssel Krappwurzeln. Damit färbt sie die Merinowolle rot ein. Im Hintergrund hängt ihre Abschlussarbeit, der selbst designte Pullover. FOTO: DOSTALEK

Designerin

Hier geht’s um die Wolle

  • vonAnne-Rose Dostalek
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Wolle und Naturfarben sind die Basis aus der Caroline Welckers Berufsträume sind. Die Modedesignerin hat sich in Karben niedergelassen und baut sich gerade ihr eigenes Label auf.

Wolle ist zur Leidenschaft der Start-up-Unternehmerin Carolin Welcker (24) geworden. "Ich spinne und färbe reine Wolle mit der Hand und benutze nur Naturfarben", sagt die junge Frau, die im Juni ihr Studium als Modedesignerin abgeschlossen hat. Da wohnte die gebürtige Leipzigerin schon seit einem halben Jahr in Karben. Studiert hatte sie an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Weil es mitten in der Corona-Krise schwierig war mit Bewerben und einer festen Anstellung, hat sie begonnen, sich ein kleines Unternehmen aufzubauen. Und das in der Wetterau - ihrer neuen Heimat. "Hier kann ich frei durchatmen und die Natur genießen."

Pandemie erschwert den Berufsstart

"Ich verkaufe meine Wolle über meinen Online-Shop Carolins Wollhandwerk und bin in den Social Media Pinterest, Instagram und Facebook präsent", erzählt Carolin Welcker. Gerne würde sie ihre Wolle auch auf den Hobby- und Kunsthandwerkermärkten anbieten, aber coronabedingt sei das derzeit nicht möglich.

Ihren Shop auf der Plattform ETSY für handgemachte Artikel hat sie professionell aufgezogen mit schönen Fotos und ausführlichen Produktinformationen. Sie ist zufrieden, wie es bislang mit dem Verkauf läuft. Das Feedback sei gut und ein leichtes Plus ist die Belohnung für die viele Arbeit, die sie in den Shop und in die Wolle steckt.

Mit Schafs-Vlies experimentiert

Denn selbst gemacht ist alles, von der Banderole am Wollknäuel bis zu den verkaufsfertigen Garnen. "Ich verwende als Rohmaterial hauptsächlich reine Merinowolle", erklärt Welcker. Anfänglich habe sie noch damit experimentiert, die Wolle selber zu waschen und zu kämmen, doch das habe sich als zu aufwendig herausgestellt. "Mein erstes Vlies habe ich einem Schäfer abgekauft und war dann tagelang beschäftigt, es in heißem Seifenwasser zu waschen und anschließend zu kardieren", erzählt sie. Und erklärt, dass kardieren ein Fachbegriff für kämmen ist. Denn erst nach diesem Arbeitsschritt könne Wolle weiterverarbeitet werden. Mittlerweile kaufe sie aber die gewaschene und gekämmte Rohwolle.

Der zweite Arbeitsgang, das Färben und Spinnen, ist das eigentliche Herzstück von Welckers Handwerkskunst und das gibt sie nicht aus der Hand. Ihre Wohnung wird dann zum Arbeitsplatz und auf dem Balkon hängen Wollstränge zum Trocknen.

"Diese Wolle hier färbe ich mit roter Zwiebelschale", sagt Welcker und packt einen Knäuel auf dem Tisch. Walnussschalen und Avocado ergeben zusammen eine schöne Melange von Braun und Naturweiß. Dunkellila wird die Wolle durch Blauholz und rot durch Krappwurzel.

Vor dem Farbbad, in den aufgekochten pflanzlichen Bestandteilen, wird die Wolle mit natürlichen Salzen gebeizt, damit sich die Faser öffnet und Farbe aufgenommen werden kann. Ohne diesen Arbeitsgang würde sonst die Farbe beim Waschen rausgehen.

Das Verspinnen der Wolle zu Garnen, aus denen sich dann Handschuhe, Mützen oder Pullis stricken lassen, liegt in Welckers Händen. Routiniert setzt sich die junge Frau an ein modernes Spinnrad, das zwar anders aussieht als die schönen alten Dorfspinnräder, aber dieselbe Funktion hat. Beigebracht hat sich Welcker alles selber, durch Anleitungen und Videos im Internet, denn im Studium stand diese alte Handwerkskunst nicht auf dem Semesterplan.

In ihrer Abschlussarbeit allerdings ging es schon um Strickdesign, denn da hatte sich Welcker schon auf das Thema Wolle gestürzt und einen Pullover aus selbst gesponnener Wolle und nach eigenem Entwurf kreiert. "Ich möchte nachhaltige Kleidung herstellen", das stand für Welcker am Ende ihres Studiums fest.

Sie hatte Feuer gefangen, ihr gefällt das Experimentieren mit Naturfarben und Naturprodukten, das Färben und Spinnen von Wolle. "Reine Schafswolle hat gegenüber den preisgünstigen Kunstfasern viele Vorteile", ist sie überzeugt.

Denn es sorgt für ein angenehmes Hautklima und ist auch leicht zu pflegen. Oft reiche es schon, einen Pullover zum Lüften aufzuhängen. Gewaschen werden müsse nur bei stärkerer Verschmutzung. Aus den modernen und billigen Kunstfasern aus denen herkömmliche Kleidung produziert wird, löse sich bei jedem Waschen Mikroplastik.

Ihre Preise für die Wolle gefärbt mit Naturfarben findet Welcker angemessen: 8,50 Euro für 50 Gramm, das sei auf einer Ebene mit industriell hergestellter Wolle.

Wolle in Naturfarben gibt es im Online Shop "Carolins Wollhandwerk", www.etsy. com/de/shop/CarolinsWollhandwerk. Erreichbar ist die Designerin über ihre Homepage: www.carolinwelcker.de oder per Mail unter kontakt@carolinwelcker.de.

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