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Die Hessen und ihre Liebe zum »Stöffche«

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Karben (bro). »Welch ein Bohai die Hessen um den ›Ebbelwoi‹ mache«, könnte ein Nichthesse denken und den Kopf schütteln über deren Kultur und Philosophie rund ums »Stöffche«. Für den Nichthessen ist diese Flüssigkeit selbst als süß Gespritzter sauer und führt bei übermäßigem Trinken - von Genuss wird der Nichthesse nicht sprechen - vielleicht sogar zum Flotten... So waren am Mittwochabend Hessen und »Eingeplackte«, die zahlreich erschienenen Liebhaber dieses Stöffchens, in Macho’s Bistro in Rendel unter sich.

Karben (bro). »Welch ein Bohai die Hessen um den ›Ebbelwoi‹ mache«, könnte ein Nichthesse denken und den Kopf schütteln über deren Kultur und Philosophie rund ums »Stöffche«. Für den Nichthessen ist diese Flüssigkeit selbst als süß Gespritzter sauer und führt bei übermäßigem Trinken - von Genuss wird der Nichthesse nicht sprechen - vielleicht sogar zum Flotten... So waren am Mittwochabend Hessen und »Eingeplackte«, die zahlreich erschienenen Liebhaber dieses Stöffchens, in Macho’s Bistro in Rendel unter sich.

Zur ersten Veranstaltung dieser Art stellte sich Jörg Stier mit einer Apfelweinlesung vor. Er sei ein »echt hessisch Kind, 1959 in Hanau geboren und mit Apfelwein groß geworden«, erzählte er mit einem verschmitzten Lächeln.

Mit 20 Jahren begann er in der Kelterei seiner Eltern in Maintal-Dörnigheim und habe Mitte der 1980er-Jahre durch die Herstellung verschiedener Apfelwein-Spezialitäten, Bewegung in die Angebotsszene gebracht. Mittlerweile stelle er über 40 verschiedene Sorten her. Seit 20 Jahren bietet er auch Apfelweinseminare für Selbstkelterer an und leitet als Dozent entsprechende Kurse an Volkshochschulen. Stier moderiert Apfelweinabende oder er begleitet mit seinen Erzählungen Streuobstwiesenwanderungen.

Doch nicht nur beim Keltern beweist Stier Kreativität, auch drumherum. So bietet er für Hessen, die in die Fremde reisen müssen, einen Notfallkoffer an. In der Kofferkartonage befinden sich Apfelwein, ein historisches Apfelweinglas, ein von ihm verfasstes Buch zur hessischen Apfelweinkultur und ein »Beipackzettel« für diesen Überlebenskoffer.

Für ein anderes Werk, das Buch »ApfelWeinKunst«, erhielt Jörg Stier den Sonderpreis des Hessenbuch-Preises 2008, der alljährlich vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels auf der Frankfurter Buchmesse vergeben wird.

»Wir keltern 200 000 Liter Apfelwein pro Jahr, also knapp über dem Eigenbedarf«, begann er und hatte damit sofort die Sympathie des Publikums gewonnen. Zur Einstimmung gab es einen roséfarbenen Apfelwein, den »Emma-Schoppen« und die dazu passende Anekdote über Emma und Einhard, sie, die Tochter, und er, der Biograf Karl des Großen. Eine zauberhaft anrührende Geschichte der Liebe, »die«, so schmunzelte der Autor, »sich womöglich ganz genau so zutrug.«

Reichlich gab es vom »Stöffche«. In Gläsern für den Gaumen und in Erzählform für die Ohren, dazu ein passendes Menü. »Dass Hessen nicht der Nabel der Apfelweinwelt ist, habe ich auf einer Messe im spanischen Asturien erleben und probieren dürfen. Mehr als 800 verschiedene Sorten aus aller Welt wurden gereicht. Und ich durfte probieren«, erzählte Stier. Ob er alle Sorten getestet hat?

Für einen Nichthessen, der dem »Ebbelwoi« nicht so verschrieben ist, war der Abend trotzdem ein herrliches Erlebnis für alle Sinne. Stier kann nicht nur das »Stöffche« herrlich keltern, sondern ist zugleich ein hervorragender Entertainer, der seine Geschichten rund um den Apfelwein dem Publikum mit leichter Ironie und viel Fantasie kredenzte und sie so alle zum Schmunzeln, ja sogar zum lauthals Lachen brachte.

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