Mahmud Lök steht in seiner völlig verschlammnten Garage. In der Nacht zum Sonntag hat ein Unwetter im Wohngebiet Falkensteinstraße/Sauerbornstraße erhebliche Schäden angerichtet. 	FOTOS: HOLGER PEGELOW
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Mahmud Lök steht in seiner völlig verschlammnten Garage. In der Nacht zum Sonntag hat ein Unwetter im Wohngebiet Falkensteinstraße/Sauerbornstraße erhebliche Schäden angerichtet.

Unwetter

Heftiges Gewitter in Wetterau: Schlammlawine rollt durch Petterweil

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Das zweite Juni-Wochenende werden die Bewohner des Quartiers Sauerborn-/Falkensteinstraße nicht vergessen. Bei einem heftigen Gewitterregen liefen 46 Keller voll.

Mahmud Lök schüttelt immer wieder den Kopf, als er in seine große Doppelgarage schaut. Darin steht ein Oldtimer-Sportwagen, es liegen Fahrräder und andere Materialien herum. Alles voller Schlamm. Die abschüssige Zufahrt zu der Garage des großen Hauses in der Sauerbornstraße 31 ist ebenfalls voller Schlamm, der Gehweg und die Fahrbahn davor gleichfalls. Lök zieht ein völlig verschlammtes Kinderfahrrad heraus und legt es vor dem Anwesen ab. Den Sportwagen fährt er die Schräge hoch auf die Straße und stellt ihn am Fahrbahnrand ab.

Dann laufen wir in die Garage. »Das schlammige Wasser stand kniehoch hier drin«, beschreibt er, was er in der Nacht zum Sonntag vorgefunden hat. »Wir haben schon geschlafen, als uns die Nachbarin geweckt hat und uns gesagt hat, wir sollten mal schauen, ob bei uns auch Wasser eingedrungen ist«, beschreibt Mahmud Lök die Zeit kurz nach Mitternacht. Es war, wie sich am nächsten Mittag sehr deutlich gezeigt hat.

Schlammlawine Petterweil: Familie schätzt Schäden auf 50.000 Euro 

Lök, der mit seiner Familie seit sieben Jahren hier wohnt, zeigt dem Reporter die Schäden. »Das Wasser ist bis in die Wohnung gelaufen.« Bei einem kleinen Rundgang wird deutlich, welche Schäden hier angerichtet worden sind. Ein Lagerraum ist vollgelaufen, der Kellerraum mit der Theke, die Waschküche, der Heizungskeller. »So hoch hat das Wasser gestanden«, zeigt er auf den Wasserrand an der Wand. »Diese Räume da drüben habe ich gerade erst renoviert«, zeigt Lök gegenüber.

Familie und Verwandte sind an diesem Mittag bei den Aufräumarbeiten. Ein Verwandter schätzt den Gesamtschaden »auf mindestens 50 000 Euro«. Ein Nachbar kommt die Straße entlang, interessiert sich, ob Lök gegen derartige Elementarschäden versichert sei. »Ich weiß nicht, muss morgen mal meine Versicherung anrufen.« Dann geht er in seine Garage und räumt weiter auf.

Schlammlawine Petterweil: Schlammlawine kam aus einem Feld 

Gut 100 Meter weiter, an der Sporthalle vorbei, liegen Sand und Schlamm an der Einmündung zur Falkensteinstraße. Auch in dieser ruhigen Wohnstraße sind die Spuren des Gewitters mit Starkregen deutlich zu sehen. Überall Sand- und Schlammstellen. In manchen Höfen und auf Grundstücken liegt das, was die Bewohner noch in der Nacht aus ihren nassen Kellern geräumt haben. Einige sind aber auch am Sonntagmittag noch bei der Arbeit. So etwa wie Familie Pfeiffer in Haus 27. Nicole Pfeiffer weiß, woher die Schlammlawine gekommen ist: »Da oben vom Feld her«, deutet sie ans Ende der Straße. Das bestätigen hinterher auch einige Nachbarn.

»Die Straße war wie ein Schlammfluss«, sagt sie. Mit ihrer Familie wohnt sie schon seit 1997 hier. »Wir hatten vor gut 15 Jahren schon mal Wasser im Keller«, erinnert sie sich. »Deshalb stehen auch keine Computer oder wertvolle Sachen in unserem Keller.« Der Schaden sei wohl nicht so hoch, schätzt sie. Dennoch haben sie, ihr Mann und ihre fünf Kinder einen arbeitsreichen Sonntag, gilt es doch, alle verschlammten Gegenstände auf die Straße zu bringen und mit dem Hochdruckreiniger abzuspritzen.

Schlammlawine Petterweil: Feuerwehrchef löst Großalarm aus

Ein paar Häuser weiter oben, fast am Feld, wohnt Daniel Grabmann. »Es war 0.30 Uhr, als es hier losging«, erinnert er sich. Das Wasser sei über den Bodenabfluss hochgedrückt worden, sagt er. 20 Zentimeter hoch habe es im Keller gestanden. »Das war ganz feiner Schlamm.« Die Schlammwelle in der Straße habe ausgesehen wie ein reißener Bach, beschreibt er die Ereignisse. »Bis um 4 Uhr morgens habe ich im Keller gearbeitet und alles weggeschafft.« Er habe aber noch Glück gehabt; alle Geräte seien noch in Ordnung.

Als das Unwetter losging, machte sich auch Stadtbrandinspektor Christian Becker auf den Weg nach Petterweil. Zunächst mit seinem privaten Auto. »Als ich in die Falkensteinstraße einbiegen wollte, habe ich gedacht, der Wagen bleibt stecken«, beschreibt er. Als er das Ausmaß des Unwetters und der Schäden gesehen habe, habe er Vollalarm ausgelöst. »Ich habe dort jeden Mann gebraucht.« Insgesamt 46 Keller habe man bis Sonntagvormittag leergepumpt. Am Mittag rückt Becker erneut in die Falkensteinstraße aus. Sorgenvoll schaut er gen Himmel: »Das Schlimme ist, dass für heute weitere Unwetter angesagt sind.«

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