So wird es gemacht: Der gelernte Schreiner Alexander Fröhlich zeigt den Teilnehmerinnen des Workshops, wie man mit den verschiedenen Werkzeugen umgeht. FOTOS: GEORGIA LORI
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So wird es gemacht: Der gelernte Schreiner Alexander Fröhlich zeigt den Teilnehmerinnen des Workshops, wie man mit den verschiedenen Werkzeugen umgeht. FOTOS: GEORGIA LORI

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Handwerkerkurs für Frauen boomt

  • vonGeorgia Lori
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Im Mütterzentrum Karben (Müze) bietet Schreinermeister Alexander Fröhlich an sechs Abenden einen Handwerker-Workshop für Frauen an. Der Kurs ist so begehrt, dass viele Frauen auf der Warteliste stehen. Sie reißen sich nahezu darum, Werkzeugkisten zu bauen, Silikonfugen zu ziehen oder Lampen anzuschließen. "Do it yourself" boomt, weil Frauen unabhängig von Handwerkern und Männern sein wollen.

Es ist ein Spätsommerabend, indem schon der Hauch des Herbstes zu spüren ist. Alexander Fröhlich und seine acht Kursteilnehmerinnen haben sich vor dem Hintergrund der Pandemie an der frischen Luft im Hof des Mütterzentrums versammelt. Sie sind neugierig auf Werkzeugkunde und praktische Beispiele. Einige von ihnen haben schon erste Erfahrungen mit Hammer, Dübel, Zange oder Schraubenzieher gemacht. Zum Kurs angemeldet haben sie sich aus unterschiedlichen Beweggründen.

Viele Bewerbungen sind eingegangen

Fröhlich ist Präventionsberater bei der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik und gelernter Schreiner. "Frauen trauen sich im handwerklichen Bereich nicht so viel zu wie Männer, bedingt durch die Rollenunterschiede", sagt er. Es ist Fröhlichs erster Kurs dieser Art. Ein Folgekurs in Karben ist wegen des großen Interesses angedacht. Am zweiten und voraussichtlich auch dritten Kursabend wird eine Werkzeugkiste gebaut, in Folge Silikonfugen gezogen. "Die Frauen lernen auch verschiedene Dübel und Schrauben kennen, bekommen vermittelt, wie etwas aufgehängt wird und wie man mit einer Säge umgeht."

Birgit Kahl vom Mütterzentrum erklärt, dass Vorsitzende Gabriele Ratazzi-Stoll Kontakt zu Fröhlich suchte, um den Kurs anbieten zu können. "Wir haben Bewerbungen ohne Ende bekommen für den Kurs", sagt Kahl. Diana Kugler aus Bad Nauheim hat schon gelegentlich zu Hause "gehandwerkelt". Im Kurs sei man unter Frauen, traue sich zu, etwas mehr zu fragen und es sei etwas anderes, wenn ein Fremder handwerkliche Fähigkeiten vermittele, sagt sie.

Holzfigur zum Nachbauen

Celia Roser aus Ilbenstadt hat schon beim Hausbau mit angepackt, um die Handwerker zu unterstützen und früher viel gesägt, gehämmert und gebohrt, wie sie erzählt. Ihr Geld verdient sie im IT-Bereich. Daniela Bug aus Karben hat ihrem Vater in der Jugendzeit geholfen, hat abgeguckt und wusste beim Workshop genau, welches Werkzeug man brauchte. "Ich mache auf meine Weise meine Dinge, möchte mich aber auch einmal an kompliziertere Sachen trauen", sagt sie. Sie wünscht sich aber auch Grundlagenkenntnisse.

Und die will Fröhlich zu Beginn des Kurses zunächst mit Werkzeugkunde vermitteln. Im Hof hat er einen Tisch aufgebaut, auf dem er diverse Werkzeuge präsentiert. Er zeigt einen Hammer, von dem es unterschiedliche Typen gibt, aber auch ein Sechskantschlüssel, ein Cuttermesser und diverse Stifte finden sich darunter. Die Teilnehmerinnen lernen Sägen für Holzverbindungen, Winkel und Schraubenzieher kennen.

Besondere Aufmerksamkeit erregen japanische Sägen, mit denen auf Zug gearbeitet wird. Auch das Thema Arbeitsschutz spricht Fröhlich an. "Heftpflaster, Handschuhe, Schutzbrille und Gehörschutz gehören in eine Werkzeugkiste", sagt er.

Immer wieder taucht Fröhlich in seine Werkzeugkisten ab, bringt Dübel, Meißel, diverse Zangen oder eine Blechschere zum Vorschein. Außerdem hat er eine kleine Figur aus Hölzern vorbereitet, die die Teilnehmerinnen nachbauen dürfen. Da ist Teamwork gefragt. Die dünnen Holzleisten müssen vermessen und abgesägt, die passenden Schrauben und Bohrer gefunden werden. Die Schnittränder der Säge werden mit Schleifpapier bearbeitet. Mut und Teamwork sind die besten Berater.

Die weiteren fünf Handwerker.Kurse finden am 9., 16., 23., und 30. September im Hof des Müze statt.

Handwerker-Kurse für Frauen boomen zur Zeit. Solche Kurse vermitteln Grundfertigkeiten oder auch bestimmte Schwerpunkte und die Teilnehmerinnen kommen mit Fachleuten in das Gespräch. Da die Frauen unter sich sind, haben die Kurse oft auch eine ermutigende Wirkung.

Warum ist der Workshop trotz eines sich verändernden Berufsbildes nötig?

Der Kurs ist daraus entstanden, dass man Frauen handwerkliche Grundtätigkeiten vermittelt, die daran Interesse haben. Es ist sinnvoll, damit sie ihre Männer im Haushalt unterstützen können oder selbst handwerkliche Dinge verrichten können.

Sind Frauen handwerklich ebenso begabt wie Männer?

Ja, doch wenn Frauen einen handwerklichen Beruf wie etwa Schreiner erlernen, dann legen sie mehr Wert aufs Detail als Männer.

Arbeiten die Frauen im Kurs auch an schweren Maschinen?

Ja, es soll auch eine Kreis- und Kappsäge zum Einsatz kommen. Dann fliegen richtig Späne. geo

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